Flossbach von Storch Studie vom 10.08.2026
von Christof Schürmann
Der 22. Juli 2026 war ein historischer Tag in der Börsengeschichte von Alphabet. Erstmals seit dem Börsengang 2004 wies die Google- und YouTube-Mutter einen negativen freien Mittelzufluss (Free Cashflow/FCF) aus. Der FCF gilt in der Zunft der Analysten als die wichtigste Kennziffer für die Aktienbewertung, beantwortet der Wert doch die Frage, wie viel Barmittel nach Abzug aller Aufwendungen ein Unternehmen in der vergangenen Berichtsperiode erwirtschaftet hat. Auf Basis prognostizierter künftiger Free Cashflows lassen sich Rechnungen anstellen, was denn der faire Wert einer Aktie heute sein könnte.
Nun hatte vor wenigen Jahren kaum jemand prognostiziert, dass Alphabet jemals mehr Abfluss an Barmitteln haben wird, als der Suchmaschinen-Konzern aus seinen Geschäften an Barzuflüssen erzielt. Dennoch notiert der Aktienkurs von Alphabet deutlich höher als vor wenigen Jahren: Dieser spiegelt vermutlich die positive Geschäftsentwicklung in der Vergangenheit ebenso wider wie Hoffnungen, dass sich gigantische Investitionen in Künstliche Intelligenz (KI), die für den negativen FCF verantwortlich sind, rechnen werden. Ob das so sein wird, lässt sich wiederum aktuell bestenfalls näherungsweise voraussagen. Was sich ermitteln lässt: Wie haben sich die Bilanzen der sogenannten Hyperscaler, den Großinvestoren unter den Unternehmen in KI, zuletzt entwickelt.
Neben Alphabet zählen der Onlinehändler und Cloudanbieter Amazon, der Netzwerk-Konzern Meta sowie die Softwarehersteller Microsoft und Oracle zur Riege der Unternehmen, deren Investitionen in KI laut Prognosen in die Billionen Dollar gehen werden. Daher der Begriff Hyperscaler: Die fünf Unternehmen investieren weit über das übliche Maß hinaus, mit dem Ziel, künftig Erträge aus ihren Geschäften mit KI-Angeboten zu skalieren. Dafür kaufen die Hyperscaler massiv Hardware wie Halbleiter und Datenspeicher ein. Hunderte Milliarden Dollar und mehr fließen in den Bau von Datencentern. Dieser Investitionsfokus ist neu. Investitionen der fünf Unternehmen gingen in der Vergangenheit nur in überschaubarem Maße in Gebäude, Maschinen und andere greifbare Vermögensgegenstände. Vielmehr lebten ihre Geschäfte von sogenannten immateriellen Vermögen: von eigenen Entwicklungen auf Basis von Mitarbeiter-Know-how. Dieses immaterielle Vermögen schlug sich jedoch in den Bilanzen kaum nieder. Der Grund: Die Bilanzregeln setzen strenge Maßstäbe, was die Aktivierung von immateriellen Werten betrifft. Das machte die Bilanzen der Hyperscaler leicht und leicht zu analysieren – weil wesentliche Geschäftstreiber keinen Niederschlag in den Zahlenwerken fanden.
Doch damit ist jetzt Schluss. Die Bilanzen haben sich bereits stark verändert. Das zeigt die Analyse der jüngsten Quartalsabschlüsse von Alphabet, Amazon und Meta (jeweils zum 30. Juni 2026) sowie von Microsoft und Oracle (Jahresbilanzen zum 30. Juni und 31. Mai 2026) jeweils im Vergleich zum Stand vor fünf Jahren.