Investmentampeln

DWS

DWS CIO View vom 03.07.2026

Die monatlichen Investment Traffic Lights bieten eine detaillierte Marktanalyse und unsere Sicht auf die Entwicklung der wichtigsten Anlageklassen.


In Kürze

  • Das zweite Quartal hat mit zwei sehr starken Monaten angefangen, bevor der Markt im Juni anfing, sich selbst zu hinterfragen.
  • Rückenwind erhielten Aktien durch die wenn auch wackligen Friedensverhandlungen im Iran samt sinkender Ölpreise, sowie weiter starkem Gewinnwachstum, auch wenn die Anleiherenditen weiter recht hoch bleiben.
  • Wir gehen weiter von steigenden Märkten aus, doch nehmen insbesondere im Aktiensegment einige Änderungen vor. Nicht zuletzt nehmen wir bei den recht heiß gelaufenen Halbleiterwerten den Fuß etwas vom Pedal.

1. Marktüberblick
1.1 Krieg und Frieden, KI und Halbleiter, Fed und Trump, Fantasie statt Gewinne

Bevor sich Anleger über die Berg- und Talfahrt der vergangenen Monate an den Börsen beschweren, sollten sie sich kurz daran erinnern, was der Auslöser für diese Marktturbulenzen, der Angriff der USA und Israels auf den Iran, für Folgen für die Menschen in der Golfregion hat. Sie dürften andere Sorgen plagen, als jene, ob die mehrmonatige Sperrung der Straße von Hormus zu US-Stagflation führt, oder wie sich der große Kapitalhunger der KI-Anbieter auf deren Eigenkapitalrendite auswirkt.

Doch dies waren, verkürzt gesagt, die zwei wohl wichtigsten Themen im abgelaufenen zweiten Quartal. Insbesondere in den ersten zwei Monaten bildete die Erleichterung über die ausbleibende Eskalation in Nahost und die immer neuen Wachstumsmeldungen aus dem KI-Universum einen idealen Nährboden für die Rally insbesondere der Technologieaktien. Und dies, obwohl sich die Renditen der US-Staatsanleihen immer weiter nach oben schraubten, was Wachstumswerten sonst eigentlich gar nicht schmeckt.

Der Juni wurde von den Märkten dann zur Konsolidierung genutzt. In der US-Politik schwenkte der Fokus vom Iran auf die Renovierung des Spiegelteichs vor dem Lincoln-Denkmahl, und an den Anleihemärkten machte man sich einen Reim auf den neuen Präsidenten der US Federal Reserve, Kevin Warsh. Nach der Pressekonferenz im Anschluss an die erste von ihm geleitete Offenmarktausschusssitzung entschieden die Anleger, dass es Warsh mit dem Inflationsbekämpfungsmandat der Fed ernst meint. Nicht zuletzt, da er die Zinsen nicht senkte (worüber sich der US-Präsident, der ihn kürzlich erst nominiert hatte, öffentlich nicht aufregte). Am kurzen Ende gingen daraufhin die Renditen in Markterwartung von einer bis zwei Zinserhöhungen noch in diesem Jahr nach oben, während sie am langen Ende sanken, da man dadurch die längerfristigen Inflationsgefahren als geringer ansah. Allerdings bewegten sich zum Monatsende die 10-jährigen Renditen aufgrund guter Arbeitsmarktdaten wieder Richtung 4,5 Prozent.

Ansonsten darf in einem Marktrückblick vom Juni natürlich der rekordgroße (USD 85,7 Mrd.) Börsengang von Elon Musks Technologiekonglomerat SpaceX (Raketen, Satelliten, Internet und KI) nicht fehlen, der den Gründer zum ersten Dollar-Billionären überhaupt machte. Verlustmachend und per Monatsende mit dem rund 60-fachen des für 2026 geschätzten Umsatz bewertet, testet er das Vorstellungsvermögen der Aktionäre. Doch zunächst einmal ist der Börsengang bis auf weiteres geglückt, was den Börsen trotz aufkommender Zweifel an den Geschäftsmodellen mancher KI-Firmen wahrscheinlich geholfen hat, den Monat gut zu überstehen.  

