Raiffeisen Capital Management "Märkte unter uns" März 2026
Nach dem Scheitern der Verhandlungen im Vorfeld und dem Aufbau von erhöhtem Druck durch ein massives Aufgebot militärischer Kapazitäten im Nahen Osten ist es Ende Februar zu einem Präventivschlag israelischer und amerikanischer Luft- und Seestreitkräfte gegen den Iran und damit zu einem – schon erwarteten – Krieg im Nahen Osten gekommen. Die ersten Reaktionen an den Finanzmärkten hielten sich zunächst im Rahmen, wenngleich riskante Assets wie Aktien und risikoreichere Anleihekategorien Kursabschläge verzeichneten, während Rohstoffe, insbesondere Öl, Gas und auch Gold sowie der US-Dollar als Krisenwährung deutliche Kurssprünge verzeichneten. Bei den Staatsanleihen, die grundsätzlich als sicherer Hafen in volatilen Marktphasen gelten, gab es auch Kursabschläge und Renditeanstiege, zumal am Kapitalmarkt die Gefahr einer wieder merklich anziehenden Inflation gehandelt wurde. Was auch die bislang vorhandene US-Zinssenkungsfantasie zeitlich noch weiter in die Zukunft geschoben, wenn nicht gänzlich eliminiert hat. Weil Europa aufgrund der bestehenden Abhängigkeiten einmal mehr als besonders verletzlich in Hinblick auf die Energiepreise und damit die importierte Inflation gilt, ist die gepreiste Wahrscheinlichkeit einer Zinsanhebung durch die EZB noch im heurigen Jahr sprunghaft angestiegen. Ob dieser Konflikt die Weltwirtschaft nachhaltig negativ beeinträchtigen oder gar in eine Rezession führen wird, ist wohl in erster Linie von der Dauer der Auseinandersetzung und den deutlich erhöhten Energiepreisen in Folge von unterbrochenen Lieferketten und zerstörten Förderanlagen abhängig. Somit lässt sich noch nicht seriös abschätzen, welche Spuren die Auswirkungen dieses Konflikts bei der Inflation, beim Konsumklima, am Arbeitsmarkt und letztlich beim globalen Wirtschaftswachstum hinterlassen wird. Bis dato waren die Wachstumsprognosen noch außerordentlich positiv. Auch die Unternehmensergebnisse waren bislang sehr gut wie auch der Ausblick auf die kommenden Quartale und das Gesamtjahr. Aus heutiger Sicht sollte eine zeitliche Begrenzung des Konflikts auf wenige Wochen den Erholungspfad der Weltwirtschaft nur temporär und in geringem Maße beeinträchtigen. In der Asset Allocation wird die Positionierung an das veränderte Marktumfeld angepasst. Während die Rohstoffposition nach den extremen Preissprüngen beim Ölpreis geschlossen wird, reduzieren wir die Aktiengewichtung, bleiben jedoch aufgrund der bislang guten Fundamentaldaten weiter übergewichtet.
Marktumfeld – Anleihemärkte
Renditerückgänge im Februar treiben Anleihekurse
Im Februar kam es durchwegs zu einem deutlichen Renditerückgang auf den etablierten Anleihemärkten (rund 30 Basispunkte bei zehnjährigen Staatsanleihen in Deutschland und den USA). Zum einen begünstigten zwischenzeitig schwächere Aktienmärkte (insbesondere aus dem Tech-Bereich kommend) sicherere Häfen wie insbesondere Staatsanleihen. Zum anderen kamen auch Sorgen um die weitere Konjunktur auf: Insbesondere in den USA, wo das BIP fürs abgelaufene Quartal enttäuschte, und wo Sorgen umgehen, der starke Produktivitätszuwachs dank künstlicher Intelligenz (KI) könnte die bereits beobachtbare Arbeitsmarktschwäche weiter eskalieren (und damit den Konsum schwächen).
Entsprechend bekamen praktisch alle Anleiheklassen kräftigen Rückenwind durch sinkende Staatsanleiherenditen!
An der Spitze des Monatsrankings liegen einmal mehr Lokalwährungsanleihen aus den Schwellenländern. Aber auch US-Staatsanleihen waren im Februar ganz vorne mit dabei. Andererseits waren die Konjunktursorgen nicht ausgeprägt genug, um die Risikoaufschläge von Unternehmensanleihen drastisch ansteigen zu lassen. Dementsprechend schafften auch diese eine positive Monatsperformance – aber erstmals seit langem deutlich weniger als Staatsanleihen (insbesondere im Fall von High Yield).
