Fünf Zentralbanken, ein Schock

Allianz Global Investors

Allianz Global Investors "Die Woche voraus" vom 13.03.2026

In der kommenden Woche haben wichtige Zentralbanken zum ersten Mal die Gelegenheit, offiziell auf die durch den Konflikt im Nahen Osten ausgelösten Schocks zu reagieren. Innerhalb von nur 24 Stunden finden geldpolitische Sitzungen der US-Notenbank Federal Reserve (Fed), der Europäischen Zentralbank (EZB), der Bank of England (BoE), der Schweizerischen Nationalbank (SNB) und der Bank of Japan (BoJ) statt. Dort werden die Notenbanker ihren Kurs abstecken, nachdem ihre Bemühungen, die Inflation stetig und nachhaltig zum Zielwert zurückzuschleusen, so aus dem Tritt gebracht wurden. Im Prinzip bieten diese Zentralbanksitzungen ein potenziell ungewöhnlich hohes Maß an Signalkraft. In der Praxis dürften die fünf Zentralbanken jedoch ihre Leitzinsen unverändert lassen, betont vorsichtig reagieren und sich in Bezug auf künftige Maßnahmen nicht festlegen.

In der Vergangenheit hätten die meisten Zentralbanken einen unerwarteten Angebotsschock für die Energiepreise wohl kaum als angemessene Rechtfertigung für einen geldpolitischen Kurswechsel angesehen. Bei gut verankerten Inflationserwartungen argumentierten sie vielmehr, dass es beträchtliche Kosten für die Wirtschaft mit sich bringen würde, wenn man eine vorübergehende Inflationsbeschleunigung durch Zinsanhebungen dämpfen wolle. Durch den Inflationsschock nach der Coronapandemie hat sich die Risikowahrnehmung jedoch beträchtlich verschoben. Damals haben die Zentralbanken zunächst unterschätzt, wie nachhaltig die Preissteigerungen ausfallen würden, und kamen mit den Zinserhöhungen zu spät. Dafür mussten sie die Zinsen für einen längeren Zeitraum anheben.

Nunmehr müssen alle fünf Zentralbanken zunächst einmal den Umfang und die mögliche Dauer der Inflationsbeschleunigung einschätzen. Am schwierigsten ist die Situation womöglich in den USA. Die rückläufigen Beschäftigungszahlen im Februar haben gezeigt, dass der US-Arbeitsmarkt weiterhin schwächelt; die stärkere konjunkturelle Dynamik führt bisher nicht zu Neueinstellungen. Da die Fed ein duales Mandat hat (einerseits verfolgt sie ein Inflationsziel, andererseits soll sie die Beschäftigung so hoch wie möglich halten), muss sie die Risiken von beiden Seiten im Blick behalten. Insofern kann sie den Leitzins angesichts der hohen Energiepreise mit guten Gründen erst einmal unverändert lassen, um auf eine breitere Datengrundlage zurückgreifen zu können. Die Marktteilnehmer rechnen weiterhin damit, dass die Fed die Leitzinsen in diesem Jahr senkt – allerdings zu einem späteren Zeitpunkt und nicht im selben Umfang wie zuvor prognostiziert.

Im Euroraum hat sich die Gesamtinflationsrate auf den Zielwert zubewegt, wobei der Abwärtspfad nach immer gerade verlief und sich nach wie vor die Frage stellt, ob sich die Inflation der Dienstleistungspreise hinreichend verlangsamt, damit die Gesamtrate dauerhaft beim Zielwert verharrt. Bei stabilen Inputpreisen konnte sich die EZB Geduld leisten. Falls die Energiepreise jedoch nachhaltig ansteigen sollten, könnte sie den Tarifparteien einen Warnschuss verpassen wollen, damit die Preisentwicklung auf dem Weg zurück zum Zielwert keine größeren Umwege macht. Die Marktteilnehmer sehen durchaus ein derartiges Risiko und haben eine Zinsanhebung um 25 Bp. nach dem Ende des Sommers eingepreist.

