Hundert Jahre Veränderung

Greiff capital management AG

Greiffbar – Investments zum Anfassen vom 13.02.2026

100-jährige Anleihe

Hundert Jahre. So lange leiht sich jetzt Alphabet Geld. 1 Milliarde Britische Pfund zu 6,25 Prozent Verzinsung hat man angeboten und die Nachfrage war zehnmal so hoch. Eine 100-jährige Anleihe. Kein Quartalsdenken. Kein Jahresbudget. Ein Jahrhundert. Wer für hundert Jahre Kapital aufnimmt, glaubt nicht an kurzfristige Hypes. Er glaubt an Epochen. Das ist die eigentliche Botschaft hinter dieser Schlagzeile. KI ist kein Trend. KI ist Infrastruktur. So wie einst Strom. Oder wie die Eisenbahn. So wie das Internet selbst. Man verschuldet sich nicht für 100 Jahre, um ein paar Rechenzentren zu bauen. Man baut ein Fundament. Gleichzeitig markieren die Börsen neue Hochs. Als hätten sie verstanden, dass hier nicht investiert, sondern installiert wird. Kapital wird festgezurrt, Zukunft vorfinanziert. Hundert Jahre Zinsbindung sind keine Wette auf das nächste Quartal. Es ist eine Verpflichtung auf die Unvermeidlichkeit. Wer hundert Jahre plant, hat keine Angst vor morgen. Er hat eine Vision von übermorgen. Kapital, Konjunkturen oder Konflikte rücken dabei in den Hintergrund. Heute Geborene, 100 Jahre alt Werdende, werden uns davon berichten. Hundertprozentig sicher bin ich mir allerdings nicht, ob dieses Säkulum den Centenarians auch gefallen wird. Aber schon immer hat die 100 den Menschen Orientierung gegeben, so wie hier:

100-jähriger Kalender

Der 100-jährige Kalender versprach einst, das Wetter für Jahrzehnte vorhersagen zu können. Heute versuchen wir dasselbe mit Konjunkturdaten. Die US-Arbeitsmarktzahlen fielen aktuell stark aus. Der US-Motor läuft. Die Inflation in Europa sinkt auf 1,7 Prozent. Die Preise in der EU zeigen Entspannung. Und dann Japan. Wahlen, Wahlsieger, absolute Mehrheiten. Sanae Takaichi gewinnt fulminant ihre selbst ausgerufene Neuwahl und schafft damit neue Planbarkeiten im Land der aufgehenden Sonne. In Japan heißt 100 „Hyaku“ und gilt als perfekt, makellos, als Ganzheit und Vollständigkeit. Genau das strebte Takaichi mit den Neuwahlen an, die Vollständigkeit der Entscheidungen ihrer Politik, die besonders wirtschaftsfreundlich ausfallen dürfte. Die Börse reagiert prompt. Der Nikkei steigt, als hätte er lange darauf gewartet, dass politische Unsicherheit in ökonomische Fantasie übersetzt wird. Anleger in Japan feiern ihr Kirschblütenfest dieses Jahr schon im Februar. Das hat selbst der 100-jährige Kalender nicht kommen sehen. Überhaupt irrt der Kalender oft, ebenso wie die Börsenprognosen. Daten erklären zwar die Vergangenheit, Märkte handeln aber die Zukunft. Wer glaubt, aus Zahlen Sicherheit zu erhaschen, wird regelmäßig überrascht. Der 100-jährige Kalender ist dafür ein schönes Bild. Aber er ersetzt keine echte Urteilskraft und Überzeugung. Das wissen aus leidvoller Geschichte auch die Europäer:

100-jähriger Krieg

Der 100-jährige Krieg von 1337 bis 1453 war kein Dauergefecht. Er war eine Abfolge von Konflikten, Pausen, neuen Fronten in Europa. Und ja, es waren 116 Jahre. Aber 116 Jahre, die die Identität Europas und vor allem Englands und Frankreichs geformt haben. Der 100-jährige Krieg markierte das Ende des klassischen Mittelalters und schuf neue militärische Aspekte. Vom Rittertum hin zu professionellen Armeen. Vor allem zeigte er, wie Kriege auf dem europäischen Kontinent Generationen destabilisieren können. Aktuell fühlt sich Europa etwas ähnlich an. Die Münchner Sicherheitskonferenz erinnert daran, dass der Krieg in der Ukraine nicht nur militärisch geführt wird, sondern finanziell, diplomatisch, strategisch. Sicherheit kostet. Abschreckung kostet. Ungewissheit kostet. Rohstoffe, Routen, Einflusszonen. Der Kampf um Zukunftsressourcen hat längst begonnen. Nicht laut. Aber nachhaltig. Die Märkte reagieren erstaunlich gelassen. Vielleicht, weil sie gelernt haben, mit Dauerunsicherheit zu leben. Vielleicht auch, weil sie glauben, dass Kapital selbst im Schatten von Konflikten Rendite findet. Hundert Jahre sind eine lange Zeit. Doch manchmal reichen wenige Monate, um die Richtung zu ändern. Und genau darin liegt die eigentliche Frage dieser Woche: Wer denkt in Jahrhunderten? Und wer reagiert nur auf Schlagzeilen?

Ihr Volker Schilling

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