comgest Pressemitteilung vom 27.05.2026
Trotz hoher Energiepreise ist die Krise am Persischen Golf an den Börsen bereits wieder in den Hintergrund getreten. Die US-Aktienmärkte erreichen in diesen Wochen neue Höchststände, erneut angetrieben vom Thema Künstliche Intelligenz. Für Justin Streeter, Portfoliomanager bei Comgest, geht es angesichts der Bewertungen jetzt mehr denn je darum, Unternehmen zu identifizieren, die tatsächlich nachhaltig Umsatz und Gewinne generieren, auch abseits des KI Hypes.
Die US Börsen liefern derzeit beeindruckende Zahlen: Seit dem Tief Ende März ist der S&P 500 in wenigen Wochen um mehr als 14 % gestiegen und verzeichnete im April die beste Monatsperformance seit dem Frühjahr 2020. Der Nasdaq 100 notiert ebenfalls auf Rekordniveau. Rückenwind geben starke Quartalsergebnisse: Laut FactSet stiegen die Gewinne der US Konzerne im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahr um rund 27 %, das kräftigste Wachstum seit Ende 20211. Für 2026 rechnen Analysten damit, dass der S&P 500 eine Gewinnsteigerung von rund 22 % erzielen kann, getragen vor allem durch Unternehmen mit KI-Bezug.2
Ein zunehmend zweigeteilter Markt
Dabei verbirgt sich hinter dem dominierenden Thema „KI“ ein zunehmend zweigeteilter Markt. „Die zyklische KI-Rallye dürfte zunächst weitergehen, nicht zuletzt wegen der hohen Investitionen. Mittelfristig werden Investoren aber darauf schauen, wem es gelingt, mit KI tatsächlich Geld zu verdienen oder wessen Geschäftsmodell durch KI im Kern gefährdet ist“, sagt Justin Streeter von Comgest. Denn die Geschwindigkeit, mit der KI-Lösungen bestehende Tätigkeiten und Geschäftsmodelle verändern oder ersetzen, schafft neben Gewinnern auch Verlierer, etwa im Software-as-a-Service-Bereich (SaaS).
Streeter und das Managementteam des Comgest Growth America suchen für ihren Fonds nach Unternehmen, die bestimmte Qualitätswachstumskriterien erfüllen und zum Beispiel über Preissetzungsmacht, hohe Markteintrittsbarrieren, überdurchschnittliche Kapitalrenditen, stabile Cashflows und solide Bilanzen verfügen und die diese Qualität durch den Einsatz von KI weiter hebeln können. Dazu gehören auch bekannte Namen wie Microsoft oder Alphabet, derzeit die beiden größten Positionen im Comgest Growth America, trotz hoher Bewertungen.
Erfolgreiche Monetarisierung von KI entscheidend
„Microsoft hat seine Position als führender KI-Gewinner weiter gefestigt: Das KI-Geschäft überstieg einen annualisierten Umsatz von 37 Milliarden US-Dollar (+123 % im Jahresvergleich), Azure wuchs um 40 % und Microsoft 365 Copilot zählte über 20 Millionen kostenpflichtige Nutzer (+250 % im Jahresvergleich). Der vertraglich gesicherte Umsatzrückstand von 627 Milliarden US-Dollar (+99 % im Jahresvergleich) unterstreicht die starke und nachhaltige Nachfrage nach Microsofts Cloud- und KI-Plattform.3
Alphabet wiederum hat bewiesen, dass KI sein Kerngeschäft stärkt statt gefährdet: Der Suchumsatz wuchs im ersten Quartal 2026 um 19 % im Jahresvergleich auf 60,4 Milliarden US-Dollar – bei einem Allzeithoch bei den Suchanfragen. Google Cloud legte um 63 % auf 20 Milliarden US-Dollar zu, der Auftragsbestand beläuft sich auf 462 Milliarden US-Dollar, und Gemini verarbeitet über die direkte API bereits mehr als 16 Milliarden Tokens pro Minute (+60 % im Quartalsvergleich).4 „Das zeigt, dass es neben den hohen Investitionsausgaben zunehmend auch Effizienzgewinne gibt.“
Auch den Cloud- und Datenanbieter Oracle sieht Streeter auf einem guten Weg: „Oracle geriet im Zuge seiner Partnerschaft mit OpenAI unter Druck. Dabei lieferte das Unternehmen zuletzt gute Zahlen und revidierte die Umsatzerwartungen für das Folgejahr nach oben. Trotzdem sind viele Investoren noch zurückhaltend, bis klarer wird, ob sich die Investitionen rentieren und welche Auswirkungen KI auf das Geschäftsmodell haben wird. Oracle hat in den letzten Jahren seine Position im KI Infrastrukturmarkt weiter ausbauen können und zählt für uns nun zu den wirtschaftlich wettbewerbsfähigen Akteuren. Das ist die Art von Qualitätsunternehmen, die wir suchen.“
KI bleibt für den US Aktienmarkt das bestimmende Thema, die konkreten Auswirkungen und der Umfang der Disruption zeichnen sich dabei erst langsam ab. Große Unternehmen dürften je nach Anwendungsfall eine Kombination aus Standardmodellen in privaten Umgebungen, Open Source Alternativen und maßgeschneiderten Programmen auf Basis proprietärer Daten einsetzen, analysiert Justin Streeter: „So wie man für einen lokalen Lieferdienst keinen Ferrari benötigt, wird in vielen Bereichen ein „hinreichend gutes“ KI Modell genügen.“
Wachstumstreiber im Portfolio bewusst diversifizieren
Auch vor diesem Hintergrund achten die Expertinnen und Experten von Comgest darauf, mit dem Comgest Growth America nicht nur von einem Wachstumstreiber abhängig zu sein und das Portfolio resilient zu halten, fasst Streeter zusammen: „Ob es wie bei Visa das starke Wachstum digitaler Zahlungen ist, die verbesserte medizinische Versorgung bei Eli Lilly und Johnson & Johnson oder die steigenden öffentlichen Infrastrukturausgaben für Vulcan Materials – der US-Aktienmarkt bietet abseits des KI-Themas attraktive Qualitätsunternehmen, um an nachhaltigen Entwicklungen zu partizipieren und so die Marktvolatilität abzufedern. „Aufgrund des starken Marktfokus auf KI sind viele dieser Unternehmen derzeit zu einem Bewertungsabschlag erhältlich – was für Investoren mit einem langfristigen Anlagehorizont von Interesse sein könnte“.