Loys Capital Kolumne vom 15.09.2026
Ein Blick auf die Kursentwicklung bei Chemieaktien offenbart ein stark heterogenes Bild. Viele Unternehmen sind in Restrukturierungen eingebunden. Gleichwohl hat sich der Sektor als solcher im Jahr 2026 bislang recht positiv entwickelt. Europäische Chemieaktien konnten seit Jahresanfang um ca. 15 % zulegen.
Das ist, verglichen mit S&P 500 und Euro Stoxx 50, ein sehr respektabler Wert. Wie heterogen es aber innerhalb des Sektors zuging, zeigt etwa die Kursentwicklung von BASF verglichen mit derjenigen von LANXESS. Während die Ludwigshafener um gut 16 % zulegen konnten, schmierte der LANXESS-Kurs um knapp 20 % ab. Größenvorteile und Verbundeffekte wirkten zuletzt positiv auf BASF. Außerdem weckt die geplante Veräußerung des Agro-Geschäftes eine gewisse Fantasie. Demgegenüber fällt bei LANXESS auch der größere Anteil deutscher Produktion ins Gewicht, weil hierzulande die Energiekosten besonders hoch sind. Die Chemiebranche gilt als energieintensiv und muss daher sehr auf entsprechende Standortvorteile achten. Von diesem Blickwinkel her betrachtet, hatte sich die Übernahme von Covestro aus Leverkusen durch AdNoc (Abu Dhabi National Oil Company) aus den Emiraten als kluger Schachzug erwiesen. Die Kombination aus führender chemischer Technologie und Zugang zu günstigen Grundstoffen dürfte sicherlich Schule machen.
Sehr anspruchsvoll entwickelte sich derweil der Kurs von Wacker Chemie. Bessere Zahlen und Prognosen beflügelten die Münchener in diesem Jahr. Noch besser lief es indes bei Evonik aus Essen. Auch dort sorgten Kosten- und Strukturmaßnahmen dafür, dass die Zahlen ihren Tiefpunkt hinter sich gelassen haben. Derweil legte der Börsenliebling der vergangenen Jahre, Alzchem aus Trostberg, eine Verschnaufpause ein, nachdem dort die Produktionskapazitäten für Kreatin und andere Nahrungsergänzungsmittel ausgebaut werden mussten.
Erstaunlich stark präsentierten sich mit Clariant, EMS-Chemie und DSM-Firmenich, drei in der Schweiz notierte Chemiker. Aber hier spielten unternehmensspezifische Entwicklungen die Hauptrolle.
Eher schwierige Monate erlebten AkzoNobel, UCB und Solvay aus den Benelux-Staaten. Auch hier spielten unternehmensspezifische Gründe jeweils die Hauptrolle. Auch einige amerikanische Chemiespezialisten wie Eastman Chemical oder Westlake mussten in den vergangenen neun Monaten Federn an der Börse lassen. Andrerseits hat der Basis-Chemiker LyondellBasell aus Houston nahezu alle anderen Chemieaktien in diesem Jahr hinter sich gelassen. Dabei spielen auch die ausreichende Versorgung mit Erdgas und deren günstige amerikanischen Preise eine Rolle. Unterdessen wurden andere Chemiker deutlich negativ durch den Iran-Krieg tangiert. Borouge aus den Arabischen Emiraten ist ein gutes Beispiel für Chemieunternehmen, die unter der Transportkrise durch die Straße von Hormus leiden.
Insgesamt drängt sich der Eindruck auf, dass die Chemieaktien nach schwierigen Jahren die Talsohle durchschritten haben. Trotz geopolitischer Verwerfungen und Rohstoffverteuerungen sind die Unternehmen dabei, ihre Hausaufgaben zu machen und gestärkt in einen neuen Zyklus zu schreiten.
Aus Chicago
Ihr
Dr. Christoph Bruns