DWS CIO View vom 06.10.2026
Die monatlichen Investment Traffic Lights bieten eine detaillierte Marktanalyse und unsere Sicht auf die Entwicklung der wichtigsten Anlageklassen.
In Kürze
- Nach einem starken August gestaltete sich der September für Anleger schwieriger, da ein deutlicher Anstieg der Anleiherenditen die meisten Risikoanlagen belastete.
- Trotz des Ausmaßes des Renditeanstiegs hielten sich die Aktienmärkte relativ gut, auch wenn die Wertentwicklung nur von wenigen Sektoren getragen wurde.
- Anleger starten vor dem Hintergrund anhaltend unruhiger Anleihemärkte in das vierte Quartal. Robuste Unternehmensgewinne, ein solides Wirtschaftswachstum und die anhaltende Stärke des KI-getriebenen Investitionszyklus deuten jedoch darauf hin, dass es einer grundlegenderen Verschiebung des Marktregimes an den Anleihemärkten bedürfte, bevor Aktien nachhaltig unter Druck geraten.
1. Marktüberblick
1.1 Geopolitische Spannungen und Rekordrenditen bei Anleihen
Was prägte die Märkte im September? Der Monat bot Anlegern ein gemischtes Bild. Auf der negativen Seite trieben die anhaltenden Spannungen im Nahen Osten die Ölpreise und in noch stärkerem Maße die Dieselpreise nach oben. Dies schürte Inflationssorgen und trug zu einem deutlichen Anstieg der Staatsanleiherenditen bei. Zudem beschäftigten die Märkte wachsende Sorgen über das Ausmaß der weiteren geldpolitischen Straffung sowie erneut aufkommende Bedenken hinsichtlich des fiskalischen Ausblicks Europas, insbesondere in Frankreich. Gleichzeitig brachte ein viel beachtetes Treffen zwischen Donald Trump und Xi Jinping keine nennenswerten Fortschritte.
Vor diesem Hintergrund erwiesen sich die wirtschaftlichen Fundamentaldaten jedoch als überraschend robust. Die Stimmungsindikatoren verbesserten sich weiter: Der vorläufige Composite-Einkaufsmanagerindex der USA erreichte ein Fünfjahreshoch, der Einkaufsmanagerindex (PMI) der Eurozone ein Dreijahreshoch und die japanische Tankan-Umfrage verzeichnete ihren höchsten Stand seit den frühen 1990er-Jahren. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sowohl für Europa als auch für die USA wurde für das zweite Quartal 2026 nach oben revidiert. Darüber hinaus erwiesen sich die Unternehmensgewinne als widerstandsfähig, und der Investitionszyklus im Bereich der künstlichen Intelligenz (KI) setzte sich ungebremst fort.
Angesichts des deutlichen Anstiegs der Anleiherenditen ist der relativ moderate Rückgang der Aktienmärkte bemerkenswert, auch wenn die Wertentwicklung von einer kleinen Gruppe von Sektoren getragen wurde. Im September entwickelten sich lediglich 27 Prozent der Aktien besser als der MSCI AC World Index, und nur zwei von zehn Sektoren erzielten positive Renditen, sie stammten aus dem KI-Umfeld. Vor dem Hintergrund restriktiverer Finanzierungsbedingungen waren der Umfang und die Struktur der KI-Finanzierung — rekordhohe Wandelanleiheemissionen, großvolumige Hochzinsanleihetransaktionen und außerbörsliche Bewertungen in Billionenhöhe ein dominierendes Thema im September. Und über allem schwebt stets die Frage, ob sich das eingesetzte Kapital letztlich durch KI-Umsätze rechtfertigen lässt. Der bevorstehende Börsengang von Anthropic, dessen Prospekt bereits im Umlauf ist, könnte Investoren dabei helfen, die Monetarisierungsdynamik in diesem Bereich besser zu verstehen.
