Der Januar war geprägt von einem Mix aus geopolitischen Spannungen, stabilisierenden Konjunktur- und Inflationsdaten sowie einer abwartenden Haltung der großen Zentralbanken.
Der Krieg in der Ukraine bleibt ein zentraler Belastungsfaktor. Auch wenn es bedingte Fortschritte bei den Gesprächen der Kriegsparteien gibt, bleibt die politische Risikoprämie hoch. Die US-Amerikaner sind sowohl in Bezug auf Venezuela als auch auf Grönland und nicht zuletzt auf den Iran über das Stadium der Rhetorik hinausgegangen. Während der Eingriff in Südamerika und die Forderungen bezüglich Grönlands relativ schnell aus dem Fokus gerieten, bleibt das Risiko plötzlicher Eskalationen insbesondere im und mit dem Iran bestehen.
Die globalen Wachstums- und Inflationspfade bewegen sich weiterhin entlang der Trends der vergangenen Monate: moderates Wachstum bei allmählich nachlassender, aber heterogener Inflation. Die umfangreichen Fiskalpakete, die im vergangenen Jahr in den USA, Europa und mehreren Schwellenländern beschlossen wurden, treten im Laufe des ersten Halbjahres 2026 zunehmend in die Umsetzungsphase.
Für die Eurozone werden für 2026 Inflationsraten im Bereich von knapp 2 % bei realen Wachstumsraten um die 1 % prognostiziert. In den USA wird nach einem Wachstumsdämpfer 2025 mit einer Stabilisierung gerechnet. Wir gehen sogar von einer Wachstumsbeschleunigung deutlich über die erwarteten 2-2,5 % aus. Die Inflation in den USA liegt zwar immer noch über dem Ziel der Zentralbank, bleibt aber weiterhin gut verankert.
Vor diesem Hintergrund halten die großen Zentralbanken an ihrer Zinspause fest: Der Fokus liegt auf Datenabhängigkeit und der Vermeidung einer zu starken Lockerung. Aufgrund des politischen Willens, den Arbeitsmarkt anzukurbeln, erwarten wir dennoch mindestens zwei Zinssenkungen der Fed und gehen davon aus, dass die EZB im Jahresverlauf folgen wird.
Insgesamt bleibt das Umfeld von hoher politischer Unsicherheit, aber von einer berechenbaren Geld‑ und einer unterstützenden Fiskalpolitik geprägt. In diesem Umfeld werden der Fokus auf Qualität und ein selektives Risikomanagement entscheidend für die Wertentwicklung im Jahr 2026 sein.
Markt-Navigator
Anleihen/Renditen
Die Rendite 10‑jähriger US‑Treasuries lag Ende Januar bei 4,24 % und damit etwa 7 Basispunkte über dem Niveau zu Jahresbeginn. Die Kurve blieb flach bis leicht steiler, da am kurzen Ende bereits mehrere Zinssenkungen eingepreist waren. Gute US‑Konjunkturnachrichten und solide Arbeitsmarktdaten dämpften die Hoffnung auf noch aggressivere Senkungen durch die Fed. Die Risikoaufschläge entwickelten sich im Januar freundlich: Der US-Investmentgrade-Spread fiel um 5 auf 73 Basispunkte, der US-High-Yield-Spread blieb mit einem Rückgang von 266 auf 265 Basispunkte nahezu stabil.
Die Rendite 10‑jähriger Bundesanleihen lag zum Monatsende nur 1 Basispunkt unter dem Stand vom Jahresbeginn bei etwa 2,84 %. Rückläufige Inflationsraten und die Erwartung vorsichtiger, aber absehbarer Lockerungen der Geldpolitik durch die EZB stützen die Nachfrage. Gleichzeitig rechtfertigt die fragile geopolitische Lage (Ukraine‑Krieg) einen Sicherheitsaufschlag. Auch in Europa zeigten sich die Spreads komprimiert: EUR Investment Grade verengte sich von 78 auf 74 Basispunkte, während EUR High Yield von 281 auf 273 Basispunkte zurückkam.
