Das Marktgeschehen im Februar wurde von drei Themen dominiert: dem nächsten Schritt der KI‑Revolution, einer neuen Runde im globalen Zollstreit und zum Monatsende die drastische Eskalation im Iran-Konflikt. Gleichzeitig sorgte eine robuste Berichtssaison dafür, dass die Risikomärkte trotz dieser Schocks erstaunlich widerstandsfähig blieben.
Die Lage im Nahen Osten erreichte Ende Februar einen neuen Höhepunkt, als die USA und Israel mit koordinierten Luftschlägen Ziele im Iran angriffen. Diese Operation markiert eine deutliche Eskalation des seit Jahren schwelenden Konflikts und erhöht die Risiken für Energiepreise, Lieferketten und die globale Risikowahrnehmung. Parallel dazu jährte sich der Beginn des Kriegs in der Ukraine zum vierten Mal – ein Konflikt, der sich zunehmend zu einem Abnutzungskrieg entwickelt und Europa strukturell mit höheren Verteidigungsausgaben sowie anhaltender Unsicherheit belastet.
Entsprechend groß ist die Hoffnung der Märkte, dass das für Ende März in Aussicht gestellte Treffen zwischen Präsident Trump und Präsident Xi zu einer zumindest vorübergehenden Entspannung führt und das Risiko weiterer handelspolitischer und geopolitischer Fehltritte verringert. Mit der Einführung sogenannter agentischer KI‑Systeme verschiebt sich der Schwerpunkt der reinen Textgenerierung hin zu eigenständig handelnden digitalen „Assistenten“, die ganze Arbeitsabläufe planen, ausführen und optimieren können. Kurzfristig nährt diese Entwicklung zwar die Sorge vor einer Dezimierung ganzer Branchen, mittel- bis langfristig ist sie jedoch ein wichtiger Träger von Produktivität und potenziellem Wachstum.
Der Oberste Gerichtshof der USA (SCOTUS) setzte auf der handelspolitischen Bühne ein wichtiges Ausrufezeichen: In einer Grundsatzentscheidung erklärte er die auf Grundlage des Notstandsgesetzes IEEPA verhängten Zölle für unzulässig. Damit verliert der US-Präsident ein zentrales Instrument, um im Alleingang neue Sonderzölle zu verhängen. Zudem wird eine wesentliche Drohkulisse gegenüber Handelspartnern abgeschwächt. Bestehende Zölle, die auf Basis anderer Rechtsgrundlagen wie Section 301 oder Section 232 verhängt wurden, bleiben allerdings in Kraft, sodass der grundsätzliche Trend zu einer Fragmentierung der Handelsbeziehungen bestehen bleibt.
Markt-Navigator
Anleihen/Renditen
Ende Februar lag die Rendite 10‑jähriger US‑Staatsanleihen bei rund 3,94 % und damit relativ deutlich unter dem Niveau von vor einem Monat (4,24 %). Die Kurve blieb im historischen Vergleich weiterhin flach, wobei am kurzen Ende nach wie vor mehrere Zinssenkungen der Fed für das Jahr 2026 eingepreist sind. Solide US‑Konjunkturdaten und ein weiterhin robuster Arbeitsmarkt begrenzen jedoch die Möglichkeiten für deutlich schnellere oder aggressivere Lockerungsschritte. Die Risikoaufschläge am US‑Kreditmarkt verharrten insgesamt auf niedrigem Niveau: Der High‑Yield‑Spread bewegte sich im Februar mit knapp 3 Prozentpunkten nur wenig über den historischen Tiefstständen. Dies deutet auf eine weiterhin hohe Risikobereitschaft hin. Auch im Investment‑Grade‑Segment blieben die Spreads eng, was auf die Kombination aus soliden Unternehmensbilanzen und anhaltender Nachfrage nach Rendite in einem Umfeld stabiler Zinsen zurückzuführen ist.
In der Eurozone sank die Rendite 10‑jähriger Bundesanleihen im Monatsverlauf leicht und lag Ende Februar bei rund 2,64 %, nachdem sie Ende Januar noch bei knapp 2,84 % notiert hatte. Rückläufige Inflationsraten und die Hoffnung auf eine vorsichtige Lockerung der Geldpolitik durch die EZB stützten die Nachfrage nach sicheren Euro‑Staatsanleihen. Auf der Kreditseite setzten sich die Spread‑Kompressionstendenzen auch in Europa fort: EUR‑Investment‑Grade‑Spreads blieben eng, während EUR‑High‑Yield‑Spreads moderat zurückkamen. Dies wurde durch die Suche nach Rendite und die bislang robuste Unternehmensgewinnsituation gestützt.
