DPAM Kommentar von Nicolas Gazin vom 07.05.2026
Viele Investmentmanager setzen entweder auf quantitative Analysen oder auf fundamentales Research. Ein quantamentaler Ansatz verbindet beides, erläutert Nicolas Gazin, Head of Quantamental Equity bei DPAM:
Quantitative Modelle sind skalierbar, konsistent und sie können große Datenmengen effizient verarbeiten. Die fundamentale Analyse liefert Tiefe, Urteilsvermögen und ein Verständnis dafür, wie Unternehmen funktionieren. Wer beide Ansätze kombiniert, kann systematische Erkenntnisse nutzen und diese qualitativ einordnen. Letzten Endes soll ein Investmentprozess entstehen, der wiederholt auf ein breites Aktienuniversum angewendet werden kann, ohne dass es an analytischer Tiefe und Sorgfalt fehlt.
Aus Daten entstehen Investmentideen
Im quantamentalen Prozess werden zunächst Tausende von Unternehmen untersucht. Es geht darum, Merkmale zu identifizieren, die mit einer langfristigen Überrendite in Verbindung stehen. Jedes Unternehmen wird anhand mehrerer Dimensionen eingeschätzt, darunter Bewertung, Wachstum, Profitabilität, Markt Momentum, Gewinnrevisionen, finanzielle Stärke, Risikokennzahlen und ESG Aspekte.
Anhand dieser Daten werden die Unternehmen vergleichbar und lassen sich nach Attraktivität sortieren. Empirische Beobachtungen stützen die zugrundeliegende Logik. Werden z. B. Bewertungskennzahlen wie das KGV, an dem sich langfristige Gewinner von Nachzüglern unterscheiden lassen, auf ein breites Universum angewendet, kann man Muster identifizieren, die traditionellen Analyseansätzen womöglich verborgen bleiben.
Modellergebnisse sind noch keine Anlageentscheidungen. Aber sie liefern eine erste Vorauswahl. Den nächsten Schritt übernimmt die fundamentale Analyse. Jetzt werden Geschäftsmodelle, Wettbewerbspositionierung, Bilanzqualität und die Nachhaltigkeit der Ertragskraft bewertet. So sollen die quantitativen Signale bestätigt und mögliche Fehlindikationen ausgefiltert werden.
Disziplin und Urteilskraft verbinden
Schließlich werden die quantitativen Ergebnisse und die fundamentalen Überzeugungen in einem Portfolio zusammengeführt. Übermäßige Konzentrationen werden dabei vermieden; es wird ausgewogen über Regionen, Sektoren und Anlagestile hinweg gestreut. Risikokennzahlen wie Volatilität und Solvenz werden laufend überwacht.
Einer der wesentlichen Vorteile des quantamentalen Ansatzes ist, dass er verhaltensbedingte Verzerrungen reduzieren kann. Systematische Modelle fördern Konsistenz und helfen, Reaktionen zu vermeiden, die durch kurzfristige Marktbewegungen getrieben sind. Zugleich können erfahrene Investmentmanager sicherstellen, dass vorausschauendes Urteilsvermögen und qualitative Einschätzungen im Prozess berücksichtigt werden.
Das Ergebnis ist ein Ansatz, der Konsistenz bietet, ohne in Starrheit zu verfallen. Dank datenbasierter Selektion und vertiefender Analyse kann der quantamentale Ansatz unterschiedliche Marktumfelder berücksichtigen – und gleichzeitig Investmentdisziplin wahren.