1.2 Hohe Anleiherenditen belasten Aktien
Das dritte Quartal war von einer breit angelegten Neubewertung an den globalen Anlagemärkten geprägt, da steigende Inflationssorgen, höhere Ölpreise und erneut zunehmende Erwartungen einer geldpolitischen Straffung durch die Zentralbanken die Anleiherenditen deutlich nach oben trieben. Staatsanleihen verzeichneten ihre schwächste Quartalsentwicklung seit 2024, wobei der Bloomberg Global Aggregate Bond Index allein im September um mehr als 2,5 Prozent fiel. Die Renditen von US-Staatsanleihen stiegen über die gesamte Zinskurve hinweg deutlich an, angeführt von Laufzeiten von mehr als sieben Jahren. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg deutlich über fünf Prozent, während die 30-jährige Rendite den höchsten Stand seit 2002 erreichte. In Europa stiegen die Renditen von Bundesanleihen auf über 3,5 Prozent, während Sorgen über die Schuldendynamik Frankreichs zu einer deutlichen Ausweitung der Spreads von Staatsanleihen der Peripherieländer führten. Der Renditeabstand zwischen zehnjährigen französischen OATs und Bundesanleihen weitete sich auf 127 Basispunkte und damit auf den höchsten Stand seit 2012 aus. Der italienisch-deutsche Spread stieg erstmals seit mehr als einem Jahr auf über 100 Basispunkte.
Die höheren Anleiherenditen belasteten im September die Risikoanlagen. Globale Aktien verloren 1,3 Prozent und gaben damit gegenüber den Rekordständen nach, die sowohl der S&P 500 als auch der Stoxx Europe 600 im August erreicht hatten. Europa war unter den großen Regionen diejenige mit der schwächsten Wertentwicklung, während sich Japan und die USA robuster zeigten. Auf Sektorebene entwickelten sich Grundstoffe und diversifizierte Finanzwerte am schlechtesten, während KI-bezogene Themen ihre überdurchschnittliche Wertentwicklung fortsetzten. Besonders kräftige Kursgewinne verzeichneten Halbleiter-, Technologiehardware- und Cybersicherheitsaktien. Die Devisen- und Rohstoffmärkte spiegelten dasselbe makroökonomische Umfeld wider. Der US-Dollar verzeichnete, gestützt durch höhere US-Renditen und die Erwartung einer weiteren geldpolitischen Straffung durch die US-Notenbank (Fed), seine stärkste Monatsentwicklung seit März, während der Euro gegenüber dem Dollar auf ein 16-Monats-Tief fiel. Unterdessen stieg der Preis für Brent-Rohöl kurzzeitig auf über 108 US-Dollar je Barrel, da die Spannungen im Zusammenhang mit dem Konflikt zwischen den USA und dem Iran die Ölströme durch die Straße von Hormus beeinträchtigten. Bis zum Monatsende sank der Preis jedoch wieder in Richtung 100 US-Dollar. Gold gab hingegen nach, da steigende Realrenditen die Opportunitätskosten für das Halten unverzinslicher Anlagen erhöhten.
2. Ausblick und Änderungen
Das vierte Quartal dürfte an den Finanzmärkten von zwei gegenläufigen Kräften geprägt sein: hohen Renditen von Staatsanleihen einerseits und einer robusten Wirtschaftsdynamik mit anhaltendem Wachstum der Gewinne je Aktie andererseits. Während höhere Ölpreise häufig als Haupttreiber der gestiegenen Anleiherenditen angeführt wurden, wurde der Renditeanstieg nicht durch höhere Inflationserwartungen, sondern durch steigende Realrenditen ausgelöst. Der kommende Monat könnte mehr Klarheit darüber bringen, ob der Renditeanstieg auf verbesserte Konjunkturerwartungen oder auf Zweifel an fragilen Staatsschuldenprofilen zurückzuführen ist. Mit Blick auf die Unternehmensgewinne gehen wir mit höheren Erwartungen als im Vorquartal in die Berichtssaison zum dritten Quartal, wodurch das Enttäuschungsrisiko selbst bei guten Zahlen leicht steigt. Aktien müssen eine ausreichend breit abgestützte Gewinndynamik zeigen, um die höheren Anleiherenditen auszugleichen, die die Bewertungen der meisten Sektoren normalerweise belasten.
