Artikel in der "Frankfurter Rundschau" vom 09.08.2017

"Es geht auch ohne Gebühren"

Frank Berberich und Marco Kantner, Chefs von Fondssupermarkt, erklären, warum Geldanlage nicht teuer sein muss

Wem die Geldanlage in Aktien zu riskant scheint, in Gold zu spekulativ und mittels Sparbuch zu wenig lukrativ, der findet womöglich Fonds interessant. Allerdings sind Fonds eine vergleichsweise teure Geldanlage. Berater-, Vermittlungs- und Managementhonorare fallen an, der Ausgabeaufschlag wird fällig, ebenso die Depotgebühr. Da schrumpft der Investitionsbetrag schon zusammen, noch bevor er Rendite erwirtschaften kann. Aber es gibt auch eine günstigere Lösung: Fonds aus dem Fondssupermarkt. Die FR hat mit den Geschäftsführern des Miltenberger Unternehmens gesprochen.

Herr Kantner, Herr Berberich, warum braucht die Welt einen Fondssupermarkt?

Marco Kantner: Das ist schnell und einfach erklärt: Wir sind deutlich günstiger als die üblichen Hausbanken. Wir nehmen bei den meisten Fonds keinen Ausgabeaufschlag auf den Fondskauf, der normalerweise bei etwa fünf Prozent liegt. Darüberhinaus bekommen Anleger bei uns auch ein Gratisdepot. Die Gebühren von etwa 40 Euro im Jahr übernehmen wir, wenn die Anlagesumme mindestens 1500 Euro beträgt. Sie sehen also: Es geht auch ohne Gebühren.

Also kein Ausgabeaufschlag, keine Depotgebühren, keine Transaktionskosten - wie verdienen Sie eigentlich Ihr Geld?

Frank Berberich: Jeder Investmentfonds erhebt eine individuelle Fonds-Verwaltungsgebühr, auch Managementgebühr genannt. Die liegt in der Regel bei etwa zwei Prozent. Davon kriegen wir einen kleinen Anteil ab, der bis zu 0,5 Prozent betragen kann.

Also doch Gebühren!

Berberich: Stimmt, aber auf sehr niedrigem Niveau.

Welche Fonds gibt es bei Ihnen zu kaufen?

Kantner: In unserem Fondsfinder finden sich knapp 23 000 verschiedene Fonds. Das sind alle in Deutschland zugelassenen Fonds. Den größten Anteil haben Aktienfonds, gefolgt von Renten- und Mischfonds.

Wer kommt zu Ihnen?

Berberich: Zu uns kommt der versierte deutsche Privatanleger, der seine Anlageentscheidung selbst treffen möchte. Der praktisch keinen Wert auf Beratung legt, der einfach ein kostenbewusster Anleger ist.

Das heißt, Beratung bieten Sie gar nicht an?


Berberich: Doch, aber dann schließen wir mit dem entsprechenden Kunden einen separaten Beratungsvertrag ab, in dem die genauen Beratungsleistungen definiert werden.

Das ist dann aber nicht kostenfrei?

Berberich: Nein, die Kosten werden jeweils individuell mit dem Kunden vereinbart.

Und was macht jemand, der sich keine Beratung leisten möchte, aber trotzdem Hilfestellung benötigt?

Kantner: Auf unserer Webseite können Kunden ihre Depots kostenlos analysieren. Außerdem finden sie bei uns jede Menge Marktberichte von Fondsgesellschaften, News zu verschiedenen Fonds, Fondsporträts und Updates über Fonds, die schon länger am Markt sind. Und unser Team beantwortet alle Fragen rund um die Themen Depoteröffnung und Zusammenarbeit mit den Partnerbanken.

Wie viel Geld legen die Kunden denn bei Ihnen so an?

Berberich: Das ist sehr unterschiedlich. Das kleinste Depot ist zehn Euro schwer oder leicht, das größte zwölf Millionen - im Schnitt haben wir also 26 000 Euro Durchschnittsdepotbestand. Insgesamt verwalten wir im Fondssupermarkt rund 104 Millionen Euro.

Wie funktioniert der Fondskauf in der Praxis?

Kantner: Das ist sehr einfach: Der Kunde entscheidet sich für eine unserer sechs Partnerbanken. Dort eröffnet er über uns, zu unseren Sonderkonditionen, ein Depot und ein Konto und kann dann sofort loslegen und Fonds kaufen.

Und wenn ein Kunde ein Depot bei einer anderen Bank hat und zu Ihnen wechseln möchte?

Kantner: Wenn er das Konto schon bei einer unserer Partnerbanken hat, ist es nur ein Formular, mit dem er sein Depot auf den Fondssupermarkt überträgt. Das heißt Depot- und Kontonummer ändern sich nicht. Ist er bei einer anderen Bank oder Sparkasse, eröffnet er über uns ein neues Depot und überträgt kostenfrei seine Wertpapiere. Diesen Service nutzen viele Sparkassen-, Volks- und Raiffeisenbank-Kunden, weil sie die hohen Depotgebühren vermeiden wollen. Aktuell zahlen wir zudem eine Depotwechselprämie von maximal 4000 Euro.

Und wenn ich mich nun entschieden habe, welche Formalitäten sind zu beachten?

Kantner: Derzeit müssen Sie, um ein Depot bei uns zu eröffnen, sich das entsprechende Formular von unserer Webseite herunterladen und ausdrucken. Dort findet sich auch eine Ausfüllhilfe. Wenn das erledigt ist, schicken Sie es einfach unterschrieben an uns zurück. Die Legitimation wird dann online oder per Postident-Verfahren durchgeführt. In einem Vierteljahr wird der ganze Prozess online möglich sein.

Wie lang dauert das Ganze?

Kantner: Das Depot bei einer unserer Partnerbanken ist binnen drei bis vier Tagen eröffnet. Das Übertragen der Wertpapiere dauert in der Regel eine Woche bis 14 Tage. Bei einem reinen Vermittlerwechsel ist es binnen 24 Stunden erledigt.

Interview: Antje Mathez

Quelle: Frankfurter Rundschau vom 09.08.2017, Autorin: Antje Mathez
© Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Rundschau GmbH, Frankfurt."

Artikel lesen