Loys Capital Kolumne vom 29.09.2026
Ungeachtet der zurecht bestehenden hohen Aufmerksamkeit für KI-Aktien gehören Rohstofftitel zu den besten Aktien des Jahres. Dabei sind die einzelnen Subsektoren sehr unterschiedlich tangiert. Während etwa Raffinerieaktien von den Transportschwierigkeiten in der Straße von Hormus profitieren, lassen sich Kupferaktien von der fortgesetzten Elektrifizierung der Welt beflügeln.
Aber es sind nicht so sehr die Metalle, die in diesem Jahr die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Der Iran-Krieg und die ukrainischen Attacken auf russische Raffinerien haben einmal mehr die Energierohstoffe in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt. Dabei wird viel Wesens um die Preissprünge beim Diesel gemacht. Zuletzt hatte der amerikanische Präsident gedroht, den Export von Diesel aus den Vereinigten Staaten von Amerika zu verbieten. Ziel ist es dabei, die vom 47. Präsidenten der USA losgetretene Preisspirale zum Halten zu bringen. Die stark gestiegenen Dieselpreise verteuern den Transport der meisten Güter und heizen so die Geldentwertung an. Für die Menschen in den USA ist das Thema Inflation vor den Zwischenwahlen im November zum zentralen Diskussionsgegenstand geworden. Während etwa der Preis für Rohöl der Sorte WTI seit Jahresbeginn um 60 % zugelegt hat, sprang der des Dieselkurses an der Termin-Börse um nicht weniger als 130 % in die Höhe. Auch Kerosin hat einen steilen Aufwärtspfad hinter sich, wie viele Reisende anhand der deutlich anziehenden Preise für Flugreisen feststellen konnten.
Unterdessen hat sich bei den amerikanischen Erdgaspreisen Erstaunliches ergeben. Während der Iran-Krieg und die niedrigen Füllstände der Gasspeicher die Kurse für Erdgas in Europa um 150 % anspringen ließen, gaben im gleichen Zeitraum die Notierungen für amerikanisches Erdgas um 12 % nach. Zu erklären ist dies mit der regen heimischen Produktion in den USA und neuen Rohrleitungssystemen, die die Verfügbarkeit von Erdgas deutlich erhöht haben. Zudem sind die Gasspeicher in den USA heuer in saisontypischer Weise befüllt.
Der Iran-Krieg hat auch dem Energieträger Kohle neuen Zulauf verschafft. Angesichts hoher Versorgungssicherheit und der Substitution von Erdöl durch Kohle vor allem in China konnte der Brennstoff um ca. 40 % zulegen. Die flexible und daher kluge Energiepolitik im Reich der Mitte erlaubt es dem Land, opportunistisch beim Einsatz verschiedener Primärenergieträger vorzugehen. Damit verschafft die kommunistische Regierung in Peking der Bevölkerung und der Wirtschaft einen großen Vorteil im Vergleich zu anderen Ländern. In diesem Zusammenhang nimmt man auch mit Interesse zur Kenntnis, dass ein Liter Benzin in China gut einen Euro an der Zapfsäule kostet, ganz ähnlich wie in den USA. In Japan ist Benzin sogar noch günstiger, obwohl das Land selbst kaum über heimische Produktion verfügt.
Turbulent ging es bei Agrarrohstoffen zu. Markante Kursaufschläge waren seit Jahresbeginn bei Soja, Mais und Weizen zu beobachten. Dabei ist zu bedenken, dass die erhöhten Düngerpreise nebst dem gestiegenen Dieselpreis den Anbau der genannten Pflanzenarten deutlich verteuern. Insofern ist fast überraschend, dass die Kursanstiege nicht noch höher ausgefallen sind. Höhere Preise haben sich auch bei Zucker und Gummi gezeigt, wie an den Klagen der Reifenhersteller ersichtlich wird. Auch Baumwolle wurde an den Terminbörsen teurer. Auf eine potenzielle Entlastung können sich derweil Genießer von Orangensaft, Kakao und Kaffee vorbereiten, denn bei diesen Gütern sanken die Kurse seit Jahresanfang. Und wer keinen Zucker in seinen Kaffee schüttet, entgeht zudem dem signifikanten Kursanstieg bei diesem Süßungsmittel.
Aus Chicago
Ihr
Dr. Christoph Bruns