TBF SMART POWER – Energieanforderungen im globalen Kontext

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TBF Beitrag vom 30.03.2026

Das globale KI-Rennen hat begonnen. Was einst nach Science-Fiction klang, ist heute Realität: Länder treten gegeneinander an wie Spieler in einem Videospiel, jeder mit seiner eigenen Strategie, um die nächste Stufe zu erreichen. Aber ein Preis muss bezahlt werden – nicht nur in Form von Forschung und Kapital, sondern vor allem in Form von Energie. Wer die schnellsten Modelle trainieren will, muss die Stromversorgung aufrüsten, Netze stabilisieren und neue Kapazitäten schaffen.

USA: Ready Player One

Unvergessen bleibt der Moment, als erkannt wurde, dass schneller, und vor allem dringlich, mehr Energie nötig wird. Biden und Trump erließen umgehend Anordnungen, die den Ausbau des Stromnetzes sowie die Bereitstellung der benötigten Energie zum Ziel hatten. Die USA möchte die Genehmigungszeiten für große Stromabnehmer auf bis zu 60 Tage verkürzen, um den Ausbau zu beschleunigen. Die Voraussetzung: Kapazitäten müssen von den Unternehmen selbst aufgebaut werden. Diese Projekte setzen die Unternehmen – im eigenen Interesse – um: Die Nachfrage beschleunigt sich, sodass Gasturbinen über einige Jahre hinweg bei den großen Anbietern ausverkauft sind. Kleinere Turbinen dienen als Notlösung, Erneuerbare Energien oder Batterien profitieren zudem von dem Aspekt, dass sie schnell und kostengünstig aufzubauen sind. Die US-Unternehmen investieren, der Netzausbau wird adressiert, es kann von „Hochspannung“ im System gesprochen werden.

Japan: Ready Player Two

Von der Künstlichen Intelligenz möchte auch Japan profitieren. Die demographische Lage und die eher niedrige Effizienz / Digitalisierung der lokalen Unternehmen drängen dazu, ein ähnliches Vorgehen zu wählen, wie es die Trump-Administration in den USA vorgemacht hat. In Japan wird seit der neuen Premierministerin Sanae Takaichi von den „Sanaenomics“ gesprochen. Sie lehnen an die Abenomics unter Shinzo Abe an, erinnern aber auch stark an die US-Agenda: Japans Wettbewerbsfähigkeit soll durch gezielte Investitionen und Deregulierung steigen. Massive staatliche Förderung der lokalen Produktion und der Aufbau von Rechenzentren sind Kernpunkte und haben zur Folge, dass Kernenergie in Japan eine Renaissance erhält.

China: Ready Player Three

China lancierte bereits 2022 die Initiative „Eastern Data, Western Computing“. Damit wurde beabsichtigt, KI-Modelle im Landesinneren (Westen) zu trainieren. Somit sollten die Trainings-Rechenzentren von günstiger Energie profitieren, da es in der Inneren Mongolei, Ningxia oder Gansu genügend Platz und gute Bedingungen für Kraftwerke gibt. Für höhere Anforderungen an die Schnelligkeit der KI-Anwendung (Latenz), sollten Rechenzentren nahe der Ballungszentren ausgebaut werden. 2022 war China jedoch etwas zu früh, sodass mittlerweile ein Nachfolgeprogramm entstand, welches KI in die Anwendungsfelder bringt. Ähnlich zu den USA investieren nun auch in China die führenden Technologie-Unternehmen in KI und profitieren von der steigenden Nachfrage seitens der Unternehmen.

Europa: Player Four - Bitte Münzen einwerfen.

In Europa sind die Voraussetzungen etwas schwieriger: Kein eigenes Erdgas wie Nordamerika, weniger freie Flächen als China oder die USA, weniger Erfahrung mit Kernkraft als Japan. Also ist nachvollziehbar, dass die Blickrichtung auf unabhängige Energielösungen geht. Aber auch dafür muss die Strominfrastruktur angepasst werden, sonst wächst das Risiko der Instabilität. Optimistisch machen die europäischen Netzengpässe und die national unterschiedlichen Interessen nicht. Europas Rolle in diesem Wettkampf war bisher nicht, die Entwicklung der besten KI-Modelle zu gestalten. Zum einen fehlt dafür die Infrastruktur und das Geld. Und der Vorsprung jenseits des Atlantiks ist zu groß. Aber die Anwendung der Modelle für die Industrie und andere Dienstleistungssektoren könnte angedacht werden. Zumindest die nötigen Ideen und Maschinen für den Ausbau der jeweiligen Energieinfrastruktur könnte aus Europa heraus erfolgen.

Während die ersten Level von den USA, Japan und China dominiert werden, steht Europa vor der Herausforderung, mit begrenzten Ressourcen mitzuspielen. Eines ist klar: Ohne Energie kein Fortschritt, ohne Infrastruktur kein Zugang zum nächsten Level.

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