Inflationstreiber im Fokus

Allianz Global Investors

Allianz Global Investors "Die Woche voraus" vom 18.09.2026

Die Inflation liegt seit mehr als fünf Jahren deutlich über den Zielmarken der meisten großen Zentralbanken. Zuletzt haben neue angebotsseitige Schocks und eine robuste Konjunktur den anfänglichen Rückgang der Teuerung ausgebremst, der nach der weltweiten geldpolitischen Straffung im Anschluss an die Pandemie in den Jahren 2022 und 2023 eingesetzt hatte. Da bislang wenig auf ein Nachlassen des Preisdrucks hindeutet, schlagen die Zentralbanken erneut einen restriktiveren Kurs ein. Damit könnten die ersten Schritte eines weiteren, wenn auch kleineren Zinserhöhungszyklus begonnen haben. Aus unserer Sicht treiben derzeit vor allem vier Faktoren die Inflation. Im Mittelpunkt steht dabei die Entwicklung in den USA:

Erstens: Die erneute Eskalation der Konflikte zwischen den USA und Iran sowie zwischen Russland und der Ukraine setzt die Energie- und Nahrungsmittelpreise unter Druck. Die Terminpreise für Brent-Öl liegen erstmals seit dem Frühjahr wieder dauerhaft über 100 US-Dollar je Barrel. Gleichzeitig nähern sich die durchschnittlichen Benzinpreise in den USA mit rund 4,30 US-Dollar je Gallone ebenfalls ihrem höchsten Stand seit dem Frühjahr. Produktionsausfälle, Lieferengpässe und höhere Transportkosten verteuern zudem Lebensmittel. Ein ausgeprägtes El-Niño-Phänomen birgt für die kommenden Quartale zusätzliche Aufwärtsrisiken.

Zweitens: Der Gegenwind durch Zölle hat zwar nachgelassen, beeinflusst die Preise für Kerngüter aber weiterhin und könnte wieder zunehmen. Der durchschnittliche gesetzliche Zollsatz auf US-Importe hat sich bei rund 11 % stabilisiert, nachdem die Trump-Regierung im Sommer viele der vorübergehenden Zölle nach Section 122 durch längerfristig angelegte Maßnahmen nach Section 301 und 232 ersetzt hatte. Die jüngsten Spannungen zwischen den USA und Kanada zeigen, dass Zölle weiterhin ein wichtiges außenpolitisches Instrument der US-Regierung sind. Damit bleiben die Risiken höherer Zollsätze bestehen. Zwar deuten viele Modelle darauf hin, dass die bisherige Überwälzung auf die Verbraucherpreise weitgehend abgeschlossen ist, doch dürfte der Prozess noch nicht vollständig beendet sein.

Drittens: Das Wirtschaftswachstum erweist sich als bemerkenswert widerstandsfähig. Der private Konsum in den USA bleibt robust, insbesondere bei Haushalten mit hohen Einkommen. Das Wachstum der frei verfügbaren Ausgaben konzentrierte sich im Sommer vor allem auf Dienstleistungen sowie auf Freizeit und Reisen. Zugleich hat sich der Arbeitsmarkt nach der Schwächephase des Vorjahres stabilisiert. Der Beschäftigungsaufbau im Privatsektor hat wieder an Dynamik gewonnen, während die Arbeitslosenquote trotz uneinheitlicher Lohnentwicklung historisch niedrig bleibt. Steigende Einkommenssicherheit und Aktienbewertungen nahe ihren Rekordständen veranlassen die Verbraucher zunehmend, auf ihre Ersparnisse zurückzugreifen.

Viertens: Der Investitionsboom rund um künstliche Intelligenz treibt die Preise für Technologie und Elektronik nach oben. Der Wettbewerb um Energie, Rohstoffe und Rechenleistung dürfte in zahlreichen Bereichen zusätzlichen Kostendruck erzeugen, von Software und Hardware bis hin zu Freizeitangeboten und Energie. Das Bureau of Economic Analysis wird seine Methodik für den Deflator der persönlichen Konsumausgaben im Laufe dieses Monats überarbeiten. Verbesserte Produktvergleiche und Qualitätsbereinigungen im Softwaresegment dürften die offiziell ausgewiesene Inflationsrate etwas senken. Der anhaltende Ausbau von Rechenzentren und die zunehmende Nutzung künstlicher Intelligenz in der Wirtschaft werden den Preisdruck jedoch voraussichtlich weiter verstärken.

Vor diesem Hintergrund überrascht es kaum, dass die Inflation hartnäckig über dem Ziel der US-Notenbank von 2 % verharrt und sich der Preisdruck zugleich auf immer mehr Komponenten ausweitet. Für die Fed entsteht daraus ein schwieriger Balanceakt. Angebotsschocks sind kaum vorhersehbar und können sich kurzfristig verschärfen oder rasch abklingen, während geldpolitische Maßnahmen darauf nur begrenzt wirken. Gleichzeitig drohen die anhaltend hohe Inflation und die Erholung am Arbeitsmarkt die beiden Ziele der Fed miteinander in Konflikt zu bringen. Dauerhafte Lieferkettenprobleme und eine überhitzte Konjunktur erhöhen zudem das Risiko, dass vorübergehende Preisschocks über Lohnverhandlungen, die Preissetzung der Unternehmen und höhere Inflationserwartungen verfestigt werden. Da die Teuerung in den kommenden Quartalen voraussichtlich über dem Ziel bleibt, dürfte die Fed ihre Geldpolitik in den nächsten Monaten weiter straffen.

Die Woche voraus

In der kommenden Woche steht die Konjunkturstimmung in Europa auf dem Prüfstand. Am Dienstag liefert das vorläufige Verbrauchervertrauen für den Euroraum im September einen aktuellen Einblick in die Stimmung der privaten Haushalte. Zuletzt lag der Index bei minus 15,5 Punkten. Am Donnerstag richtet sich der Blick auf Deutschland und die Veröffentlichung des ifo Geschäftsklimaindex für September. Zuletzt notierte das Geschäftsklima bei 88,8 Punkten, die Lagebeurteilung bei 88,5 und die Erwartungen bei 89,1 Punkten. Die Daten dürften Anlegern Hinweise darauf geben, ob sich die Stimmung allmählich stabilisiert oder die wirtschaftliche Unsicherheit weiterhin belastet.

In den USA bleibt der Datenkalender überschaubar. Im Fokus stehen die vorläufigen S&P Einkaufsmanagerindizes für September, die vorläufigen Auftragseingänge langlebiger Güter für August sowie das Verbrauchervertrauen und die Inflationserwartungen der University of Michigan. Die Veröffentlichungen geben einen zeitnahen Eindruck davon, wie stabil sich Konsum und Stimmung im vergangenen Monat entwickelt haben.

Auch in Großbritannien und Japan stehen nur wenige Konjunkturdaten an. Dort bilden die am Mittwoch veröffentlichten S&P Einkaufsmanagerindizes den wichtigsten Datenpunkt der Woche.

In diesem Sinne wünschen wir allen eine rasche Rückkehr zu niedrigeren Inflationsraten.

Ihr

Liam Wash
Economist

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