2.1 Anleihen
Versuchen wir, dem drastischen Zinsanstieg im September etwas Positives abzugewinnen: Höhere laufende Renditen haben attraktivere Einstiegspunkte an den Anleihemärkten geschaffen, während robuste Fundamentaldaten Unternehmensanleihen weiterhin unterstützen. An den Devisenmärkten wird die Stärke des US-Dollars zunehmend durch längerfristige Trends hin zu einer globalen Neuordnung der Währungen infrage gestellt. Dennoch verdient die jüngste Ausweitung der Spreads europäischer Staatsanleihen besondere Aufmerksamkeit. Während das nachlassende Vertrauen in Frankreichs Bekenntnis zu fiskalischen Reformen kurzfristig kaum zurückkehren dürfte, halten wir Befürchtungen einer breiteren Ansteckung innerhalb Europas für übertrieben.
Staatsanleihen
US-Staatsanleihen bleiben nach der jüngsten Renditeanpassung attraktiv, da wir die Markterwartungen hinsichtlich einer Straffung durch die Fed im Vergleich zu unserem zentralen Konjunkturausblick weiterhin für überzogen halten. Höhere Renditen haben die Bewertungen verbessert, während ein nachlassendes Wachstum und ein sinkender Inflationsdruck sowohl das kurze als auch das lange Ende der US-Zinskurve unterstützen könnten.
In Europa ist an den Staatsanleihemärkten eine erhöhte Volatilität zu beobachten. Neben dem globalen Renditeanstieg hat die fiskalische Lage Frankreichs zu einer deutlichen Ausweitung der Risikoprämien (Spreads) zahlreicher europäischer Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen geführt, die zuletzt zusätzlich von ihrem Ruf als sichere Häfen1 profitiert haben. Da die Märkte weiterhin sehr dynamisch sind, warten wir zunächst auf ein Nachlassen des Momentums oder reagieren dort, wo unsere Überzeugung ausreichend stark ist, rasch auf Marktbewegungen.
Ein Teil der aktuellen Marktdynamik ist auf veränderte Erwartungen an die Europäische Zentralbank (EZB) zurückzuführen. Während die Inflationsdaten der Zentralbank unserer Ansicht nach gute Argumente für eine Fortsetzung ihres Straffungszyklus geliefert hätten, machen die starken Bewegungen an den Anleihemärkten, die bereits zu einer Verschärfung der Finanzierungsbedingungen beitragen, eine Zinserhöhung im Oktober aus unserer Sicht unwahrscheinlich. Bei den Ende September beobachteten Renditeniveaus vertraten wir für zwei- und zehnjährige Bundesanleihen eine positive Einschätzung.2 Bei italienischen Spreads sind wir vorerst wieder zu einer neutralen Einschätzung zurückgekehrt, trotz unserer konstruktiven Beurteilung der zugrunde liegenden Fundamentaldaten, die weitgehend denen anderer Länder des Euroraums entsprechen und sich weiter verbessern. Verglichen mit der Vergangenheit hat sich die italienische Regierung als überraschend stabil erwiesen. Aus fiskalischer Sicht hat sich die Schuldenquote bei rund 137 Prozent des BIP stabilisiert. Das Wachstum dürfte sowohl 2026 als auch 2027 unter einem Prozent bleiben, während die Inflation bis 2027 voraussichtlich von 2,9 Prozent auf 2,2 Prozent sinken dürfte. Die jüngsten Ratinghochstufungen spiegeln eine positive Einschätzung durch die Ratingagenturen wider. Höhere Finanzierungskosten könnten jedoch die künftigen Staatshaushalte belasten. Die idiosynkratischen Risiken bleiben relativ begrenzt, was darauf hindeutet, dass die jüngste Spreadausweitung überwiegend durch eine breitere Risikoaversion getrieben wird, deren Dauer weiterhin ungewiss ist.
Bei französischen OATs bleiben wir Neutral. Einerseits kann angesichts der erhöhten politischen Unsicherheit eine weitere Spreadausweitung nicht ausgeschlossen werden. Andererseits scheint inzwischen ein erheblicher Teil der negativen Nachrichten eingepreist zu sein. Darüber hinaus könnten französische Banken und Versicherer, die traditionell als natürliche inländische Käufer von OATs gelten, die aktuellen Renditeniveaus als attraktive Einstiegsmöglichkeit betrachten. Da Risiken und Chancen ausgewogen erscheinen, sehen wir derzeit kaum Gründe, von einer neutralen Einschätzung abzuweichen.
