Emerging-Markets-Ausblick

Raiffeisen Capital Management

Raiffeisen Capital Management Emerging Markets vom 17.03.2026

Die Schwellenländer-Aktien starteten 2026 mit kräftigen Kursanstiegen und übertrumpften dabei die entwickelten Aktienmärkte deutlich, wurden jedoch durch den Krieg zwischen den USA, Israel und Iran im März gebremst. Die Auswirkungen des Kriegs sind schwer einzuschätzen, da verschiedene Szenarien möglich sind, wobei besonders energieabhängige Schwellenländer betroffen sein könnten.

Iran-Krieg stoppt Kursrallye

Der globale Schwellenländerindex legte (in US-Dollar) in den ersten beiden Monaten um fast 15 % zu. Zum Vergleich: Die entwickelten Märkte kamen im gleichen Zeitraum nur auf einen Zuwachs von rund 3 %. Anfang März setzte der Krieg der USA und Israels gegen den Iran diesen Kurszuwächsen jedoch erst einmal ein jähes Ende. Zugleich fielen die Kursreaktionen bislang aber relativ moderat aus. Der Index für die Schwellenländer-Aktienmärkte gab in den ersten beiden Märzwochen um rund 7 % nach, jener für die Industrienationen um rund 4 % (in Dollar gerechnet). Damit steht heuer bislang immer noch ein deutliches Plus für Schwellenländeraktien zu Buche.

Viele Investor:innen reduzierten Risiko bzw. stoppten erst einmal Käufe in riskanteren Vermögenswerten, wie beispielsweise Aktien und Anleihen der Schwellenländer (Emerging Markets). Von Panikreaktionen kann derzeit jedoch keine Rede sein.

Keine Panik, sondern abwartende Haltung

Die wirtschaftlichen und geopolitischen Auswirkungen des Krieges in der Golfregion sind schwer abzuschätzen, weil es sehr unterschiedliche Szenarien für die weitere Entwicklung gibt. Sie könnten aber im negativen Fall viele Schwellenländer überdurchschnittlich stark betreffen, vor allem jene Staaten, die sehr stark von Energieimporten aus den Golfstaaten sowie den Handelsrouten durch den Persischen Golf und das Rote Meer abhängig sind. Wenig überraschend reagierten die Aktienkurse und Währungen der verschiedenen Emerging Markets daher auch unterschiedlich stark auf die Ereignisse.

Straße von Hormus als iranisches Faustpfand

Stand Mitte März ist die Straße von Hormus faktisch durch den Iran gesperrt, der nur noch eine kleine Zahl von Schiffen die Meerenge passieren lässt. Zugleich sind die Ölpreise und in einigen Regionen auch die Gaspreise stark angestiegen. Volkswirtschaftlich ist dabei weniger das Ausmaß der Energiepreisanstiege die entscheidende Größe, sondern wie lange die Preise auf stark erhöhten Niveaus verharren werden.

Risiken für die Schwellenländer

Vor allem die großen Volkswirtschaften Chinas und Indiens sind sehr stark von Öl- und Gasimporten aus der Golfregion abhängig und sehen sich im Zuge des Iran-Kriegs auch erheblichen geopolitischen Herausforderungen gegenüber.

Für China, das ohnehin schon mit unzureichender Binnennachfrage, geringer Profitabilität vieler Unternehmen und anhaltender Wachstumsschwäche kämpft, kommt das alles andere als gelegen. Allerdings ist anzumerken, dass China sehr große strategische Ölreserven aufgebaut hat und bislang offenbar auch weiterhin iranisches Öl beziehen kann.

Indien wäre bei einer anhaltenden Blockade der Straße von Hormus daher wohl schneller in Bedrängnis als China, könnte aber einen Teil der wegfallenden Importe vermutlich mit russischem Öl kompensieren.

Lateinamerika wiederum ist deutlich weniger unmittelbar gefährdet und Länder wie Brasilien und Kolumbien könnten als Ölexporteure sogar von den gestiegenen Ölpreisen profitieren.

In Zentral- und Osteuropa besteht eine hohe Sensibilität gegenüber Energiepreisen und Transportkosten. Im Falle stärkerer Inflationsanstiege könnten sich die Notenbanken gezwungen sehen zu handeln. Auch diesbezüglich bleibt aber die Dauer der Energiepreisverwerfungen entscheidend.

Südostasien als Zentrum vieler globaler Lieferketten, nicht zuletzt im Halbleiterbereich, dürfte weniger durch höhere Ölpreise, als durch logistische Probleme und steigende Transportkosten leiden, falls die Handelsrouten nach Europa längere Zeit unterbrochen werden.

