Flossbach von Storch Kommentar vom 13.08.2026
von Pablo Duarte
Trotz anhaltender geopolitischer Unsicherheit und weiterhin hoher Energiepreise, ist die US-Wirtschaft weiter stark gewachsen und die Eurozone hat sich leicht erholt. Obwohl die US-Beschäftigungszahlen schwächer als erwartet waren, bleiben der Arbeitsmarkt und der private Konsum weiterhin robust. Der Krieg im Iran und die Blockade der Straße von Hormus erhöhen den Inflationsdruck sowie das Rezessionsrisiko. Die Eurozone ist als Nettoimporteur von Öl und Gas verwundbarer als die USA.
Im zweiten Quartal 2026 wuchs das US-BIP um 2,11 % gegenüber dem Vorjahr. Der private Konsum war mit 1,53 Prozentpunkten der wichtigste Wachstumstreiber. Investitionen in Hardware und Software, darunter ein Großteil der KI-Infrastruktur, trugen 0,7 Prozentpunkte bei. Da viele Hardwarekomponenten importiert werden, dürfte der Wachstumsbeitrag der KI deutlich geringer sein. Ob KI-Investitionen das Wachstum maßgeblich treiben, bleibt fraglich.
Inflation
Der Inflationsdruck ließ etwas nach. Im Juni stieg der US-Konsumentenpreisindex (CPI) wie erwartet um 3,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Kerninflation ohne Energie und Nahrungsmittel betrug 2,5 Prozent. Die Teuerung bei Dienstleistungen und Energie trug am stärksten zur Inflation bei.
Im Euroraum lag die Inflationsrate (HVPI) bei 2,9 Prozent. Ohne Energie und Nahrungsmittel betrug sie 2,5 Prozent. In Frankreich und Italien, wo die Teuerungsrate bis Februar noch unter 2 Prozent gelegen hatte, lag sie im Juli bei 2,4 Prozent bzw. 2,9 Prozent. Am höchsten fiel die Inflation mit 3,8 Prozent in Spanien aus.
China
Chinas Binnenwirtschaft bleibt schwach. Sowohl die binnenorientierten Unternehmen als auch die Exportunternehmen meldeten kaum eine Verbesserung der Geschäftslage. Der Bausektor zeigt keine Erholung, die Verbraucherstimmung bleibt pessimistisch. Für 2026 signalisiert die chinesische Zentralbank eine weiterhin moderat lockere Geldpolitik. Der IWF rechnet mit einem starken Fiskalimpuls für 2026.
Zinserwartungen
An den Futures-Märkten wird für die Fed bis Dezember 2026 eine Zinserhöhung von 25 Basispunkten eingepreist. Eine weitere Zinserhöhung bis Juli 2027 ist nur teilweise eingepreist. Im Euroraum werden bis Juli 2027 weitere Zinserhöhungen von insgesamt 50 Basispunkten eingepreist, wobei 25 Basispunkte bereits bis Ende 2026 erwartet werden. Das erwartete Zinsniveau liegt in Europa weiterhin deutlich unter dem der USA.
Konjunkturprognose 2026
Die Konsensprognosen für 2026 gehen von einem realen Wachstum von 2,1 Prozent in den USA, 0,7 Prozent in Deutschland, 0,8 Prozent in der Eurozone und 4,6 Prozent in China aus. In diesem Monat wurde die Wachstumsprognose für die Eurozone nach oben korrigiert.