Medical Strategy Monatsnews vom Juni 2026
Nachdem der Markt zu Monatsbeginn aufgrund höher als erwarteter US-Inflationsdaten schwach gestartet war, hellte sich das Marktumfeld rasch auf. Ein erstes Iran-Abkommen führte zu sinkenden Ölpreisen und unterstützte die Risikobereitschaft der Investoren. Davon profitierte auch der zeitgleich erfolgte Börsengang von SpaceX. Einzig Technologie-Werte schienen eine Phase relativer Konsolidierung zu durchlaufen, weswegen Marktteilnehmer sich augenscheinlich nach anderen Wachstumssegmenten orientierten.
Folglich erlangte der S&P 500 nur einen geringen Zugewinn von 0,3 % (in EUR), während der Dow Jones um 5,0 % (in EUR) anstieg. Biotechnologie-Aktien performten besser als der breite Markt: der Nasdaq Biotechnology kam auf ein Plus von 11,6 % (in EUR). Auch die defensiven Pharma-Titel lagen im Amex Pharma Index mit 9,5 % (in EUR) über der Rendite des Gesamtmarkts.
So konnte auch der Börsengang der Parabilis Therapeutics erfolgreich durchgeführt werden. Dabei handelt es sich um ein Biotechunternehmen, das über seine Helicon-Plattform an hochgradig anpassbaren Peptid-Therapeutika forscht. Diese können an komplexen Proteinoberflächen binden, die bislang als nicht-therapierbar galten. Mit einem Volumen von 670 Mio. USD stellte die Erstplatzierung einen neuen Rekord unter Biotech-IPOs auf.
Erst kurz zuvor hatte Kailera Therapeutics, ein Stoffwechsel-Spezialist, mit einem Volumen von 625 Mio. USD einen neuen Spitzenwert eingestellt. Die hohe Nachfrage nach Neuemissionen unterstreicht die derzeit ausgesprochen aufnahmefähigen Kapitalmarktbedingungen.
Gleichwohl konnte die Biotechnologie zwei bedeutsame Übernahmen verzeichnen (siehe auch die Meldungen zu ApoGee und Nuvalent), was die positive Stimmung im Biotechnologiesektor weiter unterstützte.
Zu den nun übernommenen Unternehmen lässt sich folgendes sagen: ApoGee entwickelt einen potenziellen best-in-class IL-13-Antikörper, der bei atopischer Dermatitis insbesondere durch das Dosierungsintervall (alle 3-6 Monate) einen Wettbewerbsvorteil haben könnte. Der Produktkandidat kommt in der 2. Jahreshälfte in die pivotale Studienphase.
Nuvalent wiederum besitzt hochselektive Kinase-Inhibitoren, die bei der Behandlung von ROS1-positiven Lungenkarzinomen ein Potenzial aufweisen. Das Hauptprodukt Zidesamtinib wurde bereits bei der FDA eingereicht und kann voraussichtlich in diesem Jahr mit einer Zulassungsentscheidung rechnen.
AbbVie bezahlte 10,9 Mrd. USD, bzw. 135,11 USD je Aktie, was einer Prämie von 49,5 % entspricht. GlaxoSmithKline bezahlte für Nuvalent 10,6 Mrd. USD, bzw. 124 USD je Aktie. Das ist eine Prämie von 40 % auf den letzten Schlusskurs vor Bekanntgabe.
Diese Transaktionen verdeutlichen, dass große Pharmaunternehmen weiterhin bereit sind, erhebliche Prämien für klinisch fortgeschrittene und strategisch relevante Assets zu bezahlen. Dies unterstützt die Bewertungen innovativer Biotechunternehmen und verbessert die Perspektiven potenzieller Übernahmekandidaten im Sektor.
Übernahmen sind für etablierte Player notwendig, weil sie damit Umsatzausfälle aus Patentlücken schließen können. Die erwartbaren Ausfälle aus dieser sogenannten Patentklippe sollen sich für die Industrie bis Ende des Jahrzehnts auf bis zu 297 Mrd. USD (RBC 24.02.2026, Jefferies 30.06.2026) belaufen. Entsprechend hoch ist der Druck auf sie. Marktnahe Unternehmen sind typischerweise als Übernahmeziele geeignet.
Der MEDICAL BioHealth Fonds verzeichnete im Juni eine starke Wertentwicklung und übertraf den Nasdaq Biotechnology Index. Die EUR-Tranche legte um 12,2 % zu (EUR I: +12,6 %; EUR H: +10,9 %; EUR S: +11,2 %) (Bruttowertentwicklung in EUR), während der Benchmark um 11,6 % (in EUR) stieg.
