Flossbach von Storch Marktkommentar vom 03.03.2026
Die Luftschläge der USA und Israels auf den Iran sowie die Reaktion des Mullah-Regimes darauf schüren die Ängste vor einem großen Krieg in der Region. Welche Auswirkungen die Eskalation auf die Kapitalmärkte hat.
Die globalen Aktienmärkte haben bis gestern Nachmittag nachgegeben, wenngleich sich die Verluste in Grenzen hielten. Betroffen waren vor allem zyklische Unternehmen, allen voran die Tourismusindustrie und Fluggesellschaften, während die Aktien der Ölkonzerne gefragt waren. Noch lässt sich schwerlich abschätzen, wie sich die Lage im Nahen Osten entwickelt.
Der Tod Ali Chameneis, des religiösen Führers der Mullahs, begründet nicht den von US-Präsident Donald Trump angestrebten Regimewechsel. Der Iran ist keine Ein-Mann-Diktatur; das Regime stützt sich stattdessen auf Hundertausende aktive und inaktive Mitglieder der Revolutionsgarden. An potenziellen Nachfolgern mangelt es demnach nicht.
Insofern lässt sich „der Eingriff“ der USA im Iran auch nicht mit der Verhaftung des venezolanischen Staatspräsidenten Nicolás Maduro vergleichen. Heißt: Ob der Regimewechsel im Falle Teherans gelingt, ist völlig offen.
Wirtschaftlich bedeutsam ist der Konflikt vor allem aus zwei Gründen. Zum einen, weil die Anrainerstaaten des Persischen Golfs zu den weltweit größten Produzenten fossiler Brennstoffe gehören. Zum anderen, weil Staaten wie Saudi-Arabien, Irak oder Kuwait ihre Gas- und Ölexporte durch die Straße von Hormus lenken müssen – eine Meerenge zwischen Iran und Oman, deren Küsten an der engsten Stelle gerade einmal knapp 40 Kilometer trennen. Und ebendiese Meerenge blockiert der Iran erwartungsgemäß als Reaktion auf die Luftangriffe der USA und Israels.
Der Inflationsdruck nimmt zu
Wie bedeutsam dieser Transportweg für die ölexportierenden, aber auch ölkonsumierenden Nationen ist, zeigen Zahlen der US-Behörde „EIA“, der U.S. Energy Information Administration. Demnach werden täglich rund 20 Millionen Barrel Erdöl durch die Straße von Hormus geleitet, was 20 Prozent des weltweiten Erdölbedarfs entspricht. Die OPEC, die Organisation erdölexportierender Länder, hat als Reaktion auf die jüngste Eskalationsspirale zwar angekündigt, die Ölproduktion, um rund 200.000 Barrel Erdöl pro Tag anheben zu wollen. Die „blockierten“ Erdölexporte kann das aber nicht annähernd kompensieren.
Längerfristig könnte eine dauerhafte Blockade der Meerenge daher unweigerlich zu Knappheiten am Weltmarkt führen. Der Inflationsdruck nimmt also erneut zu.
Auch wenn wir – Stand heute – nicht davon ausgehen, dass der Krieg sich zu einem Flächenbrand in der Region und darüber hinaus ausweitet und langfristig die Weltwirtschaft beeinträchtigen wird, bestärkt er uns in unserer Anlagephilosophie, die nicht zuletzt vom Postulat der Diversifikation geprägt ist – Diversifikation über verschiedene Anlageklassen hinweg, aber auch innerhalb der Anlageklassen.
Als Investor tut man unseres Erachtens gut daran, sich auch auf Szenarien vorzubereiten, zumindest implizit, die oftmals von den großen Marktthemen überlagert werden; zuletzt hatte sich „der Markt“ vor allem auf das Thema Künstliche Intelligenz (KI) fokussiert – und potenzielle Risiken jenseits davon ausgeblendet.
Gefragt sind dann, wenn sich vernachlässigte Risiken materialisieren, die „sicheren Häfen“ – Gold oder nicht zuletzt der US-Dollar.
Das Edelmetall ist seit jeher festem Bestandteil unserer gemischten Portfolios. Den Greenback sichern wir aus eben jenem Grund der Diversifikation nicht vollständig ab. Auch die Kasse folgt dem Gedanken der Diversifikation und ist demnach ausreichend groß, um Anlagegelegenheiten wahrnehmen zu können, so sie sich ergeben.
Insofern werden wir in den kommenden Tagen sehr genau schauen, in welchen Bereichen sich Opportunitäten ergeben – sei es auf der Aktien- oder Anleiheseite.