Britische Staatsanleihen bleiben aus unserer Sicht attraktiv, da die Märkte weiterhin einen deutlich aggressiveren Straffungskurs der Bank of England einpreisen als in unserem zentralen Szenario unterstellt. Hohe Realrenditen und attraktive Bewertungen sprechen für eine konstruktive Einschätzung, während sinkende Energiepreise oder eine schwächere Wirtschaftsdynamik Spielraum für rückläufige Renditen schaffen könnten, insbesondere am kurzen Ende der Zinskurve.
Unternehmensanleihen
Wir haben europäische Investment-Grade-Unternehmensanleihen (IG Credit) auf +1 hochgestuft, nicht zuletzt, weil das Neuemissionsvolumen deutlich geringer ausgefallen ist als befürchtet. Darüber hinaus hat sich dieses Segment für viele Investoren zu einer Carry-Anlageklasse (laufende Erträge) entwickelt, die eine geringe Volatilität, starke Fundamentaldaten und ein gut vorhersehbares Angebot bietet. Die Anlageklasse unterscheidet sich sowohl fundamental als auch technisch deutlich von der zunehmend hitzig geführten Debatte über die Tragfähigkeit von Staatsschulden. Die absolute Rendite ist für viele Investoren zu einem nicht unerheblichen Anlageargument geworden. Anhaltende Zuflüsse in die Anlageklasse aus neuen Kapitalquellen oder infolge von Umschichtungsentscheidungen bieten IG-Credit zusätzliche Unterstützung. Wir erwarten, dass die Kaufdynamik weiter zunimmt, sobald die Zinsvolatilität nachlässt. Ebenfalls hochgestuft, allerdings nur auf Neutral, haben wir europäische Hochzinsanleihen nach einer Marktkorrektur im September. Diese führte zu einer Ausweitung der Spreads um rund 50 Basispunkte auf 292 Basispunkte. Zusammen mit dem Zinsanstieg resultierte dies in einem der wenigen Monate mit einer deutlich negativen Gesamtrendite für den Markt. Unsere konstruktivere Haltung spiegelt die verbesserten Bewertungen, unseren positiveren Konjunktur- und Zinsausblick sowie die weiterhin solide technische Marktlage wider, da wir nach wie vor beobachten, dass Käufer bei jeder Marktschwäche einsteigen. Wir würden jedoch weiterhin nicht auf +1 gehen, da wir das Risiko einer ausgeprägteren globalen geldpolitischen Straffung sehen. Auch die technische Marktlage könnte sich bei einem Anstieg des Neuemissionsvolumens verschlechtern. Die Bewertungen sind noch nicht attraktiv genug, um diese Risiken vollständig zu kompensieren.
Sowohl bei US-amerikanischen Investment-Grade- als auch bei Hochzinsanleihen bleiben wir Neutral, da die robuste Nachfrage und die weiterhin gesunden Marktfundamentaldaten durch Gegenwind infolge des künftigen Angebots großer Technologieemittenten und die nach wie vor relativ engen Spreads ausgeglichen werden.
Schwellenländer
Staatsanleihen aus Schwellenländern profitieren weiterhin von einem robusten Wachstum, einer unterstützenden Dynamik an den Rohstoffmärkten und positiven Ratingtrends in zahlreichen Ländern. Nach einer Phase starker Wertentwicklung sind die Bewertungen jedoch weniger attraktiv geworden. Dies veranlasst uns trotz des weiterhin günstigen fundamentalen Umfelds der Anlageklasse zu einer neutraleren Haltung.
Währungen
Trotz der jüngsten Stärke des US-Dollars, die auf eine restriktivere Fed und wachsende kurzfristige Zinsdifferenzen zurückzuführen ist, halten wir an unserer konstruktiven mittelfristigen Einschätzung des Euro gegenüber dem US-Dollar fest. Angesichts des begrenzten Spielraums für eine weitere Renditedivergenz und unseres weiterhin vorsichtigen Ausblicks für den Dollar spricht die Gesamtlage nach wie vor für eine positive längerfristige Einschätzung des Euro. Beim USD/JPY-Wechselkurs hat die durch die Fed ausgelöste jüngste Dollarstärke die Unterstützung für den Yen durch Interventionen und Entwicklungen bei der Bank of Japan ausgeglichen. Dennoch dürfte USD/JPY unter 160 bleiben, was einen künftig ausgewogeneren Ausblick für das Währungspaar widerspiegelt.