Im Portfolio bleiben wir unserer defensiv‑qualitätsorientierten Ausrichtung treu. Vor dem Hintergrund stabiler bis leicht rückläufiger Kernrenditen und enger Spreads fokussieren wir uns im Anleihebereich weiterhin auf Emittenten hoher Bonität und einer im historischen Vergleich eher längeren Duration. So können wir von potenziell niedrigeren Renditen profitieren, ohne übermäßig Kreditrisiko aufzubauen. Der Fokus liegt dabei nach wie vor auf europäischen Emissionen.
Aktien
Die Berichtssaison auf beiden Seiten des Atlantiks war insgesamt besser als im Vorfeld befürchtet. Viele Unternehmen konnten solide Umsatz- und Gewinnzuwächse verzeichnen und ihre Prognosen zum Teil anheben. Das half, die durch Geopolitik und Zollthemen ausgelösten Verunsicherungen zu überlagern und größere Kursrückgänge zu verhindern, vor allem in KI‑nahen Sektoren, die von den beschriebenen Investitionsprogrammen besonders profitieren. Gleichzeitig bleibt die Volatilität erhöht. Jede neue Schlagzeile aus Teheran, Washington oder Peking kann kurzfristig zu Bewegungen führen, zumal die Bewertungen in vielen Marktsegmenten bereits ambitioniert sind. Das strukturelle Bild – höhere Produktivität durch KI, anhaltende Fiskalimpulse und selektives Wachstum – bleibt zwar intakt, wird aber von zunehmenden geopolitischen Tail‑Risiken überlagert.
Wir sehen weiterhin gute Argumente, an Qualitätsaktien und an Unternehmen mit klarem KI‑ und Automatisierungsbezug festzuhalten. Gleichzeitig sollte das Aktienportfolio robuster gegen politische Schocks gemacht werden – unter anderem durch eine breitere regionale Diversifikation, defensivere Sektoren wie Pharma sowie selektive Engagements in Energie‑ und Rohstofftiteln.
Währungen
Der US‑Dollar zeigte sich im Februar weiterhin schwankungsanfällig, blieb aber in einer insgesamt engen Handelsspanne. Der EUR/USD bewegte sich überwiegend im Bereich von etwa 1,17 bis knapp über 1,19 und lag zum Monatsende bei rund 1,18. Politische Schlagzeilen, Diskussionen über die Unabhängigkeit der Fed und eine wechselhafte Risikostimmung sorgten dabei immer wieder für Ausschläge, ohne jedoch einen klaren, nachhaltigen Trend einzuleiten.
Die „Dollar‑Dominanz“ der letzten Jahre wirkt vorerst gedämpft. Einerseits schmälern eine geringere Zinsdifferenz gegenüber dem Euroraum sowie das anhaltende geopolitische Rauschen rund um US‑Zölle und außenpolitische Alleingänge die Attraktivität des Greenback als „sicherer Hafen“. Gleichzeitig sorgen gute US-Wirtschaftszahlen und die Nominierung von Kevin Warsh für Vertrauen. Da Warsh als Verfechter einer unabhängigen und eher strengen Geldpolitik gilt, rechnen Beobachter nicht mit einer zu lockeren Zinspolitik der Fed. Bemerkenswert ist, dass ein schwächerer US‑Dollar inzwischen zur Konsenserwartung vieler Marktteilnehmer geworden ist – ein Umfeld, in dem negative Überraschungen für den Dollar eher begrenzt erscheinen.
Vor diesem Hintergrund bleibt der Ausblick für den US‑Dollar aus unserer Sicht offen. Die kurzfristige Richtung hängt wesentlich davon ab, ob die kommenden Makrodaten den derzeitigen Optimismus für den Euroraum und die Erwartung weiterer Fed‑Lockerungen bestätigen oder relativieren. Solange kein klarer fundamentaler Impuls erkennbar ist, lassen wir unsere Dollar-Quote unverändert. Zur weiteren Diversifikation unserer Währungsposition tragen mittlerweile der Yen und der Schweizer Franken bei.