Marktumfeld – Aktienmärkte
Guter Börsen-Februar – aber US-Tech schwächelte
Auf den ersten Blick brachte auch der Februar fast überall eine ausgezeichnete Aktienmarktperformance – mit fast zweistelliger Monatsperformance im besten Einzelmarkt (Japan). Bei näherer Betrachtung stellt man dagegen fest, dass diese Performance fast ausschließlich von Europa und Asien getrieben wurde - innerhalb Asiens vor allem von Japan und einzelnen EM-Börsen wie insbesondere Südkorea. Der größte EM-Aktienmarkt, China, korrigierte dagegen im Februar deutlich nach unten, obwohl der Wirtschaftsausblick intakt scheint: Der Handelskrieg führte zwar zu einem Rückgang chinesischer Exporte in die USA, dies wurde aber durch den Exportanstieg in den Rest der Welt mehr als überkompensiert.
Schwach entwickelte sich auch der Aktienmarkt in den USA, und dort vor allem der KI-getriebene Technologiebereich: Einerseits, weil (wieder einmal) Zweifel aufkommen, ob sich die gewaltigen KI-Investitionen der großen Tech-Konzerne auf absehbare Zeit rechnen werden; andererseits (und etwas im Widerspruch zur ersten Sorge), weil Software-Unternehmen massiv abverkauft wurden – aus Sorge KI werde ihr Geschäftsmodell billiger/besser übernehmen.
Entsprechend schwach war dementsprechend der MSCI World, der ja nach wie vor zu fast 70 % aus US-Aktien (und da zu einem großen Teil aus den großen Tech-Konzernen) besteht.
Marktumfeld – Rohstoffe und Währungen
Goldpreis und Öl profitieren von Iran-Ängsten
Nach der heftigen Preiskorrektur bei Gold und Silber Ende Jänner kam es im Februar wieder zu einer schönen Kurserholung: Anfang März hatte der Goldpreis – angeheizt durch den Angriff auf den Iran und die damit hochkochende Marktverunsicherung – das Allzeithoch vom Jänner bereits fast wieder erreicht!
Auch der Silberpreis konnte sich im Februar schön erholen (auf rund US-Dollar 90/Unze) – auf das Jänner-Hoch von rund US-Dollar 120 fehlt da aber noch einiges!
Seit Jahresbeginn ist der Bereich Edelmetalle in Summe mit rund 23 % Performance immer noch der Best-Performer unter den großen Anlageklassen.
Der Ölpreis stieg im Vorfeld des Irankriegs bereits deutlich an (von rund 60 auf 70 US-Dollar), sprang dann aber Anfang März mit dem Angriff auf den Iran noch einmal deutlich (auf rund US-Dollar 80/Fass) nach oben. Die Monatsperformance des hier dargestellten Energiepreis-Index ist für Februar trotzdem negativ, weil der enthaltene Gaspreis von überdurchschnittlich hohem Niveau Ende Jänner wieder stark nach unten korrigierte.
Währungsseitig gehörte der Februar den Schwellenländer-Währungen, passend zur guten Performance von EM-Lokalwährungsanleihen: Sowohl Brasilianischer Real als auch Chinesischer Yuan (um nur Beispiele zu nennen) werteten letzten Monat kräftig auf. Die meisten Industriewährungen (Ausnahme Schweizer Franken) gaben dagegen gegenüber dem Euro leicht nach.
Ausblick – Globale Wirtschaft
Wachstumsrisiko Ölpreis trifft auf robuste Ausgangslage
Bis zu den Angriffen auf den Iran zeigte sich die globale Wirtschaft unverändert stark: Die Konjunkturvorlaufindikatoren (siehe Grafik/Unternehmensumfragen PMI) lagen bis zuletzt im Wachstumsbereich. Von mehreren Seiten kommt heuer Rückenwind für die Konjunktur: durch eine expansivere Fiskalpolitik und den Effekt tieferer Zinsen in den USA, das Infrastrukturpaket in Deutschland und höhere Rüstungsausgaben in (fast) ganz Europa. Außerdem machte die globale Rezession im Industriebereich bereits 2025 Platz für einen neuen Aufschwung in der Industrie, was insbesondere industrielastigen Volkswirtschaften wie Deutschland und Österreich heuer helfen sollte. Was ändert sich an diesem grundsätzlich positiven Bild durch den Iran-Krieg? Die Abwärtsrisiken sind stark gestiegen: Kommen die Öl- und Flüssiggas-Exporte aus dem persischen Golf für Monate zum Erliegen (eine Größenordnung, die nur vorübergehend durch strategische Ölreserven auszugleichen wäre), wären ein Ölpreisschock deutlich über 100 US-Dollar und ein globaler Konjunktureinbruch wahrscheinlich. Allerdings kann der US-Präsident genau das angesichts der US-Parlamentswahlen im Herbst am allerwenigsten riskieren. Sollte der Ölpreis deshalb zu lange zu hoch steigen (Niveaus von 80 bis 90 US-Dollar über einige Wochen wären vernachlässigbar), hat er einen starken Anreiz, den Konflikt zu beenden und einem Kompromiss zuzustimmen (den auch die verbliebenen Machthaber im Iran zum Überleben brauchen). Entsprechend sehen wir auf dem aktuellen Eskalationsniveau noch keinen Grund, unsere Konjunkturprognosen nach unten zu nehmen, auch wenn die Wirtschaftsdaten der nächsten Wochen vorübergehend negativ auf die Ereignisse reagieren könnten.
