Loys Capital Kolumne vom 31.03.2026
Der in seiner fünften Woche befindliche Iran-Krieg hat die Finanzmärkte hurtig in einen Korrekturmodus befördert. Anfänglichen Hoffnungen auf ein schnelles Ende der Bombardierungen ist Ernüchterung gefolgt, gepaart mit der Sorge vor einem langanhaltenden Konflikt und einer neuen Ölkrise.
Wie bei den meisten militärischen Konflikten wird die Dauer solcher Auseinandersetzungen unterschätzt. So war es im Ukraine-Krieg und so war es auch im Ersten Weltkrieg. Unterschätzt wurde auch die Wehrhaftigkeit des Iran der die ihm zu Gebote stehenden Möglichkeiten nutzt, um seinen Feinden Schaden zuzufügen. Dabei hat das Regime in Teheran erkannt, dass die gesamte Weltwirtschaft vom Zugang zu erschwinglicher Energie abhängt. Angesichts der Bedeutung der Wasserstraße von Hormus für die weltweite Energieversorgung halten die Mullahs einen Trumpf in ihrer Hand.
Den Aktienbörsen ist diese problematische Situation nicht verborgen geblieben. Hohe Energiepreise und die Angst vor Versorgungsengpässen veranlassen Volkswirte zu Abstufungen ihrer Wachstumsprognosen für die Weltwirtschaft. Ferner wird mit einem deutlichen Anziehen der Inflationsraten gerechnet, weil Lieferengpässe und Transportkostensteigerungen nahezu alle Waren verteuern. Vor diesem Hintergrund ist der rapide Anstieg der Langfristzinsen in den USA, Europa und Japan nicht verwunderlich. Angesichts der turmhohen Staatsverschuldungen kommt die durch den Iran-Krieg eingeleitete Zinssteigerungswelle zur Unzeit. Es besteht die Gefahr, dass die Notenbanken die Leitzinsen anheben müssen, zumal wenn sie ein ausschließlich an der Inflationsbekämpfung orientiertes Mandat haben. Dies ist bei der Europäischen Zentralbank der Fall, die den letzten Inflationszyklus bekanntlich völlig verschlafen hatte.
Derweil befinden sich etliche Aktienmärkte jetzt im Korrekturmodus und Amerikas Technologiebörse Nasdaq führt den Abwärtstroß an. Die vormals überbeliebten Halbleiter- und Softwareaktien nehmen an der Börsenkorrektur prominent teil, weil sie nach wie vor sportliche Bewertungen aufweisen und Zweifel an ihrem gigantischen Investitionsgebaren in KI-Kapazitäten ins Kraut schießen. Selbst blaublütige Unternehmen wie Microsoft oder SAP sehen sich mit nennenswerten Zurückstufungen ihrer Anteilsscheine konfrontiert. Zur Schwäche notieren ferner Finanzwerte, denn Insolvenzen und Fondsschließungen im Segment von ´Private Capital´ führten dort zu Sorgen vor einer neuen Finanzkrise.
Zu den überraschenden Verlierern der Korrektur zählt Gold. Das edle Metall, das üblicherweise als Krisengewinner gehandelt wird, brach seine vorangegangene Hausse ab und rangiert jetzt wieder auf einem Niveau von ca. 4.500 US-Dollar. Möglicherweise wird dabei eine Parallelität zu Kryptomünzen erkennbar, die ebenfalls seit einiger Zeit unter Druck stehen und nicht fundamental bewertbar sind. Ganz sicher hat es dem Goldpreis nicht geholfen, dass die Türkei zur Abstützung ihrer Währung größere Mengen Gold verkauft. Gleiches weiß man auch aus Russland.
Aus Chicago
Ihr
Dr. Christoph Bruns