Das sollten Sie diesen Monat im Blick haben
- Die Weltwirtschaft bleibt trotz geopolitischer Risiken robust, aber das Wachstum verlangsamt sich.
- Die Inflation dürfte den Höhepunkt überschritten haben.
- Die Zentralbanken bleiben vorsichtig bis restriktiv, auch wenn sinkende Energiepreise den Druck etwas mindern.
Im vergangenen Juni wurde das makroökonomische Umfeld erneut weniger von klassischen Konjunkturdaten als von Geopolitik, Energiepreisen und der Reaktion der Zentralbanken geprägt. Trotz des seit mehr als drei Monaten andauernden Konflikts im Nahen Osten hat sich die Weltwirtschaft als bemerkenswert widerstandsfähig erwiesen. Der Eingriff in das globale Ölangebot blieb dank rekordhoher US-Exporte, einer schwächeren chinesischen Ölnachfrage und der Freigabe strategischer Reserven beherrschbar.
Gleichzeitig zeigte sich ein zweigeteiltes Bild der Weltkonjunktur: Während die US-Wirtschaft von robuster Unternehmensnachfrage, Lageraufbau, verteidigungsnahen Aufträgen sowie Investitionen in KI und Rechenzentren getragen wurde, verloren Europa und China an Dynamik. Besonders die Dienstleistungssektoren blieben anfällig, da fragile Arbeitsmärkte, unter Druck geratene Reallöhne und gedämpftes Konsumentenvertrauen die Nachfrage bremsten.
Entlastung brachte zwar das vorläufige US-Iran-Abkommen, doch bleibt die Lage fragil. Das Risiko neuer Spannungen an den Öl- und Gasmärkten bleibt bestehen. Hinzu kommt, dass die erneute Verschärfung der US-Handelspolitik mit Importzöllen von 10 bis 15 % die globalen Lieferketten zusätzlich belastet und den Preisauftrieb bei importierten Gütern verlängern dürfte.
Zentrale Schlussfolgerungen
Aus unserer Sicht ergibt sich ein durchaus positiver Ausblick für Wachstum und Inflation. Eine weiterhin expansive Fiskalpolitik, höhere Verteidigungsausgaben und produktivitätssteigernde Investitionen im KI-Umfeld wirken dabei unterstützend. Gleichzeitig ist der Spielraum der Staaten wegen hoher Defizite und erhöhter Schuldenstände begrenzt. Das Wachstum dürfte in der zweiten Jahreshälfte zwar hinter den Erwartungen zu Jahresbeginn zurückbleiben, aber von einer breiteren industriellen Belebung, einer stabileren Unternehmensstimmung und einer allmählichen Erholung der Beschäftigung gestützt werden.
Bei der Inflation ist der Ton etwas entspannter als zuletzt. Der Rückgang der Energiepreise seit dem Höhepunkt der Nahost-Eskalation mindert den unmittelbaren Druck, und es spricht einiges dafür, dass wir den Höhepunkt des Inflationsdrucks bereits gesehen haben könnten. Gleichzeitig deuten die robuste Güternachfrage, Engpässe beim Ausbau der KI-Infrastruktur, höhere Importpreise infolge neuer Zölle und anhaltende Zweitrundeneffekte darauf hin, dass die Teuerung noch eine Zeit lang oberhalb der Zielmarken bleiben dürfte. Entsprechend haben die Zentralbanken der Industrieländer im Juni einen spürbar restriktiveren Ton angeschlagen. Zinserhöhungen der EZB und der Bank of Japan sowie eine restriktive Pause der US-Notenbank verdeutlichen, dass Preisstabilität wieder stärker im Vordergrund steht.
Unser Basisszenario bleibt damit konstruktiv, aber auch anspruchsvoll: Die Weltwirtschaft wächst weiter, jedoch langsamer und uneinheitlicher, während die Inflation allmählich zurückgeht und die Geldpolitik länger vorsichtig bis restriktiv bleiben dürfte.