Ausblick – Inflation und Notenbanken
Inflation kurzfristig vom Ölpreis diktiert
Auch wenn ein – von uns nicht erwarteter – längerer Ölpreisschock das ändern würde: Bis zuletzt lag die Inflationsrate in der Eurozone stabil um den Zielwert der Notenbank von 2,0 %, und das nun schon seit gut zwei Jahren. Mit einer Konjunktur nahe dem langfristigen Wachstumsdurchschnitt würde sich daran auch so schnell nichts maßgebliches ändern. Entsprechend erwartet der Zinsmarkt den Einlagezins der EZB nun schon seit längerem unverändert um das aktuelle Niveau von 2,0 % – bis weit ins Jahr 2027 hinein. Ein Ölpreisschock brächte für die EZB das Dilemma höherer Inflation bei gleichzeitig schwächerer Konjunktur. Ein vorübergehender Ölpreisanstieg für einige Wochen (aus unserer Sicht ein realistischeres Szenario) würde die Inflation dagegen nur für kurze Zeit anheben und wäre danach rasch wieder wettgemacht, so dass für die EZB kein Handlungsbedarf entstünde.
Ähnlich das Dilemma für die US-Notenbank, nur dass dort die Konjunktur und die Inflation deutlich stärker sind als in der Eurozone. Ein stark steigender Ölpreis wäre dort deshalb vor allem erst einmal ein Inflationsproblem, und würde die derzeit vom Markt für das zweite Halbjahr noch erwarteten 2 Zinssenkungen (auf 3,0 %) in weite Ferne schieben. In unserem Basisszenario würde sich dagegen auch für den US-Leitzinsausblick nichts wesentliches ändern.
Ähnlich in Österreich: Auch hier würde die Inflationsrate im Basisszenario nur kurz ansteigen, und sich im weiteren Jahresverlauf wieder bei rund 2 % einpendeln (wir erinnern uns: Die österreichische Inflation, die im Dezember noch bei fast 4,0 % p. a. lag, fiel im Jänner wieder auf 2 % p. a. zurück).
Ausblick – Anleihemärkte
Bei Anleihen unverändert vorsichtig investiert
Innerhalb des Anleiheportfolios waren wir auch schon im Vormonat konservativ aufgestellt, und halten an dieser Ausrichtung derzeit noch weiter fest. Das heißt konkret eine Untergewichtung der Anleihekategorien US-High-Yield-Anleihen und Euro-Unternehmensanleihen (beide nach der Kursrally 2025 schon recht teuer und generell beides Anleiheklassen, die bei Rezessionsängsten am meisten leiden würden). Zwar erwarten wir wie beschreiben keine Rezession - auf den oben genannten Anleihemärkten waren die Risikoprämien (= Renditeaufschläge) im Februar aber bereits nahe Rekordtiefs, was kaum noch Risikopuffer bietet und sie anfällig für zwischenzeitige Korrekturen macht.
Das ist auch der Hauptgrund für unsere unveränderte Untergewichtung von Emerging-Markets-Staatsanleihen in Hartwährung.
Im Gegenzug sind wir übergewichtet in Staatsanleihen von Deutschland und der USA, aber auch in Staatsanleihen von UK und Australien.
Als Sondersituation sehen wir nach wie vor französische Staatsanleihen als attraktiv bewertet (übertriebener Abverkauf letztes Jahr) und sind diese ebenfalls übergewichtet.
Ausblick – Aktienmärkte global
Aktienmärkte nur kurzfristig negativ betroffen?