2.2 Aktien
Auf Grundlage des robusten Wirtschaftswachstums und der widerstandsfähigen Unternehmensgewinne bleiben wir für Aktien konstruktiv, insbesondere da die Bewertungen im dritten Quartal attraktiver geworden sind. Wie Morgan Stanley feststellte, war dies der stärkste Bewertungsrückgang in einem steigenden Markt seit mehr als 30 Jahren. Mit anderen Worten: Obwohl der MSCI AC World im Quartalsverlauf leicht zulegte, sank sein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) um rund sieben Prozent, da die Gewinnschätzungen für die kommenden zwölf Monate um mehr als zehn Prozent stiegen. Tatsächlich wurden im Quartalsverlauf erstmals seit mehr als fünf Jahren für jeden Sektor die Gewinnschätzungen für die kommenden zwölf Monate angehoben.3
Während wir nur wenige Gründe für eine plötzliche Verlangsamung des Gewinnwachstums sehen, stehen die Märkte mit Blick auf das vierte Quartal weiterhin vor mehreren Belastungsfaktoren. Vor allem die höheren Anleiherenditen geben Anlass zur Sorge. Da die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen bei über fünf Prozent liegen, nimmt der Bewertungsdruck in vielen Marktsegmenten zu. Die Wertentwicklung im September verdeutlichte dies: Die Kursgewinne wurden fast ausschließlich von technologiespezifischen Sektoren getragen. Lediglich Informationstechnologie und Kommunikationsdienste, zu denen mehrere Hyperscaler gehören, erzielten positive Renditen, während die übrigen Sektoren den Monat im Minus beendeten.
Das Gewinnwachstum muss daher weiterhin die Belastung durch höhere Diskontierungssätze ausgleichen. Ebenso wichtig ist, dass der KI-Investitionszyklus als dominierender Markttreiber weitgehend intakt bleibt. Eine nachlassende Konsumbereitschaft angesichts der hohen Energiepreise ist ein weiteres Risiko, das wir genau beobachten.
Wir haben unsere regionalen Einschätzungen in den vergangenen Monaten nicht verändert, Japan sowie europäische Nebenwerte bleiben unsere einzigen Favoriten. Die jüngste starke Tankan-Umfrage in Japan, bei der die Geschäftslage über alle Branchen hinweg den höchsten Stand seit den frühen 1990er-Jahren erreichte, stärkt in Verbindung mit der robusten, durch den KI-getriebenen Investitionszyklus unterstützten Industrieaktivität unsere positive Einschätzung. Auch unsere positive Einschätzung europäischer Nebenwerte behalten wir bei, gestützt durch die anhaltende Erholung der Industrie und historisch attraktive Bewertungen.
Auf Sektorebene bleiben Banken eine unserer bevorzugten Branchen, da sie selbst bei einer weiteren Abflachung der Zinskurve von höheren Zinsen profitieren. Auch Versorger mögen wir weiterhin. Hier bleibt die KI-getriebene Stromnachfrage trotz der Belastung durch höhere Renditen ein starker struktureller Rückenwind. Innerhalb des Technologiesektors verfolgen wir nun einen breiteren Ansatz, nachdem wir uns im ersten Halbjahr 2026 auf Halbleiter konzentriert hatten. Wir sehen KI nun gleichermaßen als Wachstumstreiber für Unternehmen aus den Bereichen Hardware, Software und Halbleiter. Die breitere Einführung von KI-Agenten4 dürfte das Marktwachstum weiter vorantreiben. Schließlich bleiben wir für den Gesundheitssektor insgesamt neutral, schätzen aber gleichzeitig seine defensiven Eigenschaften innerhalb eines diversifizierten Portfolios. Biotechnologie sticht jedoch als unser bevorzugter Teilsektor hervor, unterstützt durch anhaltende Innovationen und die von uns erwartete weiterhin robuste M&A-Aktivität.