Assetklassen im Überblick
Anleihen/Renditen
Der Anleihenmarkt zeigte sich im Monatsverlauf weitgehend stabil, wobei sich die maßgeblichen Bewegungen vor allem am kurzen Ende der US-Zinskurve abspielten. Die Risikoaufschläge weiteten sich im Vergleich zum Vormonat nur minimal aus, verharren jedoch weiterhin auf historisch niedrigen Niveaus. Auf der Zinsseite blieb das Bild insgesamt ruhig: Während Renditen in der Eurozone stabil bis leicht rückläufig tendierten, stiegen die US-Renditen am kurzen Ende um rund 10 Basispunkte an. Diese Entwicklung unterstreicht, dass die Zinsbewegung aktuell weniger von veränderten Inflationserwartungen getrieben wird, sondern vielmehr durch das Erwartungsmanagement der Zentralbanken geprägt ist. Insbesondere die deutlich restriktiver als erwartet ausgefallene erste Sitzung des neuen Fed-Chairs sorgte für Anpassungen bei den kurzfristigen Zinsen.
Fazit/Ausblick
Nach unserer Einschätzung wurde der Zinsgipfel erreicht. Vor dem Hintergrund weiterhin gut verankerter Inflationserwartungen sehen wir mittelfristig eher Potenzial für rückläufige Renditen. Die Spielräume für eine weitere Einengung der Risikoaufschläge erscheinen hingegen begrenzt, gleichzeitig sind derzeit keine Anzeichen für eine nachhaltige Stressausweitung erkennbar.
Aktien
Die Aktienmärkte zeigten im Juni eine zunehmende Verbreiterung der Aufwärtsbewegung. Während die dominierenden Technologiewerte der vergangenen Monate – insbesondere die sogenannten „Magnificent 7“ – eine relative Schwächephase durchliefen, verlagerte sich die Marktführerschaft zunehmend auf andere Sektoren. Diese Rotation führte dazu, dass die Rally auf deutlich breitere Füße gestellt wurde. Gleichwohl bleibt das übergeordnete Thema unverändert: der KI-Investitionsboom, dessen Dynamik sich besonders eindrucksvoll in der Entwicklung des Philadelphia Halbleiter Index widerspiegelt. Dieser konnte im Juni um rund 5 % zulegen und seine Wertentwicklung seit Jahresbeginn auf nahezu 100 % ausbauen. Auch europäische Aktienmärkte präsentierten sich in robuster Verfassung und verzeichneten das stärkste Quartal seit Ende 2020.
Fazit/Ausblick
Für die Sommermonate erwarten wir eine Zunahme der Volatilität. Die Markterwartungen an die kommende Berichtssaison erscheinen ambitioniert. Insbesondere das erweiterte KI-Universum wirkt zunehmend „priced for perfection“. Gleichzeitig bergen politische Faktoren wie die anstehenden US-Zwischenwahlen sowie erneute Spannungen im Nahen Osten jederzeit Rückschlagpotenzial. Ungeachtet dessen sehen wir die übergeordnete Aufwärtsbewegung als intakt an und bleiben strategisch positiv, haben jedoch über kurzlaufende Put-Spreads eine taktische Absicherung implementiert.
Währungen
Der US-Dollar konnte im Monatsverlauf leicht aufwerten, ohne dass sich daraus ein klarer Trend ableiten ließ. Insgesamt bleibt der Währungsmarkt von fehlenden Impulsen geprägt, wobei sich die Bewegungen überwiegend in engen Bandbreiten vollzogen. Weder auf der Zins- noch auf der geopolitischen Seite ergaben sich nachhaltige Treiber, die eine klare Richtungsentscheidung begünstigt hätten.
Das Argument eines sich verringernden Zinsdifferenzials zwischen den USA und dem Euroraum gewinnt zunehmend an Bedeutung und spricht perspektivisch für eine Abschwächung des US-Dollars. Mit der fortschreitenden Deeskalation im Nahen Osten dürfte zudem ein wichtiger Unterstützungsfaktor für den Greenback entfallen. Auch im Kontext der Dollar-Smile-Theorie spricht ein moderates globales Wachstumsumfeld eher für eine schwächere US-Währung. Vor diesem Hintergrund erwarten wir weiterhin eine strukturelle Dollarschwäche und sichern das entsprechende Währungsrisiko weitestgehend ab.