Nordea “Investor Insight” vom 28.05.2026
Marktüberblick: Ölpreisschock und Optimismus an den Aktienmärkten
Der April 2026 hat einmal mehr deutlich gemacht, dass die Märkte weniger auf Schlagzeilen reagieren als auf das Vertrauen der Anleger. Trotz anhaltender geopolitischer Spannungen und einer fortdauernden Blockade rund um die Straße von Hormus, die den Brent-Ölpreis bis Monatsende auf über 110 USD je Barrel ansteigen ließen, kletterten die globalen Aktienmärkte auf neue Höchststände. Der entscheidende Treiber war die klare Rückkehr der Anleger zum Thema KI : Der S&P 500 und der Nasdaq Composite erreichten neue Rekordstände, Halbleiterwerte verzeichneten kräftige Kursgewinne, und die Schwellenländer führten die Rallye an – allen voran Taiwan und Südkorea, wo große Teile der globalen KI-Wertschöpfungskette konzentriert sind.
Bemerkenswert war im April jedoch nicht nur die Stärke der Rallye, sondern vor allem, welche Risiken die Märkte offenbar auszublenden bereit waren. Hohe Ölpreise, Lieferstörungen und Inflationssorgen bestimmten zwar die Rohstoff- und Anleihemärkte, an den Aktienmärkten galten sie jedoch weitgehend als beherrschbare Belastungsfaktoren und nicht als ernsthafte Gefahr für das Wachstum. Ein vorsichtigeres Bild boten hingegen die Anleihemärkte, die die anhaltende Schließung der Straße von Hormus trotz Waffenstillstands weiterhin als Risikofaktor einpreisten.
Zu Beginn des Krieges sprach die Internationale Energieagentur (IEA) von der größten Ölkrise der Geschichte. Auch Wochen später deuten Schätzungen darauf hin, dass dem globalen Ölmarkt – selbst unter Berücksichtigung umgeleiteter Pipelines und der Freigabe strategischer Reserven – weiterhin ein Defizit in Höhe von rund einem Zehntel des weltweiten Verbrauchs droht.1 Die Realwirtschaft folgt jedoch einer anderen Taktung. Selbst in einem optimistischen Szenario, in dem die USA und der Iran die Straße von Hormus zeitnah öffnen, dürfte es vier bis sechs Wochen dauern, bis Öltanker Europa und Asien erreichen – und dabei ist die Zeit für die Wiederinbetriebnahme der Raffinerien, von denen viele die früheren Angriffe möglicherweise nicht unbeschädigt überstanden haben, noch nicht berücksichtigt.
Die Lehre aus dieser Krise ist dieselbe wie schon so oft in der Geschichte: Die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen aus politisch instabilen Regionen schafft Verwundbarkeiten, gegen die selbst umfangreiche strategische Reserven keinen vollständigen Schutz bieten.
Die Diversifizierung der Energieversorgung ist ein zentraler Teil der Lösung, aber der Aufbau neuer Kapazitäten braucht Zeit. Bis dahin gilt mehr denn je: Die günstigste Energie ist die, die wir gar nicht erst verbrauchen.
Global Climate & Environment: Effizienz als zentrales Investmentthema
In einer Welt, in der Energie teuer, knapp und geopolitisch aufgeladen ist, sind die widerstandsfähigsten Investments nicht jene, die auf die nächste Preisbewegung setzen, sondern jene, die helfen, den Energieverbrauch weltweit zu senken.
Diese Überzeugung steht im Zentrum des Nordea 1 – Global Climate and Environment Fund. Wir investieren vor allem in Unternehmen, deren Lösungen dazu beitragen, Häuser, Fabriken und Rechenzentren intelligenter und effizienter zu machen. Zwar deckt unser Portfolio eine Vielzahl von Themen rund um Energiewende und Umweltschutz ab, doch mit rund 65 Prozent des Portfolios (Stand: April 2026) ist die Ressourceneffizienz derzeit der größte Anlageschwerpunkt.
Die Produkte und Technologien hinter diesem Schwerpunkt sind keine abstrakten Wetten auf eine ferne Zukunft – sie sind bereits im Einsatz, senken den Energieverbrauch und liefern messbare Ergebnisse.
