Ethenea Marktkommentar vom 02.04.2026
Im März wurden die Börsen weniger von Wirtschaftsdaten und stärker von der Weltpolitik beeinflusst. Grund dafür waren der Iran-Konflikt und die Blockade der Straße von Hormus. Ein massiver Angebotsschock am Energiemarkt kombiniert mit der hohen Unsicherheit weiterer Eskalationen führte zur Neubewertung von Risiko‑Prämien an den Aktien‑ und Anleihemärkten. Der Konflikt traf die Weltwirtschaft gerade in dem Moment, als diese laut Einkaufsmanagerindizes begann, sich aus einer mehrjährigen Seitwärtsphase herauszuarbeiten. Dieser Pfad einer globalen Wachstumsbeschleunigung wird nun zunächst nach hinten verschoben.
Mit dem Ausbruch des Iran-Konflikts rückte der Energiesektor schlagartig in den Fokus. Das verknappte Öl-Angebot ließ die Sorte Brent zeitweise deutlich über die Marke von 120 US‑Dollar je Barrel steigen. Die Folge waren kräftig steigende Transport‑, Versicherungs- und Finanzierungskosten im Welthandel und ein erneuter Aufwärtsdruck auf die ohnehin erhöhte (kurzfristige) Inflationsdynamik. Als Reaktion wurden strategische Ölreserven freigegeben. Die USA lockerten de facto die Sanktionen gegenüber russischen Energieexporten, um alternative Angebotsquellen zu mobilisieren und die unmittelbaren Auswirkungen auf Verbraucher und Unternehmen abzufedern.
Damit rückten Fragen der Nachfrage- und Produktivitätsdynamik in den Hintergrund, zugunsten von Energieknappheit, Verteilungskonflikten und der Widerstandsfähigkeit globaler Lieferketten. Der Ukraine-Konflikt verlor dadurch an Bedeutung, eine zeitnahe Lösung ist somit unwahrscheinlicher geworden.
Die aktuelle Situation stellt Notenbanken vermeintlich vor ein klassisches Stagflationsdilemma: Vor dem Iran-Konflikt sah es so aus, als würden sich die Leitzinsen langsam wieder normalisieren. Jetzt müssen die Notenbanker vorsichtig sein: Sie wägen ab, ob die Zinsen wirklich gesenkt werden können oder ob der Konflikt die Preise zu stark nach oben treibt. Die Renditen entlang der gesamten Zinskurve stiegen umgehend. Aus unserer Sicht ist dies mehr Panik als eine logische Schlussfolgerung. Kurzfristig werden höhere Ölpreise die Inflation anheizen. Langfristig kann dies aufgrund einer möglicherweise kollabierenden Nachfrage jedoch auch gegenteilig wirken. Deshalb halten wir Leitzinserhöhungen als Reaktion auf diesen Angebotsschock auch für einen Fehler.
In den kommenden Wochen richten wir unseren Fokus auf mehrere zentralen Faktoren. Erstens hängt jetzt alles vom Iran-Konflikt ab: Wenn sich die Lage an der Straße von Hormus entspannt, sinken die Energiepreise. Das wiederum bestimmt, wie sich die Inflation und die Wirtschaft entwickeln – und wie die Notenbanken darauf reagieren. Die kommenden Wirtschaftsdaten werden zeigen, wie schlimm die Lage wirklich ist.
Vor allem die Tendenz der Einkaufsmanagerindizes (PMI) sowie die Arbeitsmarkt- und Preisdaten aus den USA und Europa werden verraten, wie sehr der Schock die Realwirtschaft getroffen hat. Das für Mai angekündigte Treffen zwischen Präsident Trump und Präsident Xi bleibt ein wichtiger potenzieller Katalysator, der entweder zu einer moderaten Entspannung im globalen Handels- und Technologiekonflikt beitragen oder eine weitere geopolitische Front eröffnen könnte. Wegen dieser unsicheren Lage ist es wichtig, flexibel zu bleiben, Liquiditätspuffer zu bewahren und Chancen selektiv dort zu nutzen, wo der Markt zwischen kurzfristigem Schock und langfristiger Fundamentallage übertreibt.
Realzinsen setzen Märkte unter Druck
An den Kapitalmärkten spiegelte sich die geopolitische Eskalation in abrupt steigender Risikoaversion und einer beschleunigten Sektorrotation wider. Weder Edelmetalle noch Staatsanleihen boten einen diversifizierenden Effekt. Der Grund waren die steigenden Realzinsen, die beide Märkte unter Druck setzten.
Anleihen/Renditen
Im Monatsverlauf ist die Rendite 10‑jähriger US‑Staatsanleihen von 3,94 % auf fast 4,5 % gestiegen. Zum Monatsende schlossen sie bei 4,32 %. Die gestiegenen kurzfristigen Inflationserwartungen sind der Grund dafür, dass sämtliche Zinssenkungen der Fed für das Jahr 2026 ausgepreist wurden. Der Krieg macht es den Notenbanken extrem schwer, eine vernünftige Zinspolitik zu finden.
