Greiffbar – Investments zum Anfassen vom 06.03.2026
De Bello Persico
O tempora, o mores! Schon Cicero beanstandete in seiner Exklamation den Zustand der Welt. Das war 63 vor Christus. Knapp 2090 Jahre später überschreitet Donald Caesar Trump den Rubikon und beginnt damit den Bello Persico. Dass er sich als ein Caesar in seinem Lande sieht und mit den Cäsaren aus Russia und Sina eine „Teile und herrsche“-Politik betreibt, ist nichts Neues. Divide et impera scheint aber auch für den Umgang mit Judea zu gelten. Kurzum, alea jacta est, der Würfel ist gefallen. Trump wird, entgegen seinen eigenen Wahlaussagen und Versprechen an sein Volk, Feldherr statt der versprochenen Friedenstaube. Der Vizepräsident, ebenfalls als Friedensengel an der Seite Trumps gestartet, hat schon einmal seinen Namen von James Donald Bowman auf James David, kurz JD, geändert, aber auszuschließen ist es nicht, dass er nicht auch mit dem Namen James Brutus Vance liebäugelt. Ganz nach dem Motto, wie Caesar es formuliert hat: Ich liebe den Verrat, hasse aber den Verräter. Caesar Trump dagegen und vor allem sein bellizistischer Minister Hegseth skandieren inzwischen breitbeinig vor der Camera Obscura: Veni, Vidi, Vici. Ich würde sagen: Libenter homines id, quod volunt, credunt: Die Menschen glauben gerne das, was sie sich wünschen. Kommen wir von Caesar zu Cicero:
De Re Publica
In seinen sechs Büchern zum Gemeinwesen legte Cicero den Grundstein zum Verständnis des heutigen Staatswesens. Und schon Cicero beschreibt, wie Könige zu Tyrannen werden, die durch Aristokraten gestürzt werden, welche wiederum zu einer Clique verkommen, bis das Volk die Macht übernimmt, was oft in Anarchie endet und erneut nach einem Führer verlangt. Diese Woche werden wir Zeugen dieser möglichen Ereignisse. Cicero hat aber auch in seinem Werk „De Officiis“ Gedanken zu einem gerechten Krieg formuliert und gilt damit als wichtiger Vorläufer des heutigen Völkerrechts, doch erst Hugo Grotius formte daraus in seinem Werk „De Iure Belli Ac Pacis“ 1625 so etwas wie den eigentlichen Ursprung eines modernen Völkerrechtes. Was ich damit sagen will: Universelle Definitionen sind dehnbar und ganz nach Ciceros legendärem Satz „errare humanum est“ werden Grundlagen auch wieder neu geschrieben, meist nach kriegerischen Auseinandersetzungen. Im besten Falle eine bessere Version der bisherigen Variante. Klingt zu blauäugig? Dum spiro, spero, solange ich atme, hoffe ich. Die Börsen in dieser Woche haben jedenfalls einen deutlichen Wandel vollzogen, oder wie Ovid sagen würde:
Metamorphoses
In seinem Werk „Die Metamorphosen“ schrieb Ovid: Labitur occulte fallitque volatilis aetas, unbemerkt entgleitet und täuscht uns die flüchtige Zeit. Da wird der Ölpreis auf einmal zum sicheren Hafen und das Gold geht in den Abverkauf. Da stürzen die Aktien von Airlines ab und Tech-Aktien reüssieren. Die geopolitischen Unsicherheiten steigern aber der Volatilitätsmesser VIX nicht. Anleger auf einmal in Anlagenöten, ohne zu wissen warum. Diese Woche galt an den Börsen mehr denn je mein absolutes lateinisches Lieblingszitat, welches ebenfalls von Ovid stammt: Quidquid agis, prudenter agas et respice finem, Was auch immer du tust, tue es klug und bedenke das Ende. Apropos Ende, mit diesem Hexameter verabschiede ich mich von Ihnen in dieser Woche, aber nicht ohne darauf hinzuweisen, dass der Frühling vor der Türe steht oder um es mit den Worten der Carmina Burana von Carl Orff zu sagen: Ecce gratum et optatum ver reducit gaudia, purpuratum floret pratum, sol serenat omnia. Seht, der angenehme und ersehnte Frühling bringt die Freude zurück, purpurrot blüht die Wiese, die Sonne erheitert alles. Genießen Sie die warme Frühlingssonne.
Ihr Volker Schilling