Allianz Global Investors "Die Woche voraus" vom 25.09.2026
El Niño kann im asiatisch-pazifischen Raum Dürren, Überschwemmungen, Hitzewellen, Wasserknappheit und Ernährungsunsicherheit auslösen sowie die Lebensgrundlagen vieler Menschen beeinträchtigen. Durch die Erwärmung des zentralen und östlichen Pazifiks verändert El Niño die Niederschlags-, Temperatur- und Windmuster in der gesamten Region. In der Praxis bedeutet dies häufig schwächere Monsunregen, heißere Wachstumsbedingungen, sinkende Pegelstände der Stauseen und zunehmenden Wasserstress für den Anbau von Reis, Zucker, Palmöl und Kaffee sowie für Viehzucht und Aquakultur. Einige Kulturen und Regionen, etwa in Südamerika, können zwar von höheren Niederschlägen profitieren. Asiens wichtigste Grundnahrungsmittel und ländliche Gebiete sind jedoch im Allgemeinen stärker von Dürre, Hitze und einer verzögerten Aussaat betroffen.
Die gesamtwirtschaftlichen Folgen wirken aus unserer Sicht über vier zentrale Kanäle:
(1) Wachstum: El Niño beeinflusst das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) sowohl unmittelbar als auch mittelbar. Wo Niederschläge und Bewässerung nicht ausreichen, sinkt die landwirtschaftliche Produktion. Dadurch gehen die Einkommen in der Landwirtschaft und der Konsum im ländlichen Raum zurück.
(2) Inflation: Die Inflation ist die sichtbarste gesamtwirtschaftliche Folge, da die Nahrungsmittelpreise rasch auf befürchtete Engpässe reagieren. Besonders betroffen sind Grundnahrungsmittel mit kurzfristig unelastischem Angebot wie Reis und Zucker sowie Plantagenkulturen wie Palmöl, deren Erträge unter Dürren leiden.
(3) Geldpolitik: Wenn die Nahrungsmittelinflation stark anzieht, müssen die Zentralbanken die geldpolitischen Bedingungen straffen, um Zweitrundeneffekten vorzubeugen, selbst wenn sich das Wachstum abschwächt. Höhere Zinsen schaffen zwar kein zusätzliches Nahrungsmittelangebot, sie sind jedoch notwendig, um die Binnennachfrage zu dämpfen und die Inflationserwartungen im Zaum zu halten.
(4) Fiskalpolitik: Die Regierungen stehen vor schwierigen Zielkonflikten. Hilfszahlungen, Unterstützung für Bewässerung, Nahrungsmittelsubventionen und Importprogramme können die Haushalte entlasten, erhöhen aber zugleich die Haushaltskosten und könnten längerfristige Investitionen in die Anpassung an den Klimawandel verdrängen. Die Finanzpolitik sollte besonders gefährdete Haushalte und landwirtschaftliche Betriebe schützen, zugleich aber von breit angelegten Subventionen zu gezielter Unterstützung und langfristigen Anpassungsmaßnahmen übergehen.
El Niño lässt sich nicht verhindern, das Ausmaß seiner wirtschaftlichen Schäden jedoch sehr wohl begrenzen. Dafür ist eine abgestimmte Politik erforderlich: Frühwarnsysteme, eine transparente Verwaltung der Nahrungsmittelvorräte, offener regionaler Handel, eine glaubwürdige Kommunikation zur Inflation und Investitionen in eine widerstandsfähige Wasserversorgung.
Aus Anlagesicht bleiben wir mit Blick auf die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen und die Märkte in Südkorea, Taiwan, Malaysia, Singapur sowie China und Hongkong konstruktiv. Diese Volkswirtschaften sind im Vergleich zu anderen asiatischen Ländern weniger anfällig für El Niño, die Lage im Nahen Osten und höhere US-Leitzinsen. Zugleich profitieren sie vom weltweiten Investitionsboom rund um künstliche Intelligenz (KI).
Die Woche voraus
In den USA werden am Dienstag das Verbrauchervertrauen für September und die Zahl der offenen Stellen für August veröffentlicht. Am Mittwoch folgen die Beschäftigungszahlen des privaten Sektors für September sowie die Gesamt- und Kernrate der Inflation der persönlichen Konsumausgaben für August. Am selben Tag werden auch die endgültige Schätzung des Bruttoinlandsprodukts für das zweite Quartal und der Einkaufsmanagerindex für Chicago im September bekannt gegeben. Den Abschluss bilden am Freitag die Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft, die Arbeitslosenquote und das jährliche Wachstum der durchschnittlichen Stundenlöhne für September. Die in dieser Woche veröffentlichten Arbeitsmarktdaten dürften von den Marktteilnehmern aufmerksam verfolgt werden, da sie Aufschluss über die Beschäftigungslage in den USA geben.
Im Euroraum werden am Dienstag die Indikatoren der Europäischen Kommission zum Geschäftsklima, zur wirtschaftlichen Einschätzung und zum Dienstleistungsvertrauen für September veröffentlicht. Am Donnerstag folgt die Arbeitslosenquote für August, bevor am Freitag die Schnellschätzungen für die Gesamt- und Kerninflation im September anstehen. Sowohl die Arbeitsmarkt- als auch die Inflationsdaten werden genau beobachtet, um Hinweise auf den nächsten Schritt der Europäischen Zentralbank zu erhalten.
In Japan wird am Montag der Erzeugerpreisindex für Dienstleistungen für August veröffentlicht. Am Mittwoch folgen die Einzelhandelsumsätze und Wohnungsbaubeginne für August. Die Tankan-Umfrage für das dritte Quartal dürfte am Donnerstag einen Anstieg des Index für große Industrieunternehmen von zuvor 22 auf 25 ausweisen. Für große Unternehmen des Dienstleistungssektors wird dagegen ein leichter Rückgang von 37 auf 36 erwartet. Am Freitag stehen die Kerninflation in Tokio für September und die Arbeitslosenquote für August an.
In China wird am Mittwoch der offizielle Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe für September veröffentlicht.
Ich wünsche Ihnen, dass Sie gut durch die Marktvolatilität kommen und erfreuliche Erträge erzielen.
Ihr
Christiaan Tuntono
Senior Economist, Asia Pacific