Die Lage ist schlicht verkompliziert worden. Wir gehen jedoch weiter davon aus, dass mit einem neuen Fed-Chair die politische Agenda und damit verbundene Lockerungen umgesetzt werden. Die Risikobereitschaft bei Anleihe-Investments ist ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen. Im Investment‑Grade‑Segment stiegen die Spreads leicht auf knapp über 90 Basispunkte. Die Risikoaufschläge im High Yield Bereich notieren bei ca. 317 Basispunkten, was gegenüber den Tiefstständen von Mitte Januar (ca. 250) eine deutliche Steigerung darstellt. Im historischen Vergleich sind aber beide Spreads immer noch niedrig.
Die Rendite der 10‑jährigen Bundesanleihen kannte im Monatsverlauf nur eine Richtung: aufwärts. Sie stieg von 2,64 % auf 3,00 %. Aufgrund der offensichtlichen Angst vor kurzfristiger Inflation hat der Markt zwischenzeitlich ganze drei Zinssenkungen der EZB eingepreist. Das halten wir für überzogen und sollte die EZB wirklich diesem Pfad folgen, erachten wir das als eine fatale Politik. Auf der Kreditseite stoppte die Spread‑Kompression auch in Europa: EUR‑Investment‑Grade‑Spreads stiegen leicht auf knapp unter 1 %, während EUR‑High‑Yield‑Spreads ebenfalls stiegen und bei 332 Basispunkten notierten.
Fazit
Die defensiv‑qualitätsorientierte Ausrichtung ist ein Grund, warum wir grundsätzlich keinen Anpassungsbedarf sehen. Die lange Laufzeit unserer Anleihen führt bei der aktuellen Zinsbewegung zu Buchverlusten. Wir, sind aber davon überzeugt, dass wir auf beiden Seiten des Atlantiks eher stabile bis rückläufige Renditen am langen Ende der Zinskurve sehen werden. Die kurzfristigen Inflationssorgen sind Panikmache und haben fast nichts mit der Entwicklung langfristiger Renditen zu tun. Hier wird kurzfristig übertrieben. Wir fokussieren weiterhin auf Emittenten hoher Bonität und bevorzugen europäische Emissionen.
Aktien
Für Aktien war der März ein perfekter Sturm aus erneuter Disruption durch den KI-Sektor und die geopolitische Eskalation im Nahen Osten. Auf Indexebene erlebten wir scharfe Korrekturen von um die 10 %. Interessanterweise handelt es sich bislang um eine reine Multiple-Kompression. An den veröffentlichten Gewinnerwartungen hat sich noch nichts geändert. Die bereits im Vormonat zu beobachtende Sektorrotation setzte sich weiter fort. Der zukünftige Gewinnpfad und die damit verbundene Kursentwicklung hängt stark vom zeitlichen Konfliktverlauf und den daraus resultierenden Lieferengpässen ab. Wir sind noch optimistisch und erwarten mit Blick auf die anstehenden Zwischenwahlen in den USA eine baldige Deeskalation. Wahrscheinlich werden alle Kriegsparteien eine Art von Sieg für sich beanspruchen. Unsere Grundthese von höherer Produktivität durch KI, anhaltenden Fiskalimpulsen und selektivem Wachstum bleibt noch bestehen.
Fazit
Die Portfolien sind im Kern unverändert und beinhalten weiterhin Qualitätsaktien und Unternehmen mit klarem KI‑ und Automatisierungsbezug. Gleichzeitig wurden sowohl selektions- als auch allokationsseitig Maßnahmen umgesetzt, um robuster durch diese volatile Phase zu kommen. Nettoquoten wurden taktisch weiter reduziert, zusätzlich wurde durch selektive Engagements in Pharma-, Verteidigungs-, Energie‑ und Rohstofftiteln diversifiziert. Strategisch bleibt unser Ausblick noch positiv. Wir warten derzeit auf den richtigen Moment, um taktische Absicherungen wieder aufzulösen.
Währungen
Der Nahost-Konflikt wirkt sich auch auf Währungen aus. Der US-Dollar rechtfertigte seinen Ruf als Safe-Haven-Währung. Er kletterte von einem Niveau von 1,18 um über drei Prozent in der Spitze. Der zukünftige Pfad wird weniger von diesen Flows und mehr von der wahrscheinlich sinkenden Zinsdifferenz gegenüber dem Euroraum sowie den aktuell stark in Frage gestellten Wachstumsaussichten geprägt.
Sollte Kevin Warsh im Mai wie erwartet neuer Fed-Chair werden, gehen wir von einer politischen Agenda aus, die niedrigere Refinanzierungskosten forcieren wird, sowohl für die US-Wirtschaft als auch als Nebeneffekt für die US-Regierung.
Fazit
Wir tendieren nach der jüngsten Stärke des US‑Dollar dazu, uns dem Konsens anzuschließen: längerfristig erwarten wir einen schwächeren US-Dollar. Deshalb wurde die Quote bereits reduziert und wird noch weiter angepasst werden. Zur weiteren Diversifikation unserer Währungsposition tragen mittlerweile der Yen und der Schweizer Franken bei. Insbesondere beim Yen sehen wir enormes Aufwärtungspotential.