Schwellenländer-Anleihen: keine Panik, aber Zurückhaltung

Auch für Schwellenländer-Anleihen verliefen die ersten beiden Monate positiv. Speziell Anleihen in US-Dollar zeigten sehr gute Wertzuwächse. Mit dem Iran-Krieg kam es allerdings zu Kursrückgängen. Diese erfolgten zum einen durch wieder anziehende Renditeaufschläge gegenüber US-Staatsanleihen. Zum anderen gaben auch US-Staatsanleihen selbst nach – eine Bewegung, die viele überraschte. Denn normalerweise profitieren US-Staatsanleihen bei geopolitischen Krisen als sicherer Hafen. Möglicherweise tun sie das auch noch, wenn der Konflikt längere Zeit anhält oder noch weiter eskaliert.

Lokalwährungsanleihen erlebten seit Anfang März wieder erste Kapitalabflüsse seitens internationaler Investor:nnen; allerdings in einem insgesamt überschaubaren Ausmaß. Sollte im Zuge des Konflikts der Dollar nachhaltig stärker werden, wäre dies negativ für die meisten Volkswirtschaften der Schwellenländer und vermutlich auch eine Belastung für deren Aktien- und Anleihemärkte.

Schnelles Kriegsende oder längerer Abnutzungskrieg?

Die Mehrheit der Marktteilnehmer:innen und Analyst:innen geht aktuell davon aus, dass sich der Iran nicht dauerhaft gegen die USA und Israel behaupten wird und/oder dass er die Blockade der Seewege nicht für längere Zeit aufrechterhalten kann. Das dürfte ein zentraler Faktor für die bislang ziemlich moderaten Marktreaktionen auf den Aktienmärkten sein, die auch den starken Ölpreisanstieg bislang recht gelassen weggesteckt haben. In einem solchen Szenario dürfte für die Weltwirtschaft kein größerer, dauerhafter Schaden entstehen und das positive globale Wachstumsbild schnell wieder in den Fokus rücken.

Sicher ist ein solcher Verlauf allerdings nicht. Das Ausmaß und die Dauer der iranischen Gegenschläge ist bislang über das hinausgegangen, was die meisten Beobachter:innen und offenbar auch die US-Administration erwartet bzw. einkalkuliert hatten und die Führungsstrukturen im Iran scheinen trotz des Todes großer Teile der Führungsriege bislang weitgehend stabil zu bleiben. Daher besteht auch die Möglichkeit, dass sich der Krieg länger hinzieht oder sogar noch ausweitet. In einem solchen Fall dürften die Ölpreise dauerhaft hoch bleiben oder noch weiter steigen, globale Handelsströme könnten nachhaltig beeinträchtigt werden und sowohl beim Wachstum als auch der Inflation Ungemach drohen. Ein solches Szenario preisen die Finanzmärkte derzeit nicht ein, sondern sie sehen es offenkundig (noch) als relativ unwahrscheinlich an.

Neuordnung im Mittleren Osten?

Langfristig könnte der Iran-Krieg je nach Ausgang und Verlauf zu einer massiven Neuordnung der geopolitischen Landkarte im Mittleren Osten (und darüber hinaus) führen. Entweder, indem der Iran als regionale Macht verschwindet oder stark geschwächt ist und damit auch als potenter Faktor in der Achse Russland-China-Iran (sowie BRICS) ausfällt. Oder aber, indem die Vormachtstellung der USA in der Region untergraben und hinterfragt wird und sich (einige) Staaten der Region geopolitisch umorientieren.

Fazit: Aus Investorensicht ist festzuhalten, dass eine Vorhersage über Dauer und Ausgang des Iran-Konflikts aktuell mit enormen Unwägbarkeiten behaftet ist und damit sowohl Aufwärtspotenzial, aber auch Abwärtsrisiken für viele bzw. bestimmte Schwellenländer bestehen. Unabhängig von diesem Krieg und seinem Ausgang bleiben jedoch die langfristigen Wachstumschancen vieler Regionen (speziell Asiens) intakt, ebenso – für die nähere Zukunft zumindest – das Thema künstliche Intelligenz und Investitionen in die dafür benötigte Infrastruktur. Daher sehen wir beispielsweise auch die Märkte Korea und Taiwan trotz der geopolitischen Störfeuer weiterhin als aussichtsreich an und betrachten die Kursrückgänge dort noch nicht als ein Ende des Aufwärtstrends.

Bei Ländern wie Indien und China bleiben wir erst einmal vorsichtiger und teilweise selektiv positioniert, was aber auch schon vor dem Iran-Krieg der Fall war und nicht unmittelbar damit im Zusammenhang steht. Es versteht sich von selbst, dass die aktuelle Situation eine fortwährende sorgfältige Beobachtung und ein sehr flexibles Agieren erfordert.

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Raiffeisen Capital Management steht für die Raiffeisen KAG.

Dies ist eine Marketingmitteilung.