In einem Jahr, das von geopolitischen Schocks, sprunghaft steigenden Ölpreisen und starken Schwankungen der Marktstimmung geprägt war, hat sich der Fonds robust behauptet – mit einer kontinuierlichen Outperformance gegenüber der Benchmark (+7,6 %) und vergleichbaren Fonds (+3,5 %) im Jahresverlauf.
Den größten Beitrag zur Wertentwicklung seit Jahresbeginn lieferte die Titelauswahl (+6%), insbesondere im Informationstechnologiesektor: Unser IT-Portfolio erzielte hier eine Rendite von rund 31%, während der MSCI World Information Technology Index lediglich auf 7 % kam (in Euro, vor Gebühren).
Zu dieser Outperformance trugen vor allem IT-Energieeffizienzunternehmen wie ASM International, AMD, Accton Technology, Cognex und Marvell bei – ebenso wie unsere Smart-Grid-Beteiligungen MasTec, Quanta Services und Prysmian. Diese waren mit Rekordauftragsbeständen und starken Wachstumsausblicken für 2026 ins Jahr gestartet und profitierten weiterhin von einer verbesserten Umsetzung sowie ihrer attraktiven Positionierung im Bereich Stromnetzinfrastruktur und Rechenzentrumsausbau.
Ausblick: Rückenwind für unsere Positionierung
Die Volatilität des Jahres 2026 hat unseren Fokus mehr denn je geschärft und unsere Anlagethese weiter untermauert. Unser Portfolio bleibt bewusst breit diversifiziert – über verschiedene Themen, Renditetreiber und Alphaquellen hinweg. Innerhalb dieses Umfelds stechen derzeit jedoch insbesondere zwei Themen hervor, die von strukturellen Trends getragen werden und aus unserer Sicht langfristig nachhaltige Chancen bieten.
I) Die enge Marktführerschaft weitet sich aus: Effizienz rückt im KI-Bereich in den Mittelpunkt
Der Wettlauf um künstliche Intelligenz begann als Rennen um die reine Rechenleistung – als Wettbewerb um die Entwicklung und den Einsatz der leistungsfähigsten Modelle. Seitdem hat sich dieser Wettlauf jedoch nahezu unbemerkt zu etwas Grundsätzlicherem entwickelt: zu einem Wettlauf um Energie. Die Rechenzentren, die heutige KI-Modelle antreiben, verbrauchen enorme und rasant steigende Mengen an Strom, während der Netzausbau weder schnell noch kosteneffizient genug voranschreitet, um mit dieser erhöhten Nachfrage Schritt zu halten.
Die Zahlen sprechen für sich. Nach aktualisierten Prognosen der IEA dürfte sich der Stromverbrauch von Rechenzentren bis 2030 nahezu verdoppeln – von 485 TWh im Jahr 2025 auf 950 TWh – und damit bis zum Ende des Jahrzehnts rund 3 % des weltweiten Strombedarfs ausmachen. Zum Vergleich: Rechenzentren verbrauchen bereits heute ungefähr so viel Strom wie ganz Deutschland – und bis 2030 dürfte sich ihr Verbrauch verdoppeln.2
Für die größten Akteure im KI-Bereich – Google, Microsoft, Amazon und Meta – ist dies längst zu einer zentralen Herausforderung geworden. Energieeffizienz ist zu einer geschäftskritischen Priorität geworden, und Unternehmen, die dabei helfen können, mit weniger Energie mehr zu leisten, rücken zunehmend in den Mittelpunkt der KI-Wertschöpfung.
Um zu verstehen, wo die KI-Wertschöpfung liegt, lohnt sich ein Blick auf die Struktur der Branche. Unternehmen wie OpenAI und Anthropic – die Entwickler hinter ChatGPT und Claude – besitzen die Infrastruktur, auf der ihre Modelle laufen, nicht selbst. Sie mieten sie an. Jedes Mal, wenn ein Nutzer ChatGPT eine Frage stellt, wird diese Anfrage an ein riesiges Rechenzentrum eines Technologiekonzerns wie Microsoft oder Google weitergeleitet, der die dafür genutzte Rechenleistung in Rechnung stellt. Je populärer und leistungsfähiger diese KI-Modelle werden, desto stärker steigt auch ihr Stromverbrauch – und damit die Stromrechnung.
