Loys Capital Kolumne vom 07.07.2026
Runde Geburtstage sollte man würdig begehen. Das gilt gewiss für den zweihundertfünfzigsten Geburtstag der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung. Sie wurde 1776 in Philadelphia unterzeichnet und mutierte bald darauf schon zu einem der wichtigsten Dokumente der Weltgeschichte.
Die Republik, deren Gründung sie einleitete, hat sich seither zur Leitnation der Welt hinsichtlich Wohlstand, Freiheit, Militär, Bildung und Kultur entwickelt. Als Schmelztiegel einer Vielvölkernation (e pluribus unum) sind die USA bis heute ein Magnet für unzählige Menschen in der Welt, die ein besseres Leben in Wohlstand und Freiheit anstreben.
Die Bedeutung der Unabhängigkeitserklärung kann kaum überschätzt werden. Goethe, der Weltbürger, hatte keine Mühe, das Ereignis treffend einzuordnen. In den Gesprächen mit Eckermann berichtet dieser über folgende Aussage des Dichterfürsten vom 25. Februar 1824:
„Ich habe den großen Vorteil“, fuhr er (Goethe) fort, „dass ich zu einer Zeit geboren wurde, wo die größten Weltbegebenheiten an die Tagesordnung kamen und sich durch mein langes Leben fortsetzten, so dass ich vom Siebenjährigen Krieg, sodann von der Trennung Amerikas von England, ferner von der Französischen Revolution, und endlich von der ganzen Napoleonischen Zeit bis zum Untergange des Helden und den folgenden Ereignissen lebendiger Zeuge war. Hierdurch bin ich zu ganz anderen Resultaten und Einsichten gekommen, als allen denen möglich sein wird, die jetzt geboren werden und die sich jene großen Begebenheiten durch Bücher aneignen müssen, die sie nicht verstehen.“
In Deutschland können wir viel von Amerika lernen. Wie wäre es etwa mit einer Amtszeitbegrenzung auf zwei Legislaturperioden? Dann wären uns jeweils sechzehn bleierne Jahre Helmut Kohl und Angela Merkel erspart geblieben. Daher sollten wir das Grundgesetz in Deutschland anpassen, um zeitliche Machtkonzentration zu begrenzen, so, wie es George Washington vorgeschlagen hatte.
Mein Geburtstagswunsch an die Vereinigten Staaten lautet: Möge das Land fortfahren, sich an den Visionen der Unabhängigkeitserklärung von 1776 zu orientieren. Dann mag es gelingen, diese großartigen Ideale der Menschheitsgeschichte in der Zukunft irgendwann vollständig Realität werden zu lassen.
Aus Chicago
Ihr
Dr. Christoph Bruns