Wir haben Basiskonsumgüter auf Untergewichten herabgestuft, da sie nicht mehr den defensiven sicheren Hafen darstellen, der sie einst waren. Die Gewinnrevisionen bleiben negativ, und die Preissetzungsmacht nimmt angesichts veränderter Verbraucherpräferenzen und knapperer Haushaltsbudgets weiter ab. Aufgrund des begrenzten Spielraums für Margensteigerungen, anspruchsvoller Bewertungen und nur weniger attraktiver Einzeltitel ist das Risiko-Rendite-Profil des Sektors weniger überzeugend geworden. Daher stufen wir Basiskonsumgüter auf Untergewichten herab, bevorzugen jedoch weiterhin ausgewählte Bereiche wie Getränke und Kosmetik, in denen Preissetzungsmacht und Innovation unterstützend wirken.
Wir haben globale Immobilien von Untergewichten auf Neutral hochgestuft, nicht zuletzt aufgrund sich verbessernder operativer Fundamentaldaten in mehreren Immobiliensegmenten. Das begrenzte Neuangebot infolge höherer Bau- und Finanzierungskosten stützt die Auslastung und das Mietwachstum, insbesondere bei Immobilien für Senioren, Industrieimmobilien, Rechenzentren und gewerblichen Immobiliendienstleistungen. Attraktive Bewertungen, ein überdurchschnittliches Gewinnwachstum und ein bedeutendes KI-Engagement über Rechenzentrums-REITs (Real-Estate-Investment-Trusts) wirken unterstützend, wenngleich der Sektor weiterhin anfällig für höhere Zinsen und energiebedingte Inflationsrisiken bleibt.
2.3 Alternative Anlagen
Gold
Steigende Renditen von US-Staatsanleihen und die Erwartung weiterer Zinserhöhungen durch die US-Notenbank setzten den Goldpreis erneut unter Druck. Trotz des Rückgangs stiegen die Bestände von Gold-ETFs (exchange-traded funds) in der dritten Septemberwoche um rund 400.000 Unzen, was auf ein anhaltendes Kaufinteresse institutioneller Investoren hindeutet. Die Nachfrage von Privatanlegern bleibt hingegen verhalten, wobei sich sowohl indische als auch chinesische Investoren weitgehend zurückhalten. Wir gehen davon aus, dass der Gold-Spotpreis die Marke von 4.000 US-Dollar erneut testen könnte. Wir erwarten, dass die Nachfrage der Zentralbanken auf diesem Preisniveau zunehmen wird, und betrachten 4.000 US-Dollar als eine mögliche Untergrenze der Handelsspanne.
Öl
Wir haben unsere Einschätzung für Öl von +1 auf Neutral herabgestuft. Anfang September konnte der Iran den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus erneut beeinträchtigen, während die Huthi im Jemen ihren Konflikt mit Saudi-Arabien durch die Einnahme von Küstenstädten am Roten Meer ausweiteten. Die Huthi unterbrachen zudem vorübergehend die Ölflüsse durch die saudische Ost-West-Pipeline. In den vergangenen Tagen hat sich die Dynamik jedoch gewandelt. Unter dem Schutz der USA wird inzwischen davon ausgegangen, dass nahezu die gesamte Ölproduktion des Nahen Ostens, mit Ausnahme des iranischen Öls, durch die Straße von Hormus transportiert wird. Auch der Betrieb der Ost-West-Pipeline wurde wieder aufgenommen, und Saudi-Arabien kann seine Öllieferungen über den Suezkanal nun wieder fortsetzen. Da die USA ihre wirtschaftliche und physische Blockade weiter verschärfen und das Öl nun offenbar ungehindert durch diese strategischen Nadelöhre fließt, steht die iranische Regierung vor einem schwierigen Dilemma: Entweder tritt sie den USA militärisch entgegen, um ihre Kontrolle über die Straße von Hormus zu verteidigen, oder sie akzeptiert die Bedingungen der USA, um eine Einigung zu erzielen. Wir gehen jedoch nicht davon aus, dass vor den Zwischenwahlen eine Einigung erzielt wird.