1.2 Halbleiter stiegen zulasten der Hyperscaler; Öl, Gold und Bitcoin fielen

Der stark von Halbleiterfirmen dominierte südkoreanische Kospi 100, sowie der Philadelphia Semiconductor Index (SOX) legten im zweiten Quartal jeweils um fast 90 Prozent zu, während die Hyperscaler weiter an Zuspruch an der Börse verloren; zu erkennen etwa an dem Minus von neun Prozent der Magnificent 7 im Juni. Ansonsten fiel im Juni das relative Aufholen der Aktienindizes der zweiten Reihe auf: so standen der Euro Stoxx 50, der Stoxx Europe 600, der Schweizer SMI, aber auch der Nebenwerteindex Russell 2000 an der Spitze der Börsencharts. Das Schlusslicht mit einem Minus von sieben Prozent bildete hingegen der MSCI China.

Auffällig waren zudem der schwache Yen, der gegenüber dem Dollar ein 40-Jahrestief (USDJPY 162) erreichte und die eingebrochenen Ölpreise – um rund ein Viertel verbilligten sich Brent und WTI im Juni, da sich Anleger etwas von den US-iranischen Gesprächen erhoffen. Was wiederum wenig zur Freude der Gold- und Bitcoinbesitzer beitrug: Gold oszillierte zum Monatsende an der 4000-Dollar-Marke je Feinunze, während Bitcoin unter 60.000 Dollar fiel. Ersteres verlor damit rund ein Viertel seines Wertes im Vergleich zum historischen Hoch Ende Januar und letzterer über die Hälfte seines Rekordwertes vom Oktober 2025.

2. Ausblick und Änderungen

Die Sommerferien stehen an, was heißt das für Anleger? Zumindest jene, die früh fahren, sollten sich gut erholen können, so denn die jüngsten 30 Jahre Historie ein Anhaltspunkt sind: Der Juli hat im Durchschnitt eine positive Rendite eingefahren (sowohl beim S&P 500 als auch beim Stoxx 600), während August und September negativ rentierten. Der S&P 500 hat nun sogar elf Jahre in Folge ein Plus im Juli abgeliefert. Das muss natürlich nichts für diesen Sommer bedeuten. Zwar stehen die Zeichen insgesamt nicht allzu schlecht: global wächst die Wirtschaft langsam und gemächlich, der Gegenwind vom Iran (samt hohem Ölpreis und höheren Zinsen) scheint zumindest aufgeschoben, wenn auch nicht vollends aufgehoben. Allerdings sind die Märkte im zweiten Quartal recht gut gelaufen, während sie aber gleichzeitig gerade im Juni gezeigt haben, wie nervös sie mittlerweile beim Thema KI sein können. Und sollten Wachstums- oder Margendiskussionen im Technologiesektor gleichzeitig auf einen Anleihemarkt stoßen, der sich zum Beispiel weigert, die Renditen etwa der länger laufenden US-Treasurys nachhaltig nach unten zu drücken, könnte das eine gefährliche Mischung ergeben.

2.1 Anleihen

Nachdem die EZB wie erwartet den ersten, und die Bank of Japan einen weiteren Zinsschritt nach oben vollzogen haben; und sowohl die Fed als auch die Bank of England noch abwarten, erwarten wir von der EZB noch einen weiteren Zinsschritt in den kommenden Monaten, und von der Fed ein Abwarten bis nächstes Jahr. Der neue Fed-Präsident Kevin Warsh hat den Märkten in Aussicht gestellt, sie weniger lenken, sondern ihnen die Interpretation der wirtschaftlichen Lage überlassen zu wollen. Wir interpretieren seine Aussagen weniger hawkish als der Markt, können uns aber auch vorstellen, dass die Fed schneller auf sich verändernde Umstände reagieren wird.

Wir haben im Juni keine taktischen Änderungen bei den Einschätzungen für die verschiedenen Anleiheklassen vorgenommen. Wir bleiben damit positiv auf Treasuries, weil wir die Markterwartung nach anstehenden Zinserhöhungen nicht teilen, während wir Bundesanleihen als fair bewertet sehen. Angesichts der extrem engen Risikoaufschläge bei USD und EUR-Unternehmensanleihen bleiben wir hier bis auf den Investmentgrade-Bereich in Europa, den wir weiterhin bevorzugen, neutral.

Währungen
Bei Währungen haben wir EURUSD zurück auf Neutral genommen. Unseres Erachtens spricht eine höhere Wirtschaftsdynamik in den USA ebenso für den Dollar, wie vor allem der Wechsel an der Fed-Spitze: die Sorge, dass Kevin Warsh dem US-Präsidenten zuliebe schnelle Zinssenkungen herbeiführen würde, hat sich zunächst verflüchtigt.

