hep solar Artikel vom 18.09.2025
Der weltweite Strombedarf nimmt rasant zu. Eine Studie von McKinsey zeigt: Bis 2050 könnte sich der weltweite Verbrauch im schnellen Szenario verdreifachen – von derzeit etwa 30.000 Terawattstunden (TWh) auf bis zu 90.000 TWh. Selbst bei langsamer Entwicklung würde er sich mindestens verdoppeln. Hinter diesem Anstieg stehen drei wesentliche Treiber: die Elektrifizierung von Industrie und Schlüsseltechnologien, ein wachsender Wohlstand mit neuen Konsumgewohnheiten sowie klimatische und geopolitische Veränderungen.
Technologische Elektrifizierung – Strom als Schlüsselressource der Industrie von morgen
Die Umstellung fossiler oder mechanischer Herstellungs- und Verarbeitungsprozesse auf elektrische Verfahren ist in Schlüsselindustrien bereits in vollem Gange. Beispiele sind E-Mobilität im Verkehr, Roboter in der Fertigung, Lichtbogenöfen in der Stahlproduktion oder Elektrolyseure für die Wasserstoffproduktion. Gleichzeitig treibt die Digitalisierung den Stromverbrauch weiter an: KI-gestützte Systeme steuern Produktion, Logistik und Verwaltung, während Rechenzentren als Rückgrat der digitalen Infrastruktur zu den am schnellsten wachsenden Stromverbrauchern zählen.
Wohlstand, Urbanisierung und digitaler Konsum – Strom im täglichen Leben
Mit wachsendem Wohlstand steigen weltweit die Komfortansprüche und damit der Strombedarf. In vielen Schwellenländern wird eine stabile Grundversorgung aufgebaut, die neben Beleuchtung auch elektrische Haushalts- und Kommunikationsgeräte sowie digitale Angebote in Bildung und Gesundheit umfasst. In Industriestaaten wächst die Nachfrage nach durchgehender Stromverfügbarkeit für Klimatisierung, Wärmepumpen, Streaming und Smart-Home-Anwendungen. Gleichzeitig führt die Verdichtung von Städten zu einer stärkeren Elektrifizierung der Infrastruktur, etwa durch Nahverkehrssysteme, großflächige Beleuchtungskonzepte und einen wachsenden Gewerbe- und Dienstleistungssektor.
Klimatische und geopolitische Krisen – Strom in unsicheren Zeiten
Auch globale Entwicklungen treiben die Elektrifizierung voran. Hitzewellen erhöhen den Kühlbedarf von Gebäuden, Warenlagern und Rechenzentren. Extremwetterereignisse wie Stürme, Brände oder Überschwemmungen können Netze beschädigen oder Kraftwerke außer Betrieb setzen. Hinzu kommen geopolitische Spannungen, die kritische Lieferketten unter Druck setzen. Viele Länder reagieren mit dem beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien und dem Umbau ihrer Energiesysteme, um unabhängiger und krisenresistenter zu werden.
Der globale Energiehunger ist kein Zukunftsszenario. Er ist längst Realität. Wer ihn verstehen will, muss die Treiber kennen. Klar ist: Der steigende Strombedarf fordert Wirtschaft, Politik und Gesellschaft heraus – und eröffnet zugleich neue Chancen für eine zukunftsorientierte Energieversorgung.