Hier beginnt sich das Rennen zu verbreitern. In den vergangenen Jahren stand vor allem NVIDIA im Mittelpunkt – als dominierender Anbieter leistungsstarker, aber energieintensiver Prozessoren zur Entwicklung von KI-Modellen, insbesondere von GPUs (Graphics Processing Units). Doch GPUs sind auf Flexibilität und maximale Rechenleistung ausgelegt und nicht auf Effizienz.
Mit dem Übergang von der Entwicklung hin zum breiten Einsatz von KI – mit Milliarden täglich verarbeiteter Anfragen – rückt nun eine andere Art von Chip in den Mittelpunkt: der ASIC (Application-Specific Integrated Circuit), also ein speziell entwickelter Chip, der gezielt für die sich wiederholenden Prozesse beim Betrieb von KI-Modellen konzipiert ist. Diese Chips können deutlich mehr Rechenleistung pro eingesetzter Energieeinheit liefern und gehen damit unmittelbar die Effizienzherausforderung an, die inzwischen ganz oben auf der Agenda der Hyperscaler steht. Zu den führenden Unternehmen in diesem Bereich zählen Broadcom, Marvell Technology und Alchip – alle drei sind derzeit im Nordea 1 – Global Climate and Environment Fund vertreten.
Die Suche nach mehr Effizienz beschränkt sich jedoch nicht allein auf das Chipdesign. Sie weitet sich zunehmend auf das komplette Hardware- und Software-Ökosystem aus, das Effizienzgewinne ermöglichen kann. Entlang der Wertschöpfungskette sehen wir daher auch in folgenden Bereichen attraktive Chancen:
- Netzwerkinfrastruktur: KI basiert auf Tausenden von Chips, die zusammenarbeiten, weshalb schnelle und effiziente Datenverbindungen zwischen ihnen entscheidend sind (z. B. Arista, Accton, Fastly).
- Halbleiterausrüstung: Die Herstellung effizienterer Chips erfordert hochentwickelte Maschinen, die weltweit nur von wenigen Unternehmen produziert werden können (z. B. ASML, ASM International, Lam Research).
Die großen Technologiekonzerne bewegen sich bereits klar in diese Richtung. Eine Reihe von vor Kurzem eingegangenen Partnerschaften und Investitionszusagen zeigt, dass es sich längst nicht mehr um einen Zukunftstrend handelt, sondern um eine Entwicklung, die jetzt stattfindet: Anthropic arbeitet gemeinsam mit Google und Broadcom an der Entwicklung maßgeschneiderter KI-Chips, Meta kooperiert mit Broadcom bei der nächsten Generation eigener KI-Beschleuniger, und NVIDIA hat sich mit Marvell zusammengeschlossen, um kundenspezifische Chips für Hyperscaler weiterzuentwickeln.
II) Die „Hunger Games“: Das Stromnetz gerät angesichts der rasant steigenden Nachfrage an seine Grenzen
Über weite Teile der vergangenen zwei Jahrzehnte war das Stromnetz das stille Rückgrat der Wirtschaft – zuverlässig, unsichtbar und eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Die Stromnachfrage in den Industrieländern stagnierte, Effizienzgewinne glichen neuen Verbrauch aus, und Investitionen in die Netzinfrastruktur galten eher als routinemäßige Instandhaltung denn als strategische Infrastrukturmaßnahme. Diese Zeiten sind vorbei. Die Kombination aus KI-getriebenem Ausbau von Rechenzentren, Elektrifizierung von Verkehr und Wärmeversorgung sowie Rückverlagerung industrieller Produktion verändert die Lastkurve in einem Ausmaß, für welches das System nie ausgelegt war.
Plötzlich sind Leitungen, Transformatoren und Umspannwerke, die Strom vom Erzeugungsort zu den Verbrauchern transportieren, zum wichtigsten Engpass der Energiewende geworden.
Nach zwei Jahrzehnten stagnierender Nachfrage steht das US-Stromnetz nun vor einem strukturellen Anstieg: Die U.S. Energy Information Administration erwartet, dass der Strombedarf in den USA 2026 um 1,2 % und 2027 um 3,3 % steigen wird, wobei allein Texas aufgrund der stark zunehmenden Zahl an Rechenzentren mit einem Nachfragewachstum von bis zu 15 % konfrontiert ist. Weltweit dürfte die Stromnachfrage zwischen 2026 und 2030 mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 3,6 % steigen und damit rund 50 % schneller als im vergangenen Jahrzehnt.