2.2 Aktien

Wir werden uns zukünftig bei unseren Aktienmarktbewertungen weniger auf die Regionen, sondern verstärkt auf die Sektoren konzentrieren, und hierbei wiederum auf die Subsektoren, da wir auf dieser Ebene deutlich mehr Potential für Fehlbewertungen im Markt sehen.

Angesichts der weiter guten Wachstumsaussichten der Unternehmensgewinne stehen die Zeichen für Aktien aus unserer Sicht nicht schlecht. Allerdings sehen wir auch eine gewisse Nervosität im Markt, was die Nachhaltigkeit der hohen Gewinne vor allem in zyklischen Sektoren angeht. Ein Zeichen davon sind rückläufige Bewertungsmultiplikatoren, da die Gewinnschätzungen stärker gestiegen sind als die Kurse. Von historisch günstigen Kursen kann man jedoch deswegen immer noch nicht reden.

Unser mittelfristiger Ausblick bleibt optimistisch, doch kurzfristig haben wir einige Änderungen auf Subsektorebene vorgenommen. So haben wir den Halbleitersektor auf Neutral zurückgestuft. Zwar sehen wir ihn immer noch als Hauptprofiteur des KI-Booms, doch nach einem Plus etwa des SOX von rund 90 Prozent im zweiten Quartal, werden wir kurzfristig etwas vorsichtiger. Es bleibt ein zyklischer Sektor, der nach anfänglicher strikter Ausgabendisziplin sich jetzt doch anschickt, seine Kapazitäten deutlich zu erweitern, wofür er auch den Kapitalmarkt anzapft. Dazu gesellt sich ein nicht zu vernachlässigendes Restrisiko, dass sich die Ausgabenfreude der Hyperscaler reduzieren könnte, sollte sich die Monetarisierung der KI-Ausgaben nicht so schnell manifestieren wie erhofft. Im Einklang mit dem Halbleitersektor haben wir auch die Region Schwellenländer auf Neutral heruntergenommen, da sie über Südkorea und Taiwan stark an diesem Sektor hängt.

Ebenfalls ein Teil des Technologiesektors ist der Software-Subsektor, den wir aufgrund des anhaltenden Drucks von KI negativ sehen, auch wenn wir eine starke Dispersion innerhalb des Sektors sehen.

Auch im Finanzsektor wird es erst unterhalb der Oberfläche etwas spannender. Dort sehen wir, ebenfalls als Folge der KI-Disruptionen, die Finanzdienstleister (darunter fallen Börsen, Online-Broker, Kreditkartenanbieter und Investmentbanken) jetzt negativ. Den Bankensektor hingegen sehen wir positiv. In den USA wird er von der Deregulierung unterstützt; in Europa durch steigende Eigenkapitalrenditen und in Japan durch steigende Zinseinnahmen aufgrund steigender Zinsen.

Aufgrund seiner starken Abhängigkeit vom Ausblick auf den Ölpreis sehen wir den Energiesektor nun negativ, da wir davon ausgehen, dass die Ölknappheit des ersten Halbjahres schon bald in ein Überangebot kippen könnte.

2.3 Alternative Anlagen

Man kann sicherlich an der Nachhaltigkeit der Friedensbemühungen zwischen dem Iran und den USA zweifeln, doch auf die Rohstoffmärkte haben sie bereits einen starken Einfluss gehabt und auch unsere Einschätzungen geprägt.

Gold
Wir sind taktisch vorsichtiger auf Gold geworden. Dafür ist unter anderem erneut der Wechsel an der Fed-Spitze verantwortlich, da er die mittelfristigen Inflationssorgen vieler Anleger reduziert hat. Gleichzeitig glauben wir aber auch, dass die Nachfrage der Zentralbanken dem Goldpreis auch weiterhin eine Unterstützung bieten könnte, so dass wir erwarten, dass Gold sich nun erstmal auf dem jetzigen Niveau konsolidieren wird.

Öl
Wir haben Öl auf Neutral zurückgenommen, da wir – bei allem Restrisiko – nicht davon ausgehen, dass das Angebot erneut so stark eingeschränkt werden wird wie zu Beginn des Irankriegs. Gleichzeitig verliert die OPEC an Bedeutung und wurde das Ölangebot außerhalb des Golfs ausgeweitet. Mittelfristig sehen wir Brent zwischen USD 70 und USD 85 handeln, nach Aufstockung der Lager könnte es auch unter dieses Band fallen.

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