Allianz Global Investors "Die Woche voraus" vom 29.08.2025
Was bedeutet es für Asien, dass die Fed auf einen lockereren Kurs in der Geldpolitik einschwenkt?
Jay Powell, der Vorsitzende der US-Notenbank Federal Reserve (Fed), ließ bei der Jackson Hole-Konferenz am 22. August durchblicken, dass die Fed ihre Geldpolitik lockern könne. Er führte mehrere Gründe für einen solchen Kurswechsel der Fed an, z. B. die Abschwächung am Arbeitsmarkt, zunehmende Abwärtsrisiken für die Beschäftigung und die Auffassung, dass es sich bei den durch die neuen Zölle ausgelösten Preissteigerungen wahrscheinlich um einen Einmaleffekt handele. Powell sagte, die Geldpolitik der Fed sei derzeit noch restriktiv und der Leitzins Fed Funds Target Rate liege um etwa 100 Basispunkte (Bp.) über dem neutralen Niveau.
Unseres Erachtens geht ein Riss zwischen geldpolitischen „Tauben“ und „Falken“ durch den Offenmarktausschuss (Federal Open Market Committee, FOMC): Die „Tauben“ begründen ihre Auffassung mit den schwachen Beschäftigungszahlen für Juli sowie den Abwärtskorrekturen der Zahlen für die vorhergehenden Monate, die „Falken“ verweisen auf die höher als erwarteten Inflationszahlen. Powells Rede kam jedenfalls am Markt gut an, denn damit ergibt sich die Möglichkeit einer Leitzinssenkung im September. Die Aktien- und Anleihenkurse erholten sich dementsprechend, der US-Dollar wertete ab und die Rohstoffund Goldpreise stiegen an.
In Asien dürfte es den Zentralbanken nach dem Schwenk der Fed hin zu einer lockereren Geldpolitik möglich sein, ihre Zinssenkungen zur Wachstumsbelebung fortzusetzen. So hat die Bank Indonesia (BI) die Märkte bereits am 20. August mit einer Zinssenkung um 25 Bp. überrascht, was die Konjunktur zusätzlich ankurbeln sollte. Neben der BI dürften auch die Bangko Sentral ng Pilipinas (BSP) und die Bank of Thailand (BoT) ihre jeweiligen Leitzinsen weiter senken. Die Reserve Bank of India (RBI) und die Bank of Korea (BoK) könnten die Geldpolitik ebenfalls lockern, wenn sich die Wachstumsbedingungen nicht verbessern.
Trotz der lockereren monetären Bedingungen sollten die asiatischen Währungen gut unterstützt bleiben, weil der Kurs des USD zum einen durch zyklische Faktoren (Leitzinssenkungen der Fed) und zum anderen durch strukturellen Druck (Sorgen um die Tragbarkeit der Fiskalpolitik) gedämpft wird.
Da die Fed auf einen lockereren Kurs einschwenkt, sind wir für Anleihen und Währungen aus Asien weiterhin optimistisch. Niedrigere Zinsen sollten die Binnennachfrage in den asiatischen Ländern stützen und so die Belastung des Außenhandels durch die höheren US-Zölle etwas kompensieren. Die lebhaftere Binnennachfrage und stabile Wechselkurse dürften sich günstig auf die Bonitätsprofile asiatischer Unternehmen auswirken. Bei Aktien empfehlen wir Titel aus Ländern, in denen die Binnennachfrage eine wichtige Säule der Wirtschaft ist, in denen Zinssenkungsspielraum besteht und in denen es keine landesspezifischen makroökonomischen oder politischen Anlässe zur Besorgnis gibt. Bei den kleinen, offenen Volkswirtschaften in Asien sind wir wegen der Sorgen um die US-Zollpolitik vorsichtig. Allerdings bleiben wir optimistisch für zinssensible Sektoren, die von einer Lockerung der monetären Bedingungen profitieren sollten.
Die Woche voraus
In der nächsten Woche stehen vor allem die US-Arbeitsmarktdaten, die Inflationsdaten für den Euroraum und die Frühindikatoren für alle wichtigen Länder an.
In Asien werden in China und Japan die jeweiligen Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungssektor Aufschluss darüber geben, wie sich die höheren US-Zölle auf die Volkswirtschaften der beiden Länder auswirken. Die Indizes für das verarbeitende Gewerbe dürften nach einem weiteren Rückgang in den Kontraktionsbereich geraten. Ihre Pendants für den Dienstleistungssektor sollten zwar ebenfalls sinken, aber oberhalb der Expansionsschwelle bleiben.
Auch im Euroraum stehen die Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungssektor an; sie werden im August voraussichtlich über dem Schwellenwert von 50 bleiben. Am Dienstag werden ebenfalls im Euroraum die Gesamt- und Kernraten für die Verbraucherpreisinflation (VPI) im August bekanntgegeben. Und am Donnerstag gibt es Daten zu den Einzelhandelsumsätzen im Euroraum im Juli sowie am Freitag die korrigierten Schätzungen für das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im zweiten Quartal.
In den USA werden die Einkaufsmanagerindizes des Institute of Supply Management (ISM) für August Aufschluss über die aktuelle Dynamik im verarbeitenden Gewerbe und im Dienstleistungssektor geben. Am Dienstag wird das Interesse vor allem den ebenfalls vom ISM veröffentlichten Herstellerpreisen im August gelten, die Hinweise auf etwaige Preissteigerungen geben könnten. Außerdem werden in der kommenden Woche die Zahlen zu den freien Stellen in den USA im Juli und die Arbeitsmarktdaten für August veröffentlicht. Der Markt rechnet damit, dass der Beschäftigungsaufbau außerhalb des Agrarsektors im August schwach war. Dies würde für eine anhaltende Arbeitsmarktschwäche sprechen und die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung der Fed im September erhöhen.
Ich hoffe, Sie haben sich gut für die anstehenden Lockerungen der Fed positioniert,
Christiaan Tuntono
Senior Economist, Asia Pacific