DPAM Kommentar von Bruno Lamoral vom 15.04.2026
Im Vergleich zur Situation vor dem Angriff auf den Iran besteht auf dem Weltmarkt eine Unterversorgung von rund 10 Millionen Barrel pro Tag. Bruno Lamoral, Portfoliomanager Institutional Mandates bei DPAM, erläutert, was das für die zukünftigen Preise bedeutet:
Bei der derzeitigen Geschwindigkeit des Bestandsabbaus könnte der Ölpreis auf bis zu 160 US-Dollar pro Barrel steigen, sollte die Meerenge von Hormus bis Ende April geschlossen bleiben. Die Auswirkungen reichen jedoch weit über Rohöl und Gas hinaus. Besonders empfindlich reagieren die Märkte für Diesel und Flugkraftstoff. Petrochemikalien und Düngemittel sind ebenfalls betroffen, wobei die Ammoniak- und Urea-Märkte stark vom Erdgas abhängen. Auch die Heliumversorgung, ein wesentlicher Bestandteil der Chipherstellung, ist gestört.
Dieser breit angelegte Schock erhöht das Risiko von Inflations-Sekundäreffekten. Deshalb haben Anleihen im aktuellen Umfeld Schwierigkeiten, als sicherer Hafen zu fungieren. Sollte die Disruption anhalten, könnte der Inflationsschock über eine sinkende Nachfrage in einen Wachstumsschock münden. Eine solche stagflationäre Dynamik würde die Zentralbanken zu schwierigen geldpolitischen Kompromissen zwingen.
Bleibt es bei der kürzeren Unterbrechung, würden die Ölpreise allmählich auf ein Niveau um 80 US-Dollar zurückkehren, sobald die Straße von Hormus wieder geöffnet ist. In diesem Fall blieben die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen überschaubar. Die USA könnten zu einem disinflationären Boom zurückkehren, Europa würde eine Rezession vermeiden. Sowohl Fed als auch EZB haben Zeit, zu beurteilen, welches Szenario eintritt; die nächsten geldpolitischen Sitzungen sind für Ende April angesetzt. Vorerst warten beide ab. Da es sich eher um einen Angebotsschock als um eine nachfragegetriebene Inflation handelt, dürften die politischen Entscheidungsträger weniger geneigt sein, die Geldpolitik weiter zu straffen, um eine Inflation zu bekämpfen, die sie nicht direkt steuern können.