Medical Strategy Monatsnews vom September 2026
Der September stand für Biotechnologie im Zeichen steigender Zinsen. Die US-Notenbank erhöhte ihren Leitzins erstmals seit 2023 um 25 Basispunkte auf 3,75–4,00 %. Gleichzeitig stiegen die Renditen von US-Staatsanleihen deutlich. Vor allem kleinere und mittelgroße, wachstumsorientierte Biotech-Unternehmen gerieten dadurch unter Druck, während Large Caps vergleichsweise besser abschnitten. Der Nasdaq Biotechnology Index gewann im Monatsverlauf 2,3 % in EUR.
Auch sektorspezifisch verlief der Monat gemischt. Enttäuschende Studiendaten sorgten insbesondere zu Monatsbeginn für Gegenwind. Novartis und sein Entwicklungspartner Ionis Pharmaceuticals verfehlten mit Pelacarsen das Studienziel einer Reduktion schwerwiegender kardiovaskulärer Ereignisse bei Patienten mit erhöhtem Lipoprotein(a). Die Ergebnisse belasteten auch Amgen, das mit einem konkurrierenden Therapieansatz in diesem Bereich aktiv ist. Deutlich unter Druck geriet zudem uniQure: Bei der Gentherapie AMT-130 gegen Huntington war die nach 48 Monaten beobachtete Verlangsamung der Krankheitsprogression um 44 % gegenüber einer externen Kontrollgruppe statistisch nicht signifikant.
Positive Nachrichten kamen dagegen von Scholar Rock mit der FDA-Zulassung von Isembylds zur Behandlung der spinalen Muskelatrophie sowie von Kodiak Sciences mit positiven klinischen Daten im Bereich der altersbedingten Makuladegeneration. Die M&A-Aktivität blieb nach einem sehr aktiven bisherigen Jahresverlauf im September hingegen vergleichsweise ruhig.
Auf regulatorischer Ebene rückte am 24. September die Nominierungsanhörung von Dr. Heidi Overton für die Leitung der US-Arzneimittelbehörde FDA vor dem HELP-Ausschuss des US-Senats in den Fokus. Ihre angekündigte Beschleunigung von Studien und Zulassungen sowie die Orientierung an Fachpersonal und gesetzlichen Evidenzstandards setzten konstruktive Signale: Bei einer Umsetzung könnten sich Entwicklungszeiten verkürzen und regulatorische Risikoprämien sinken. Zudem betonte sie in der Anhörung die Bedeutung der wettbewerblichen Widerstandsfähigkeit der klinischen Forschung und Entwicklung gegenüber China.
Zugleich wurden die Führungskräfte des CDER (Michael Davis) und CBER (Karim Mikhail) in ihren Ämtern bestätigt. Das CDER ist innerhalb der FDA vor allem für die Bewertung und Zulassung klassischer Arzneimittel zuständig, das CBER insbesondere für biologische Produkte wie Impfstoffe sowie Zell- und Gentherapien. Davis verfügt über langjährige FDA-Erfahrung; Mikhail kam 2025 zur Behörde und bringt langjährige Erfahrung aus der Pharma- und Biotech-Industrie mit. Diese personelle Konstellation könnte die Kontinuität wissenschaftsbasierter Entscheidungen stärken und die regulatorische Vorhersagbarkeit verbessern.
Für Unsicherheit sorgten dagegen neue Maßnahmen der US-Gesundheitsbehörde CMS. Das finalisierte GLOBE-Modell sieht ab 2027 für ausgewählte über Medicare Part B erstattete Arzneimittel zusätzliche, an internationale Vergleichspreise gekoppelte Herstellerrabatte vor. Für die Industrie erhöht dies grundsätzlich den Preisdruck. Die finale Regel sieht jedoch Ausnahmen für Therapien gegen seltene Erkrankungen sowie für bestimmte Zell- und Gentherapien vor, wodurch diese Bereiche im Vergleich zu anderen Therapiegebieten relativ begünstigt werden.
Der MEDICAL BioHealth musste im September entsprechend der schwächeren Entwicklung kleinerer und mittelgroßer Biotech-Unternehmen Verluste hinnehmen. Die EUR-Tranche gab um 5,5 %, die EUR-I-Tranche um 5,7 % (Bruttowertentwicklung in EUR) nach. Die währungsgesicherten Tranchen EUR H und S verloren 7,7 % beziehungsweise 7,9 % (Bruttowertentwicklung in EUR).
An dieser Stelle möchten wir auch die bisherige Wertentwicklung 2026 transparent einordnen. Der MEDICAL BioHealth liegt bis Ende September mit +7,7 % (EUR-Tranche, Bruttowertentwicklung in EUR) im Plus, bleibt damit jedoch deutlich hinter dem Nasdaq Biotechnology Index mit +28,4 % (in EUR) zurück.
Ein wesentlicher Grund liegt in der unterschiedlichen Zusammensetzung des Fonds im Vergleich zum Nasdaq Biotechnology Index. Der MEDICAL BioHealth investiert schwerpunktmäßig in Small und Mid Cap Biotechnologieunternehmen. Gerade dieses Segment reagiert aufgrund seiner höheren Finanzierungssensitivität stärker auf steigende Anleiherenditen und ein restriktives Zinsumfeld. Große, bereits profitable Biotech-Unternehmen zeigten sich dagegen robuster. Gleichzeitig wurde die Indexentwicklung von einzelnen BioPharma-Schwergewichten stark getragen – Moderna legte seit Jahresbeginn über 500 % zu und verlieh damit auch breiteren Biotech- und Healthcare-Indizes zusätzlich starken Rückenwind. Der diesjährige Performanceunterschied ist damit weniger Ausdruck fehlender medizinischer Innovation als vielmehr Ergebnis eines Marktumfelds, das größere und liquide Unternehmen bislang klar bevorzugte.
Für unseren Investmentansatz ergibt sich daraus keine grundlegende Änderung. Im Gegenteil: Historisch haben Small und Mid Caps im Biotechnologiesektor häufig überdurchschnittlich profitiert. Gleichzeitig bleibt das fundamentale Umfeld höchst attraktiv.
Wir können gut nachvollziehen, dass die jüngste Entwicklung Fragen aufwirft. Umso wichtiger ist uns der langfristige Blick: Seit Auflegung am 30.10.2000 erzielte der MEDICAL BioHealth-Fonds (Tranche EUR) eine Überrendite von 408,7% gegenüber dem Nasdaq Biotechnology Index (Bruttowertentwicklung in EUR).
Dem derzeitigen Gegenwind durch das Zinsumfeld stehen inzwischen starke Wachstumstreiber gegenüber: medizinische Innovationen, der Einsatz von KI, auslaufende Patente bei Big Pharma, M&A sowie der strategische Wettbewerb mit China, der die USA zu verstärkten Investitionen in die heimische Biotechnologie und zur Förderung medizinischer Innovationen antreibt. Gleichzeitig hat der Sektor den ganz großen Zins- und Bewertungsreset der vergangenen Jahre bereits durchlaufen. Damit ist die Ausgangslage aus unserer Sicht attraktiv: Stabile Zinsen lassen Raum für fundamentale Wertschöpfung, fallende Zinserwartungen würden zusätzlichen Rückenwind bringen, während moderate weitere Zinsanstiege auf bereits bereinigte Bewertungen treffen.