Allianz Global Investors "Die Woche voraus" vom 14.08.2026
Aus unserer Sicht stehen der Region Asien-Pazifik derzeit drei zentrale Risiken gegenüber: (1) die Sperrung der Straße von Hormus, (2) mögliche Leitzinserhöhungen in den USA und (3) die ungleiche, K-förmige Entwicklung des von Künstlicher Intelligenz (KI) getriebenen Export- und Investitionsbooms.
(1) Die Sperrung der Straße von Hormus: Nachdem die USA und der Iran ihr Mitte Juni unterzeichnetes Memorandum of Understanding (MoU) nicht eingehalten hatten, kam es zu einer erneuten militärischen Eskalation. Die Straße von Hormus konnte danach für weniger als drei Wochen wieder geöffnet werden und ist seither faktisch geschlossen. Die Versorgung Asiens mit fossilen Brennstoffen und kritischen Chemikalien ist dadurch angespannt – wenngleich der gleichzeitige Rückgang chinesischer Energieimporte und steigende USEnergieexporte hier etwas Entlastung bringen. Besonders betroffen dürften asiatische Volkswirtschaften mit schwachen Außenbilanzen, hoher Energieinflation und Treibstoffsubventionen sein, etwa die Philippinen, Indonesien, Indien und Thailand.
(2) Mögliche Leitzinserhöhungen in den USA: Mit Kevin Warshs erster Sitzung als Fed-Chef im Juni begann ein neues Kapitel für die Federal Reserve. Der aktualisierte Summary of Economic Projections (SEP) samt „Dot Plot“ fiel merklich restriktiver aus – im Fachjargon „hawkish“ – und ließ zugleich die seit Langem bestehende Lockerungstendenz fallen. Da sich die Konjunktur robust zeigt und die Inflation über dem Zielwert liegt, dürfte die Fed wachsam bleiben. Warsh machte deutlich, dass das Federal Open Market Committee (FOMC) keine Toleranz für dauerhaft erhöhte Inflation zeigt. Solange sich die Inflation nicht abschwächt, ist die Fed unseres Erachtens eher geneigt, den Leitzins anzuheben – mit entsprechendem Druck auf asiatische Volkswirtschaften mit schwachen Außenbilanzen.
(3) Die ungleiche Entwicklung des KI-Booms: Die großen Technologiekonzerne (Hyperscaler) investieren weiterhin kräftig in KI-Infrastruktur – zum Vorteil der Halbleiter- und Technologiehardware-Standorte in Asien. Südkorea, Taiwan, Malaysia, Singapur, Japan und China verzeichnen allesamt robuste Exporte und Investitionen, getragen von der KI-nahen Technologiebranche. Einige süd- und südostasiatische Volkswirtschaften wie die Philippinen, Indonesien, Thailand und Indien sind hingegen weniger KI-intensiv aufgestellt; ihre Export- und Investitionsdynamik profitiert entsprechend weniger als bei den Wettbewerbern. Wir sehen hier das Risiko, dass diese Volkswirtschaften weiteren Gegenwind erhalten, der das Export- und Investitionswachstum bremst.
Bei den Anlageempfehlungen bleiben wir konstruktiv für die makroökonomischen Rahmenbedingungen und die Aktienmärkte Südkoreas, Taiwans, Malaysias, Singapurs, Japans sowie Chinas/Hongkongs. Diese Volkswirtschaften erscheinen uns weniger anfällig für die Sperrung der Straße von Hormus, widerstandsfähiger gegenüber höheren USLeitzinsen und gut positioniert, um vom globalen KI-Investitionsboom zu profitieren.
Die Woche voraus
In den USA werden am Montag der August-Index der New York Federal Reserve (Fed) für das verarbeitende Gewerbe sowie der Wohnungsmarktindex der National Association of Home Builders (NAHB) veröffentlicht. Am Dienstag stehen die Wohnungsbaudaten für Juli im Fokus, darunter Baugenehmigungen und Baubeginne. Am Donnerstag folgen die wöchentlichen Anträge auf Arbeitslosenunterstützung für die Wochen zum 3. und 10. August sowie der Philadelphia-Fed-Index für August. Die Woche endet am Freitag mit dem vorläufigen Einkaufsmanagerindex (PMI) von Standard and Poor‘s (S&P) für das verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungssektor im August; die Juli-Werte lagen bei 53,9 bzw. 54,6.
Im Euroraum stehen am Mittwoch die finalen Inflationsdaten für Juli an: Die Gesamtinflation, gemessen am Verbraucherpreisindex (VPI), lag im Juni bei 2,9 % im Vorjahresvergleich, die Kerninflation bei 2,5 % im Vorjahresvergleich. Am Freitag folgt das vorläufige Verbrauchervertrauen für August.
In Japan liegt der Fokus am Montag auf dem Bruttoinlandsprodukt (BIP) für das zweite Quartal. Das BIP-Wachstum dürfte gegenüber dem Vorquartal bei 0,5 % verbleiben, während sich die annualisierte Rate von 1,8 % im ersten Quartal auf 2,0 % beschleunigen dürfte. Weitere Veröffentlichungen der Woche sind die Aktivität im tertiären Sektor für Juni und die Filialumsätze des Einzelhandels für Juli (Montag), die Maschinenaufträge für Juni (Mittwoch), die Handelsbilanzdaten für Juli (Donnerstag) sowie der landesweite VPI (Freitag).
In China richtet sich der Blick am Montag auf die Konjunkturdaten für Juli. Das Wachstum der Industrieproduktion dürfte sich von 5,3 % im Juni auf 4,8 % im Vorjahresvergleich abschwächen. Die Einzelhandelsumsätze sollten sich dagegen von 1,0 % im Juni auf 1,6 % im Vorjahresvergleich verbessern. Am Donnerstag werden die einund fünfjährigen Loan Prime Rates für August bekanntgegeben; ihre Niveaus liegen bei 3,0 % bzw. 3,5 %.
Ich wünsche Ihnen, die anstehenden Risiken gut zu meistern und dabei attraktive Renditen zu erzielen.
Christiaan Tuntono
Senior Economist, Asia Pacific