Der Markt befindet sich weiterhin in einer soliden technischen Verfassung. Wir bevorzugen selektive Engagements in qualitativ hochwertigen Anleihen. Nach Währungssicherung sind die Renditevorteile nicht-europäischer Anleihen, so gering, dass wir hauptsächlich im Euroraum investieren.
Aufgrund der verankerten Inflation und der nach wie vor nicht überzeugenden Wachstumserwartungen gehen wir von konstanten bis sinkenden Zinsen sowohl am kurzen als auch am langen Ende aus. Deshalb investieren wir bevorzugt in überdurchschnittlich lange Laufzeiten.
Aktien
Für Investoren war der Januar 2026 ein Monat der Kontraste: Er begann mit einer Fortsetzung der globalen Rekordjagd, mündete jedoch in eine Phase erhöhter Nervosität und deutlicher Umschichtungen. Ein entscheidendes Merkmal im Januar war die zunehmende Marktbreite. Deutlich war die Rotation von den hochbewerteten Mega-Caps in den breiteren Markt festzustellen. Insbesondere Nebenwerte in den USA und Europa zeigten eine relative Stärke, da sie von niedrigeren Zinsen und attraktiven Bewertungen profitierten. Gewinnmitnahmen im Tech-Sektor und ein dramatischer „Flash Crash“ bei Edelmetallen (Gold verlor zeitweise über 10 %, Silber über 30 %) ließen die Volatilität zum Monatsende stark ansteigen.
Der Übergang des KI-Zyklus von reiner Hardware (Chips) hin zu produktivitätssteigernder Software und industrieller Anwendung ist der nächste Schritt zur Monetarisierung dieser Technologie. Aus unserer Sicht wird das Thema KI auch 2026 entscheidend zur Marktperformance beitragen. Sowohl die Geld- als auch die Fiskalpolitik wirken weiterhin unterstützend. Aktuell wirken die geopolitischen Spannungen und die hohe Diskrepanz im Sentiment von privaten und professionellen Anlegern als negativer Gegenpol.
Wir bleiben weiterhin bullish eingestellt. Die Portfolien wurden jedoch etwas neutraler aufgestellt, sowohl in der Quote als auch in der Zusammensetzung. Aktuell wird das Thema Technologie, insbesondere vertreten durch die Mag7, untergewichtet.
Währungen
Der US-Dollar (USD) erlebte im Januar 2026 eine Berg- und Talfahrt, die vor allem durch politische Schlagzeilen und eine kurzzeitige Vertrauenskrise in die Unabhängigkeit der US-Notenbank (Fed) geprägt war. Während der Kurs EUR/USD Anfang Januar noch bei ca. 1,17 USD lag, stieg er zwischenzeitlich auf über 1,20 USD an, bevor er sich zum Monatsende bei etwa 1,185 USD stabilisierte.
Die „Dollar-Dominanz" der Vorjahre scheint vorerst einen Dämpfer erhalten zu haben. Aktuell treten mehrere Negativfaktoren auf den Plan: Neben der sinkenden Zinsdifferenz ist hier vor allem das geopolitische Rauschen um US-Zölle und weitere ungewöhnliche diplomatische Vorstöße zu nennen, die das Vertrauen in den „sicheren Hafen“ Dollar schwächen. Unterstützend wirken hingegen die zuletzt starken US-Wirtschaftsdaten und die Nominierung von Kevin Warsh, einem eher als Falke eingestuften Geldpolitiker, als neuen Fed-Präsidenten. Positiv werten wir jedoch die Tatsache, dass mittlerweile ein schwacher US-Dollar von den meisten Marktteilnehmern erwartet wird.
Die zukünftige Entwicklung des US-Dollars ist für uns unklar. Aus diesem Grund haben wir die im vierten Quartal des vergangenen Jahres erhöhte Quote wieder leicht reduziert und warten nun die Bewertung der kommenden Makrozahlen ab.