Schwellenländer: Quality Growth im strukturellen Aufwind

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comgest Pressemitteilugn vom 02.07.2026

Im Rahmen der jüngsten DACH-Roadshow von Comgest argumentierte der Schwellenländer-Portfoliomanager der Aktienfondsboutique, Nick Payne, dass aktuell drei makroökonomische Kräfte zusammenwirken und Comgest gut positioniert sein dürfte, um mittels Quality Growth vom strukturellen Aufschwung der Schwellenländer zu profitieren.

Schwellenländeraktien galten über ein Jahrzehnt als die ewig enttäuschte Anlageklasse: starkes Wirtschaftswachstum, schwache Aktienmarktrenditen. Doch das Bild dreht sich. Nick Payne, Portfoliomanager des Comgest Growth Emerging Markets, sieht eine Konstellation, die er für strukturell hält und seit Jahren nicht mehr beobachtet hat. Viele denken bei Schwellenländer-Investments zunächst an China und Indien oder an Unternehmen wie Samsung und TSMC. Payne setzt auch auf andere Namen. Unserer Einschätzung nach sind diese Unternehmen Ausdruck der Quality-Growth-Investitionsphilosophie, die besonders gut zu einem Markt passt, der sich gerade strukturell verändert.

Das alte Missverständnis: Wirtschaftswachstum ist nicht gleich Aktienrendite

Der größte Denkfehler bei Schwellenländerinvestitionen war lange die Gleichsetzung von Wirtschaftswachstum mit Aktienmarktrendite. China ist das prägnanteste Beispiel: Eine Volkswirtschaft, die über Jahrzehnte Hunderte Millionen Menschen aus der Armut geholt hat und dennoch über 20 bis 30 Jahre hinweg kein attraktiver Aktienmarkt war1. Der Grund liegt in der Gewinnentwicklung je Aktie (Earnings per Share, EPS). Langfristig ist es dieses Maß, das Märkte bepreisen. Zu viele Schwellenländerunternehmen haben das enorme Wachstumspotenzial ihrer Heimatmärkte nicht in überdurchschnittliches EPS-Wachstum übersetzt, weil sie einem „Wachstum-um-jeden-Preis-Ansatz“ gefolgt sind statt einer auf Aktionärsrendite ausgerichteten Kapitalallokation2.

Drei strukturelle Kräfte wirken jetzt zusammen

Was Payne heute beobachtet, geht über eine kurzfristige Erholung hinaus. Drei Faktoren wirkten jahrelang als Gegenwind und kehren sich seiner Ansicht nach nun um.

Erstens: der US-Dollar. Die Performance der Schwellenländer ist langfristig invers mit dem Dollar korreliert. Fiskalische Defizite von rund 7 % und eine wachsende Abhängigkeit der USA von ausländischem Kapital dürften den Dollar mittelfristig unter Druck setzen3, das bedeutete historisch stets Rückenwind für Schwellenländeraktien.

Zweitens: fiskalische Disziplin. Während Industrieländer im Zuge der COVID-Pandemie Konjunkturpakete im Umfang von durchschnittlich rund 12 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP) aufgelegt haben, blieben Schwellenländer mit rund 4 % des BIP erheblich zurückhaltender.4 Das Ergebnis: gesündere Staatsbilanzen, niedrigere Inflationsrisiken und eine strukturell bessere Ausgangslage.

Drittens - und für Payne der entscheidende Faktor: steigende Eigenkapitalrenditen. Der durchschnittliche Return on Equity (ROE) im MSCI Emerging Markets Index lag über ein Jahrzehnt strukturell unter dem US-Niveau. Payne geht davon aus, dass dieser innerhalb von zwei bis drei Jahren um mehrere Prozentpunkte steigen könnte – historisch neigten aus unserer Erfahrung Aktienkurse dazu, solchen Trendwenden zu folgen. „Wir erleben einen Wendepunkt bei der Eigenkapitalrendite in den Schwellenländern: Der letzte vergleichbare Zyklus war von 2002 bis 2007.

Er basierte auf einem fundamentalen Aufschwung und viele Anleger werden sich an diesen großen Schwellenländer-Bullenmarkt erinnern“, so Payne.

