Ethenea Marktkommentar vom 14.01.2026
Viele Anleger verstehen Risiko vor allem als Bedrohung. Entsprechend versuchen sie, Unsicherheit möglichst zu vermeiden – obwohl Renditen nur dort entstehen, wo Risiken bewusst getragen werden. Warren Buffett bringt diesen Zusammenhang sinngemäß auf den Punkt: Risiko entsteht dort, wo Anleger nicht wissen, was sie tun. Entscheidend ist daher nicht, Risiken auszublenden, sondern sie zu verstehen, einzuordnen und systematisch zu steuern.
Wir verfolgen mit unserem Risikomanagement drei Ziele: das eingesetzte Kapital zu schützen, Wertschwankungen zu begrenzen und Rendite und Risiko in ein ausgewogenes Verhältnis zu bringen. Gerade in Krisenzeiten hilft dieser Ansatz, größere Verluste einzudämmen und überstürzte Verkäufe zu vermeiden. Maßgeblich ist, wie effizient ein Portfolio Risiken steuert und in Rendite übersetzt.
Risiken entstehen auf vielen Ebenen. Sie reichen von globalen Marktbewegungen über wirtschaftliche und politische Entwicklungen bis hin auf der Ebene einzelner Wertpapiere. Die zentrale Aufgabe besteht darin, Chancen konsequent zu nutzen, ohne sich von einzelnen Risiken unnötig treiben zu lassen.
Warum nur bestimmte Risiken eine Prämie bringen
Grundsätzlich lassen sich Risiken in zwei Gruppen einteilen: systematische und unsystematische Risiken. Systematische Risiken betreffen ganze Märkte oder Anlageklassen. Sie lassen sich nicht wegdiversifizieren. Wer Rendite will, muss sie tragen. Unsystematische Risiken hängen an einzelnen Titeln oder Emittenten. Sie lassen sich durch breite Streuung deutlich reduzieren – ohne Renditeeinbußen. Deshalb wird am Kapitalmarkt nur für systematische Risiken eine Prämie gezahlt.
Marktrisiko als zentrales systematisches Risiko
Ein zentrales systematisches Risiko ist das Marktrisiko. Es zeigt sich, wenn Aktienmärkte fallen, Zinsen steigen oder Währungen und Rohstoffpreise stark schwanken. Solche Bewegungen erfassen viele Anlagen zugleich. Um Risiken besser einschätzen zu können, werden Kennzahlen wie die Volatilität genutzt. Sie zeigt, wie stark Werte schwanken können.
Kreditrisiken entstehen, wenn Staaten, Unternehmen oder Finanzinstitute ihren Verpflichtungen nicht mehr nachkommen. Manchmal trifft es einzelne Emittenten. Manchmal ganze Branchen oder Länder. Ratings, Ausfallwahrscheinlichkeiten und Marktindikatoren wie Credit Spreads helfen dabei, diese Risiken frühzeitig einzuordnen.
Liquiditätsrisiken geraten oft erst in Krisen in den Fokus. Sie treten auf, wenn sich Wertpapiere nur schwer oder nur mit Abschlägen verkaufen lassen. In Stressphasen kann die Liquidität am Markt versiegen. Bei wenig gehandelten Titeln fehlt sie oft auch in ruhigen Zeiten. Kennzahlen wie Bid-Ask-Spreads oder Handelsvolumina zeigen, wie schnell sich Positionen abbauen lassen, ohne den Marktpreis stark zu bewegen.
Ein weiteres Risiko entsteht durch mangelnde Streuung. Setzt ein Portfolio zu stark auf einzelne Titel, Branchen oder Länder, reichen kleine Ereignisse für große Verluste. Solche Klumpenrisiken lassen sich durch klare Diversifikationsregeln und die regelmäßige Überprüfung der größten Positionen wirksam begrenzen.
Risiken jenseits der Märkte: Währungs-, Inflations- und operationelle Risiken
Wer in Fremdwährungen investiert, geht zusätzliche Risiken ein. Wechselkurse können Gewinne verstärken oder zunichtemachen – unabhängig von der Kursentwicklung der Anlage selbst. Offene Fremdwährungspositionen zeigen, wie stark ein Portfolio von solchen Bewegungen abhängt. Auf dieser Basis entscheiden Portfoliomanager, welche Währungsrisiken sie tragen und welche sie absichern.
Inflation wirkt leise, aber hartnäckig. Steigen die Preise schneller als der Wert eines Portfolios, verliert Vermögen real an Substanz. Dieses Risiko betrifft alle Anleger. Es lässt sich nicht vermeiden, nur einpreisen. Hinweise liefern Inflationsprognosen und marktbasierte Indikatoren wie Breakeven-Raten.
Nicht jedes Risiko entsteht an den Märkten. Fehlerhafte Prozesse, technische Störungen oder menschliches Versagen können ebenso Schäden verursachen wie regulatorische Eingriffe. Solche operationellen Risiken lassen sich kaum quantifizieren. Sie erfordern klare Abläufe, feste Zuständigkeiten und wirksame Kontrollmechanismen.
Risikomanagement als stabilisierender Rahmen
Risiken lassen sich an den Kapitalmärkten weder vermeiden noch abschaffen. Sie sind die Voraussetzung dafür, dass Renditen überhaupt entstehen können. Entscheidend ist, ob sie bewusst eingegangen, verstanden und laufend gesteuert werden – oder ob sie unbeachtet im Portfolio wirken.
Damit bestätigt sich, was Warren Buffett sinngemäß beschreibt: Risiko entsteht nicht durch Marktschwankungen an sich, sondern durch fehlendes Wissen und mangelnde Systematik. Wer Risiken strukturiert managt, muss sie nicht fürchten. Er schafft die Voraussetzung für stabile Entscheidungen – gerade dann, wenn die Märkte unruhig werden.