Die Auswirkungen zeigen sich bereits deutlich in den Preisen. Im PJM-Netzgebiet – dem größten Stromnetzbetreiber der USA und in dessen Gebiet sich die höchste Konzentration von Rechenzentren im nördlichen Virginia befindet – sind die Zuschlagspreise bei Kapazitätsauktionen auf Rekordniveaus gestiegen und haben sich innerhalb von nur zwei Jahren nahezu verzehnfacht.
Angesichts von Netzanschluss-Wartezeiten, die sich inzwischen auf mehr als fünf Jahre erstrecken können, greifen Hyperscaler wie Amazon, Google, Microsoft und Meta zunehmend auf eigene gasbetriebene Stromerzeugung vor Ort zurück – ein Ausweichmanöver, das verdeutlicht, wie stark der Engpass beim Stromnetz inzwischen geworden ist. Die entscheidende Frage ist daher nicht, ob die Nachfrage nach Rechenleistung nachlässt, sondern wie schnell die Modernisierung und der Ausbau der Infrastruktur stattfinden können.
Dieser Engpass dürfte einen der nachhaltigsten Investitionszyklen des kommenden Jahrzehnts auslösen. Die weltweiten Investitionen in Stromnetze sind von 300 Mrd. USD im Jahr 2020 auf 480 Mrd. USD im Jahr 2025 gestiegen; für den Zeitraum 2026 bis 2035 werden weitere 5,8 Billionen USD erwartet – davon entfällt allein rund 1 Billion USD auf die USA.
Unser Ziel ist es, entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Netzmodernisierung und des Netzausbaus von diesen Investitionen zu profitieren – von spezialisierten Infrastrukturunternehmen, die Übertragungsnetze physisch modernisieren (MasTec und Quanta Services), über Hersteller von Kabeln und Ausrüstung, die Hochspannungskabel (Prysmian), Transformatoren und weltweit knapp verfügbare elektrische Komponenten (WEG) liefern, bis hin zu regulierten Versorgungsunternehmen, die auf beiden Seiten des Atlantiks in Stromübertragung und Energieerzeugung investieren (National Grid und NextEra Energy).
Letztlich treffen im Stromnetz der KI-Boom, die Energiewende und die Rückverlagerung industrieller Produktion physisch aufeinander. Die Beseitigung dieses Engpasses ist keine Option, sondern eine Voraussetzung für nahezu jedes große Wachstumsthema des kommenden Jahrzehnts. Genau das macht die Modernisierung der Stromnetze zu einer so großen und nachhaltigen Investmentchance – und erklärt, warum unser Engagement entlang der gesamten Wertschöpfungskette weiterhin zu den zentralen Überzeugungen des Fonds gehört.
Das Fazit
Die Welt befindet sich mitten in einem grundlegenden Wandel darin, wie Energie erzeugt, transportiert und verbraucht wird. Die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen ist erneut zu einer Quelle geopolitischer Verwundbarkeit geworden, die Stromnachfrage wächst schneller als das Angebot Schritt halten kann, und die Energiekosten sind gleichermaßen zu einem zentralen Thema für Verbraucher, Unternehmen und Regierungen geworden.
In diesem Umfeld ist der Investment Case für Effizienz so stark wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Der Nordea 1 – Global Climate and Environment Fund ist gezielt auf dieses Umfeld ausgerichtet: ein bewusst breit diversifiziertes Portfolio aus Lösungsanbietern in den Bereichen Ressourceneffizienz, saubere Energie, Elektrifizierung und Umweltschutz – Unternehmen, deren Produkte heute bereits im Einsatz sind, Energie einsparen und messbare Ergebnisse liefern.
Die Volatilität des Jahres 2026 hat unsere Überzeugung nur weiter gestärkt, dass genau hier langfristige und nachhaltige Chancen zu finden sind– und ist der Grund dafür, dass wir den Fonds auch im heutigen Umfeld weiterhin für hochrelevant halten.