Allianz Global Investors "Die Woche voraus" vom 23.08.2019

„Tiefenentspannung?“
Ein wenig inspirationslos begann die abgelaufene Woche. Die ersten Tage schienen wie eine pflichtgemäße technische Erholung auf die vorherigen Kursrückgänge abzulaufen. Stimulierend wirkten, zumindest wurde das kolportiert, die Erwartung eines Konjunkturpakets für Deutschland und an eine expansivere Geldpolitik in China in Folge der Reformen beim Leitzins. Dass billiges Geld aber nicht zwingend in Wachstum umschlagen muss, daran erinnert spätestens die Tatsache, dass die Kreditexpansion im Reich der Mitte zwar vorankam (wenn auch mit einem zuletzt rückläufigen Momentum), unser proprietärer „China Tracker“ aber keine Wachstumsbeschleunigung anzeigt. Am Mittwoch dann standen das FOMC-Sitzungsprotokoll an. Die „Begleitmusik“ dazu kam schon tags zuvor aus dem Weißen Haus.

Die Woche Voraus
Die neue Woche startet mit den Ergebnissen von Jackson Hole, dem Treffen der führenden Zentralbanker und Finanzminister, und dem G7-Treffen. Auf der Agenda beider Tagungen steht u.a. die Weltkonjunktur mit ihrer Schwächeneigung. Besonders um Jackson Hole sind die Erwartungen teilweise zu weit gelaufen, wenn es um die Geldpolitik der großen Zentralbanken geht. Deshalb wird die Rede von Fed-Chef Jerome Powell am Freitag zum Wochenausklang so wichtig. Geht er auf die Forderungen von US-Präsident Donald Trump zu weiteren, deutlichen Zinsschritten ein? Zeichnet er einen Weg für eine nach unten führende Zinstreppe vor? Die Geldmärkte scheinen hier bereits Fakten geschaffen zu haben. Sie haben das Heft in die Hand genommen und preisen sowohl für die US-Zentralbank Fed als auch für die Europäischen Zentralbank deutliche Lockerungen ein.

Zusätzlich ist der Veröffentlichungskalender für Konjunkturdaten prall gefüllt. Die Stimmungsindikatoren sollten das Bild prägen. Am Montag steht der viel beachtete ifo-Konjunkturklima-Index für Deutschland an, der wiederholt deutliche Schwächeanzeichen reflektierte und auf eine konjunkturelle Abkühlung hinweist. Aus den USA folgen am gleichen Tag der Chicago-Aktivitätsindex und die Auftragseingänge für langlebige Gebrauchsgüter. Am Dienstag dann folgt das Verbrauchervertrauen des Conference Boards für die Vereinigten Staaten, das sich bis zuletzt robust zeigte. Jetzt bleibt abzuwarten, ob sich der Handelsstreit nicht doch bemerkbar macht. Der Konsensus der Analysten stellt sich jedenfalls auf einen Rückgang ein. Am Mittwoch dürften die Wirtschaftsstimmung für die Eurozone und die Revision des Wachstums des Bruttoinlandsproduktes im 2. Quartal aus den USA hervorstechen. Den Wochenabschluss am Freitag bilden die Verbraucherpreise für den Euroraum, das GfK-Verbrauchervertrauen für das Vereinte Königreich und der Chicago-Einkaufsmanagerindex für die Vereinigten Staaten. Das Verbrauchervertrauen ist schon seit geraumer Zeit rückläufig und eine Umkehr ist kaum zu erwarten. Nach einer Serie an Rückgängen beim Chicago-Einkaufsmanagerindex erwartet der Konsensus jetzt eine Erholung, was Raum für Enttäuschungen lässt.

Active is:
Der CISS-Index, mit dem die EZB den systematischen Stress im Finanzsystem misst, ist zuletzt etwas gestiegen, was aber vornehmlich der höheren Volatilität am Aktien- wie am Anleihenmarkt geschuldet ist. Ansonsten zeigen die auf das Risiko bezogenen Indikatoren Tiefenentspannung an. Besonders die Risikozuschläge an den Anleihenmärkten („Spreads“) bewegen sich weiterhin auf niedrigem Niveau. Technisch betrachtet deuten die Relative-Stärke-Indikatoren auf eine neutrale bis leicht überverkaufte Lage hin. Unter der Annahme, dass es zu keinen negativen Überraschungen von Jackson Hole und der G7-Tagung kommt (Jerome Powell könnte allerdings die ambitionierten Zinssenkungserwartungen enttäuschen – was eigentlich ein gutes Zeichen für die Konjunktur wäre, aber die Märkte schauen aktuell hauptsächlich auf die Unterstützung der Zentralbank), und sich die Konjunkturindikatoren im Schnitt eher schwächer entwickeln, sieht es nach einer Woche aus, in der die Aktien Mühe haben sollten ihr Niveau zu verteidigen, während im Anleihesegment der Anteil an Anleihen mit negativer Rendite weiter zunimmt.

Tiefenentspannung wünscht Ihnen,
Hans-Jörg Naumer


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