(Quelle für Performancezahlen: Infront & vwd)
News von Portfoliounternehmen
- AbbVie übernimmt Apogee Therapeutics und stärkt Immunologie-Geschäft
- GSK übernimmt Nuvalent und baut Onkologie-Pipeline deutlich aus
- Viridian erhält erste FDA-Zulassung für Lumvoa bei Schilddrüsen-Augenerkrankung
Abbvie übernimmt Biotechfirma Apogee
Der US-Pharmakonzern Abbvie übernimmt das Biotechunternehmen Apogee Therapeutics für rund 10,9 Milliarden US-Dollar. Geboten werden 135,11 US-Dollar je Apogee-Aktie in bar – ein Aufschlag von rund 50 % auf den vorherigen Schlusskurs. Der Titel war mit 1,2 % im MEDICAL BioHealth gewichtet. Der Abschluss wird für das dritte Quartal 2026 erwartet.
Für AbbVie ist der Deal strategisch besonders relevant: Der Konzern sichert sich Zugang zu mehreren Wirkstoffkandidaten im Bereich entzündlicher und immunologischer Erkrankungen – darunter der vielversprechende Antikörper Zumilokibart.
Zumilokibart wird unter anderem bei mittelschwerer bis schwerer atopischer Dermatitis entwickelt, vielen besser bekannt als Neurodermitis. Diese Erkrankung ist weit mehr als trockene Haut: Betroffene leiden häufig unter starkem Juckreiz, entzündeten Hautstellen, Schlafproblemen und wiederkehrenden Schüben. Das kann die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen.
Der Wirkstoff zielt auf IL-13 ab, einen wichtigen Botenstoff bei sogenannten Typ-2-Entzündungen. Besonders interessant: In Phase-2-Studien zeigte Zumilokibart gute Ergebnisse – und könnte im Alltag deutlich anwenderfreundlicher sein als bestehende Therapien (Best-in-class). Während etablierte Medikamente häufig alle zwei Wochen gespritzt werden, werden für Zumilokibart längere Abstände von drei oder sogar sechs Monaten untersucht.
Neben Zumilokibart übernimmt AbbVie weitere Wirkstoffkandidaten, darunter eine Kombinationstherapie gegen Asthma. Damit stärkt der Konzern nicht nur sein Immunologie-Portfolio, sondern baut auch seine Präsenz im Bereich Atemwegserkrankungen aus.
GSK kauft Nuvalent
Mit Nuvalent wird ein weiteres Unternehmen aus dem Portfolio des MEDICAL BioHealth übernommen. Der Titel war mit 1,7 % in unserem Fonds gewichtet. Der Käufer ist GSK, einer der großen globalen Pharmakonzerne. Das Transaktionsvolumen liegt bei rund 10,6 Mrd. US-Dollar. Für Nuvalent-Aktionäre entspricht der Angebotspreis von 124 US-Dollar je Aktie einer Prämie von rund 40 % auf den letzten Schlusskurs.
Das Unternehmen entwickelt zielgerichtete Krebstherapien für bestimmte Formen des nicht-kleinzelligen Lungenkrebses, der häufigsten Form von Lungenkrebs. Dabei geht es nicht um klassische Chemotherapie, sondern um präzise Medikamente, die gezielt an genetischen Veränderungen der Tumorzellen ansetzen.
Im Fokus stehen zwei Wirkstoffe: Zidesamtinib für ROS1-positiven Lungenkrebs und Neladalkib für ALK-positiven Lungenkrebs.
Beide Programme befinden sich bereits in einem späten Entwicklungsstadium und werden von der US-Arzneimittelbehörde FDA geprüft. Bei Zulassung könnten sie bereits 2026 auf den Markt kommen. Das Besondere: Diese Medikamente sollen bestehende Therapien verbessern – etwa durch bessere Verträglichkeit, längere Wirksamkeit, eine breitere Abdeckung von Resistenzmutationen und eine stärkere Wirkung bei Tumorabsiedlungen im Gehirn (Best-in-class).
Genau solche Eigenschaften sind in der modernen Onkologie entscheidend. Denn viele Patienten sprechen zwar zunächst auf eine Therapie an, entwickeln später aber Resistenzen oder leiden unter Nebenwirkungen, die ihre Lebensqualität beeinträchtigen.
Für GSK ist die Übernahme deshalb strategisch wichtig: Der Konzern baut damit seine Position im Bereich Lungenkrebs aus und erhält Zugang zu mehreren potenziell führenden Präzisionsonkologie-Programmen.