Untergewichtet – und das mit gutem Grund, der nun wegfällt

Bei einem typischen globalen Anleger machen Schwellenländer derzeit etwas mehr als 5 % des Portfolios aus5 – gegenüber einem Gewicht von rund 11 bis 12 % im MSCI All Country World Index. Diese Untergewichtung war in den vergangenen 15 Jahren vertretbar, da strukturelle Gegenwinde die Anlageklasse belasteten. Payne ist überzeugt, dass sich dieser Gegenwind nun in Rückenwind verwandelt. Auslöser für eine breitere Neuallokation wäre aus seiner Sicht der Moment, in dem Schwellenländerunternehmen in der Breite beginnen, ihre Kapitalrenditen nachhaltig zu verbessern. Erste Signale dafür sieht Comgest seit 2025.

Quality Growth als Kompass in veränderten Märkten

Dieses Umfeld bietet aus Sicht von Comgest einen guten Nährboden für die Quality-Growth-Investitionsphilosophie. So setzt das Team für Schwellenländeraktien rund um Nick Payne auf Unternehmen, die drei Kriterien erfüllen: Sie schaffen wirtschaftlichen Mehrwert für ihre Aktionäre, verfügen über nachhaltige Wettbewerbsvorteile – einen Burggraben, der Imitation abwehrt – und reinvestieren ihren freien Cashflow in weiteres Wachstum. Nach Einschätzung von Comgest erfüllen rund 80 % der Schwellenländerunternehmen diesen ersten Test nicht.

Das Portfolio ist über Sektoren und Themen diversifiziert. Im Bereich KI-Infrastruktur zählen dazu beispielsweise taiwanesische Zulieferer wie Aspeed Technology, spezialisiert auf Steuerungschips für Server, und Delta Electronics, das Rechenzentren mit Stromversorgungs- und Kühllösungen beliefert und kontinuierlich in Forschung und Entwicklung investiert. Aus Sicht von Comgest Beispiele für einen nachhaltig verteidigten Wettbewerbsvorteil. Zum Beispiel Aspeed Technology: Das Unternehmen aus Taiwan hält mit einem Marktanteil von rund 70 % eine Quasi-Monopolstellung im globalen Markt für Baseboard Management Controller (BMC).6 Diese spezialisierten Mikrocontroller, verbaut auf dem Mainboard jedes Servers, laufen unabhängig vom Hauptprozessor und ermöglichen Rechenzentrumsbetreibern, Server aus der Ferne zu überwachen, zu starten und zu warten, selbst bei ausgeschaltetem oder abgestürztem System. Ohne BMC kein Fernzugriff, ohne Fernzugriff kein skalierbares Rechenzentrum.

Im Finanzbereich meidet Comgest in entwickelten Märkten tendenziell Banken, da sie stark vom Zinsniveau, der Konjunkturentwicklung und von Regulierungen abhängig sind. In Schwellenländern, wo Millionen Menschen noch immer ohne Bankzugang sind, wirken andere Treiber im Bankgeschäft. Hier investiert Comgest selektiv, etwa in digitale Banken wie Capitec aus Südafrika, die mit stark vereinfachten Produkten und niedrigen Gebühren auf Privatkunden und kleine Unternehmen zielen und so neue Kundengruppen erschließen, die zuvor kaum Zugang zu Finanzdienstleistungen hatten.

„Aktienkurse folgen langfristig dem Gewinnwachstum und der Wertschöpfung. Genau das erwarten wir längerfristig auch für die Schwellenländer“, fasst Payne zusammen.

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Fußnoten
1 www.morningstar.com/columns/rekenthaler-report/chinese-stocks-what-went-wrong
2 am.jpmorgan.com/de/en/asset-management/institutional/insights/portfolio-insights/research-report/why-emerging-markets-have-more-room-to-run/
3 CBO 2024; IWF Artikel-IV-Konsultation mit den USA, April 2026.
4 IWF Working Paper WP/21/262, 2021; BIS Bulletin Nr. 23, 2020; CEPR, 2023.
5 www.globalxetfs.com/articles/emerging-market-equities-assessing-potential-exposure
6 Taipei Times, 16. November 2024; Aspeed Technology Investor FAQ, aspeedtech.com  

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