Bis Ende Februar war die globale Wirtschaft auf Kurs für solides Wachstum, die Inflation unter Kontrolle, die Zinsen deshalb tief (bzw. in den USA sogar fallend), und die Unternehmensgewinne stark am Steigen. Ein (wie schon 2025) weiterhin ausgezeichnetes Umfeld für Aktienmärkte! Bis der Angriff auf den Iran, und damit das Risiko eines Energiepreisschocks, dazwischen kam. Was ändert sich dadurch? Bleibt die Öl- und Gasversorgung aus dem persischen Golf für maximal einige Wochen unterbrochen, verändert sich an diesem Umfeld für das Gesamtjahr nichts Gravierendes. Dementsprechend bleiben wir Aktien in unserer taktischen Gewichtung übergewichtet. Die kommenden Tage/Wochen bis zu einem Waffenstillstand können zwar ruppig werden – auf längere Sicht wären das aber ausgezeichnete Gelegenheiten zum Aufstocken der Aktienquote. Das ist auch der Hauptgrund, warum wir unsere Aktien-Übergewichtung um einen Schritt reduziert haben: Bisher ist an den Börsen noch recht wenig an negativer Reaktion passiert, wir schaffen damit den Platz, in solcher kurzfristigen Marktschwäche günstiger wieder aufzustocken. Was unserem Portfolio zuletzt zugutekam, war die Übergewichtung von Rohstoffen: Sowohl Öl als auch Edelmetalle legten schon VOR dem Kriegsausbruch kräftig zu. In Erwartung eines eher kurzen Konflikts nehmen wir nun dort die Gewinne mit und schließen diese Position. (Nach einem Waffenstillstand würden diese Preisanstiege auch schnell wieder verpuffen.) Innerhalb der Aktienmärkte halten wir es auf längere Sicht nach wie vor für sinnvoll geografisch breit(er) zu streuen, z. B. auch (Zentral- und Ost-)Europa und die EM (inkl. China) stärker zu berücksichtigen: Das Gewinnwachstum der Unternehmen verschiebt sich derzeit zunehmend von IT in andere Sektoren, auch Europa legt im Gewinnmomentum zu.
Ausblick – Aktienmärkte regional
Regionale Über-und Untergewichtungen
Kurzfristig(taktisch):
Wir reduzieren unsere kurzfristige Untergewichtung in Europa und haben nun auch eine kleine Untergewichtung in Japan. Beide Regionen laufen Gefahr, aufgrund des Nahostkonflikts relativ stärker zu verlieren. Am positivsten sehen wir weiterhin Schwellenländer (Emerging Markets). Dort haben wir die größte Übergewichtung (und diese jetzt mit März noch einmal angehoben).
Bei unseren kurzfristigen Sektorpositionen sind wir Öl- und Gasunternehmen in Europa nun nicht mehr gegen Euro Stoxx 50 (breiter Aktienindex), sondern spezifisch gegen Euroland Banken übergewichtet.
Taktische Asset Allocation März
Wirtschaft:
- Globale Wirtschaftsdaten weiter verbessert, ausgehend von den USA
- Wachstumsschätzungen angehoben, positive Überraschungen überwiegen
- Fed-Zinssenkungen immer später erwartet, EZB bleibt unverändert
Unternehmen:
- US-Berichtssaison war gut aber nicht mehr hervorragend
- USA verliert ein wenig an Dynamik, Europa legt im Gewinnmomentum zu
- Anteiliges Gewinnwachstum verschiebt sich von IT in andere Sektoren
Stimmung:
- Kontraindikatoren zeigen abgekühltes Sentiment, aber noch keinen Stress
- Marktvolatilität nun überdurchschnittlich, Marktbreite weiter verbessert
- Trend bei globalen Aktien bestätigt, aber keine neuen Highs in den USA
Positionierung:
- Aktien +1 Schritt (gegenüber Euro-Staatsanleihen)
- Closing/Gewinnmitnahmen bei Rohstoffen (gegenüber Euro-Staatsanleihen)
Strategische Asset Allocation
Aktien
Anfang Dezember 2025 haben wir Emerging-Markets-Aktien (insbesondere chinesische Aktien) nach einem deutlichen Bewertungsanstieg reduziert. Modellgetrieben haben wir Mitte Dezember 2025 unsere Gewichtung in europäischen Aktien leicht erhöht.
Wir halten Positionen in europäischen, japanischen Aktien und Emerging-Markets-Aktien. US-Aktien sind aus Bewertungsüberlegungen weiterhin unattraktiv.
Staatsanleihen
Wir haben bei Staatsanleihen in den letzten Jahren aufgrund der deutlich attraktiveren Ertragsaussichten markant zugekauft.
Mitte Juni 2025 haben wir Non-Euro-Zinsrisiko aufgestockt und Euro-Zinsrisiko reduziert.
Unternehmens- & EM-Anliehen
Nach den Spreadeinengungen haben wir letztes Jahr mehrere Anpassungen vorgenommen: Anfang März 2025 realisierten wir Gewinne, u. a. bei Euro-Investment-Grade und High-Yield. Im Juni 2025 schlossen wir unsere Position in italienischen Staatsanleihen, Ende August 2025 folgten österreichische Staatsanleihen. Zudem reduzierten wir unsere Position in Emerging-Markets-Hartwährungen.
Reale Assets
Im Dezember 2025 haben wir die niedrigen Kurse bei Energierohstoffen für einen Zukauf (über ein Derivat auf einen Rohstoffindex) genutzt.
Im Rohstoffbereich halten wir (über Derivate auf Rohstoffindizes) Positionen in Energierohstoffen, Industrie- und Edelmetallen.