In Großbritannien schien eine deutliche Inflationsverlangsamung zurück zum Zielwert unmittelbar bevorzustehen, da die Regierung im letztjährigen Haushalt Änderungen bei den administrierten Preisen angekündigt hatte. Die britischen Preise reagieren sehr sensibel auf die Preisentwicklung der Erdgasimporte, sodass Großbritannien in dieser Hinsicht sehr anfällig ist – zumal die Inflation schon seit der Pandemie über dem Zielwert liegt. Die Geldpolitik ist nach wie vor restriktiv, und die Arbeitslosigkeit steigt seit über zwei Jahren an, weshalb die BoE die Zinsen im Gegensatz zur EZB wohl eher nicht erhöhen dürfte. Allerdings rechnen die Märkte auch nicht mehr mit zwei Zinssenkungen, die zuvor für das laufende Jahr erwartet wurden.

Die SNB ist mit anderen Herausforderungen konfrontiert als die anderen Zentralbanken. In der Schweiz liegt die Inflation nahe dem unteren Rand des SNB-Zielkorridors, und der Schweizer Franken ist als sicherer Hafen so begehrt, dass die Notenbank sich wohl kaum Sorgen wegen eines Inflationsschocks macht. Wenn die Energiepreise stärker ansteigen, werden Extremszenarien wie eine Rückkehr zu Negativzinsen zudem weniger wahrscheinlich.

Zuletzt noch ein Blick auf die BoJ, die von allen betrachteten Zentralbanken einer Zinsanhebung am nächsten war. Eine Inflationsbeschleunigung könnte zwar durchaus als Begründung für eine Zinserhöhung herangezogen werden. Die BoJ hat jedoch zuletzt sehr vorsichtig auf Schocks reagiert, da sie befürchtete, die Dynamik in der Realwirtschaft könne schwinden, was das nachhaltige Erreichen des Inflationsziels erschweren würde. Im Vergleich zu den anderen Zentralbanken hat die BoJ wohl den geringsten Anlass, in der kommenden Woche erst einmal abzuwarten. Allerdings wird ihr Spielraum durch den politischen Widerstand gegen Zinsanhebungen eingeschränkt, sodass auch in Japan wohl kein Zinsschritt zu erwarten ist.

Die Unsicherheit über die Auswirkungen des Konflikts im Nahen Osten auf die Energiepreise und die Dauer der Disruption dürfte bis nach Ostern anhalten. Deshalb werden die geldpolitischen Erklärungen der Zentralbanken uns in der kommenden Woche wohl nichts über die Zinsentwicklung in der nächsten Zeit verraten. Aber sie dürften Aufschluss darüber geben, wie die jeweiligen Zentralbanken die neuen Risiken einordnen, inwieweit sie an ihren Prognosen festhalten und in welchem Umfang sie angesichts der geopolitischen Turbulenzen an ihrem Kurs festhalten wollen. Ein Punkt könnte die Anleger angesichts der vorhandenen Unsicherheiten etwas – wenn auch sicher nicht vollständig – beruhigen: In den vergangenen drei Jahren haben die Märkte sehr unterschiedliche Schocks erfolgreich gemeistert.

Für die fünf Zentralbanken ergibt sich in der kommenden Woche ein recht einfaches Bild: ein Schock, fünf Sitzungen und überall dieselbe instinktive Reaktion: Vorsicht.

Die Woche voraus

In vier der fünf Länder stehen neben den Zentralbanksitzungen auch Wirtschaftsdaten im Kalender.

In den USA hat sich die Konjunktur in der Industrie zum Jahresbeginn 2026 verstärkt. Insofern scheint ein gewisser Rücksetzer wahrscheinlich; die Februar-Daten dürften einen moderaten Anstieg ausweisen. Die Produzentenpreisinflation (PPI) hat sich zuletzt beschleunigt und dürfte auch in der kommenden Woche einen nennenswerten Beitrag zum Zielwert der Fed leisten. Und die Philadelphia Fed veröffentlicht ihre monatliche Umfrage.

Im Euroraum dürften die Datenveröffentlichungen nicht so große Auswirkungen auf die Märkte haben. Die Handelsbilanzdaten für Januar und die endgültigen HVPI-Daten für Februar stehen an.

In Großbritannien werden am Tag vor der BoE-Sitzung Arbeitsmarktdaten veröffentlicht. Die Arbeitsmarktsituation ist anhaltend ungünstig, und in Umfragen sind nur ganz geringfügige Anzeichen dafür zu erkennen, dass sich das Tempo der Verschlechterung verlangsamt.

Zuletzt stehen in Japan Daten zur Industrieproduktion sowie Handelsbilanzdaten an.

Ihr

Sean Shepley
Senior Economist

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