Flossbach von Storch Kommentar vom 15.07.2026
von Pablo Duarte
Mit der kurzzeitigen Öffnung der Straße von Hormus sanken die Ölpreise und eine Normalisierung schien zum ersten Mal seit Beginn des Krieges greifbar. Die Finanzmärkte reagierten positiv und die Geschäftsaussichten verbesserten sich. Doch die erneute Blockade der Straße von Hormus hat die Aussichten erneut eingetrübt.
Der Einkaufsmangerindex ist ein vorausschauender Konjunkturindikator. Er liegt über 50, wenn mehr Unternehmen eine Verbesserung als eine Verschlechterung ihrer wirtschaftlichen Lage erwarten. Im Juni erholten sich die Einkaufsmanagerindizes (PMI) in Deutschland leicht. Der Einkaufsmanagerindex misst die aktuelle Geschäftslage und die kurzfristigen Erwartungen der Unternehmen. Insbesondere der Dienstleistungssektor ist seit Anfang des Kriegers im Iran unter Druck geraten. Die leichte Erholung könnte aufgrund der erneuten Eskalationen vorübergehend sein.
Im Gegensatz dazu bleibt die Geschäftslage in den USA positiv. Der private Konsum ist trotz hoher Energiepreise robust und der Arbeitsmarkt zeigt sich weiterhin stabil.
Inflation
Der Inflationsdruck ließ etwas nach. Im Juni stieg der US-Konsumentenpreisindex (CPI) im Vergleich zum Vorjahr um 3,5 Prozent, weniger als erwartet. Die Kerninflation ohne Energie und Nahrungsmittel betrug 2,6 Prozent. Die Teuerung bei Dienstleistungen und Energie trug am stärksten zur Inflation bei.
Im Euroraum gab die Inflationsrate (HVPI) etwas nach und lag bei 2,8 Prozent. Ohne Energie und Nahrungsmittel betrug sie 2,4 Prozent. In Frankreich und Italien, wo die Teuerungsrate bis Februar noch unter 2 Prozent gelegen hatte, lag sie im Juni bei 2,0 Prozent bzw. 3,1 Prozent. Am höchsten fiel die Inflation mit 3,6 Prozent in Spanien aus.
China
Chinas Binnenwirtschaft bleibt schwach. Die binnenorientierten Unternehmen erwarteten kaum Wachstum, während exportorientierte Unternehmen deutlich bessere Aussichten meldeten. Der Bausektor zeigt keine Erholung, die Verbraucherstimmung bleibt pessimistisch. Für 2026 signalisiert die chinesische Zentralbank eine weiterhin moderat lockere Geldpolitik. Der IWF rechnet mit einem starken Fiskalimpuls für 2026.
Zinserwartungen
An den Futures-Märkten werden für die Fed bis Dezember 2026 Zinserhöhungen von 25 Basispunkten eingepreist. Eine weitere Zinserhöhung bis Juli 2027 ist nur teilweise eingepreist. Nach der jüngsten Zinserhöhung der EZB um 25 Basispunkte rechnen die Märkte im Euroraum bis Juli 2027 mit weiteren Zinserhöhungen um 50 Basispunkte. Das erwartete Zinsniveau liegt in Europa weiterhin noch deutlich unter dem der USA.
Konjunkturprognose 2026
Die Konsensprognosen für 2026 gehen von einem realen Wachstum von 2,1 Prozent in den USA, 0,6 Prozent in Deutschland, 0,5 Prozent in der Eurozone und 4,6 Prozent in China aus. In diesem Monat wurde die Wachstumsprognose für die Eurozone erneut nach unten revidiert.