Japan: Was bedeutet Takaichis Erdrutschsieg?

Allianz Global Investors

Allianz Global Investors "Die Woche voraus" vom 13.02.2026

In Japan hat die regierende Liberaldemokratische Partei (LDP) von Ministerpräsidentin Sanae Takaichi bei den vorgezogenen Unterhauswahlen am 8. Februar mit 316 von insgesamt 465 Sitzen einen historischen Sieg errungen. Die LDP verfügt damit allein über eine Zwei-Drittel-Mehrheit (eine sogenannte „Supermehrheit“) im Unterhaus und kann alle Entscheidungen des von der Opposition kontrollierten Oberhauses überstimmen. Zusammen mit ihrem kleineren Koalitionspartner, der Japan Innovation Party (JIP), verfügt die Regierung nunmehr über 352 Sitze (316 der LDP und 36 der JIP) im Unterhaus und gewann damit gegenüber den Unterhauswahlen vom Oktober 2024 deutlich hinzu, bei denen sie insgesamt 233 Sitze erhielt (davon 199 für die LDP und 34 für die JIP).

Nach den Wahlen dürfte Takaichi bereits in einer der ersten Sitzungen des neuen Unterhauses den Haushalt für das Fiskaljahr (Fj.) 2026 einbringen, damit dieser noch vor dem Beginn des neuen Haushaltsjahres am 1. April verabschiedet werden kann. Laut der Verfassung liegt die Entscheidungsgewalt in Haushaltsangelegenheiten vorrangig beim Unterhaus, in dem die LDP jetzt eine Mehrheit hat. Selbst wenn das Oberhaus (das nicht von der Regierungskoalition kontrolliert wird) Einwände gegen den Haushalt erhebt oder Änderungen daran vornimmt, kann das Unterhaus diese Entscheidung des Oberhauses innerhalb von 30 Tagen überstimmen.

Sobald der Haushalt verabschiedet ist, wird sich Takaichi wahrscheinlich der umstrittenen Verbrauchsteuersenkung für Lebensmittel zuwenden. Im Wahlkampf sprach sie sich für eine auf zwei Jahre befristete Aussetzung der Steuern auf Lebensmittel und Getränke aus. Der daraus resultierende Einnahmenausfall sollte, so Takaichi, nicht durch Anleiheemissionen finanziert werden, sondern gegebenenfalls durch Subventionskürzungen oder aus anderen Einnahmequellen als Steuern. Nach dem Erdrutschsieg der LDP hat der Druck auf Takaichi abgenommen, politischen Forderungen des kleineren Koalitionspartners oder der Opposition nachzugeben. Sie hat gegebenenfalls mehr Spielraum für eine Verschiebung der Steuersenkungen oder eine Reduzierung der ursprünglichen Vorhaben; eventuell könnten die Steuersenkungen auf bestimmte Lebensmittel beschränkt werden oder früher auslaufen. Die Märkte werden genau beobachten, wie die Premierministerin in dieser Frage entscheidet und wie sie die Steuersenkungen finanzieren will, denn dies könnte Befürchtungen schüren, dass die Fiskalpolitik künftig allzu locker gehandhabt wird. Für ultralange JGBs könnte dies ein heikles Thema sein.

Takaichis Wahlsieg gibt ihr auch ein klares Mandat in der Außen- und Verteidigungspolitik. Die Regierung Takaichi dürfte Japans Verteidigungsausgaben schrittweise anheben, was ihrem entschiedeneren Kurs in Sicherheitsfragen entspräche.

Mittelfristig sollte Takaichis Erdrutschsieg unseres Erachtens (1) positiv für Aktien (Stichworte: Steuersenkungen und höhere Staatsausgaben), (2) negativ für japanische Staatsanleihen (JGBs; Stichwort: Sorgen wegen einer lockereren Fiskalpolitik) und (3) negativ für den japanischen Yen sein (Stichworte: Sorgen wegen der Fiskalpolitik und verzögerte Normalisierung der Geldpolitik). Wir gehen weiterhin davon aus, dass die Bank of Japan (BoJ) ihren Leitzins, den unbesicherten Tagesgeldsatz, bis Ende 2026 um 50 Basispunkte (Bp.) auf 1,25% anhebt, um den Marktdruck auf ultralange JGBs und den JPY abzumildern.

Die Woche voraus

In der kommenden Woche stehen in den USA vor allem Stimmungsindikatoren, die Auftragseingänge für dauerhafte Gebrauchsgüter und Preisindizes an. In Europa werden Stimmungsindikatoren und in Japan Daten zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) und zur Verbraucherpreisinflation (VPI) veröffentlicht.

In den USA wird die Februar-Umfrage der New York Federal Reserve (Fed) im verarbeitenden Gewerbe am Dienstag Aufschluss über die aktuellen Entwicklungen im verarbeitenden Gewerbe geben. Darüber hinaus veröffentlicht die Philadelphia Fed am Mittwoch ihren Geschäftsklimaindex für Februar, und am Freitag stehen die Einkaufsmanagerindizes für Februar und der Stimmungsindex der University of Michigan für Februar an. Am Dienstag gibt es den Immobilienmarktindex der National Association of Home Builders (NAHB) für Februar und am Mittwoch die Auftragseingänge für dauerhafte Gebrauchsgüter im Dezember sowie die aktuellen Zahlen zu Baugenehmigungen und Baubeginnen. Und am Freitag stehen noch die Vorabschätzung des US-BIP im vierten Quartal sowie der Preisindex für die privaten Konsumausgaben (PCE) im Dezember an.

Im Euroraum werden am Montag Zahlen zur Industrieproduktion im Dezember veröffentlicht. Stimmungsindizes wie der Index für das Verbrauchervertrauen für Februar und die Einkaufsmanagerindizes gibt es am Donnerstag bzw. Freitag.

In Japan werden am Montag die BIP-Daten für das vierte Quartal 2025 veröffentlicht. Die Marktteilnehmer rechnen nach einer Kontraktion im dritten Quartal damit, dass die sequenzielle, annualisierte Wachstumsrate für das vierte Quartal wieder auf 1,6% ansteigt. Am Mittwoch gibt es dann Zahlen zur Entwicklung der Exporte und Importe im Januar, und am Freitag den landesweiten Verbraucherpreisindex für Januar.

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Christiaan Tuntono
Senior Economist, Asia Pacific

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