Unreflektierte Stewardship: Echter Einfluss ist mehr als eine reine Pflichtübung

Schroders "In Focus" vom 06.02.2024

Die Glaubwürdigkeit von Fondsmanagern sollte nicht nur an deren Abstimmungsverhalten gemessen werden. Im Herzen einer guten Stewardship stehen fundierte Gespräche mit Unternehmensleitungen.

Der anfängliche Enthusiasmus rund um Investitionen nach Umwelt-, Sozial- und Governance-Aspekten (ESG) scheint verflogen. ESG ist unterdessen auch Gesprächsthema bei den geplanten Reformen des britischen Finanzplatzes und dessen Wettbewerbsfähigkeit.

London genießt den Ruf eines Vorreiters in Sachen Corporate Governance, wobei der Unternehmensführungskodex des Landes als "Goldstandard" der Marktpraxis gilt. Der Financial Reporting Council erkennt mit seiner jüngsten Revision des Kodex an, wie wichtig es ist, einen Ausgleich zwischen diesen hohen Standards und der Notwendigkeit einer effektiven Unternehmensleitung zu schaffen.

Allgemeiner betrachtet werden derzeit die unbeabsichtigten Konsequenzen des Stewardship-Regimes thematisiert. Könnte der Ansatz Großbritanniens für britische Investoren den Zugang zu weltweit erstklassigen Unternehmen künftig tatsächlich erschweren? Könnten sich damit die Chancen für Unternehmen verringern, das von ihnen benötigte Kapital zu erlangen?

Eine 2022 unter Verwaltungsratsvorsitzenden der im FTSE 100 enthaltenen Unternehmen durchgeführte Befragung hinterließ einen verheerenden Eindruck über die Beziehungen zwischen Unternehmen und institutionellen Anlegern. Der Konsens lautete, dass Engagement "nicht mehr funktioniere". Vermögensverwalter wurden beschuldigt, Stewardship und Abstimmungsverhalten lediglich als Pflichtübung abzuhaken.

Demnach wurde eine Diskrepanz zwischen der Herangehensweise von einigen Vermögensverwaltern beim Thema Stewardship und den Wünschen und Bedürfnissen von Verwaltungsräten in Bezug auf die Aktionäre identifiziert. Vermögensverwalter stehen zunehmend unter Druck, ihren Kunden, Nichtregierungsorganisationen, den Medien und anderen zu zeigen, dass sie Unternehmen bei Themen wie der Klimakrise zur Rechenschaft ziehen. Die Möglichkeit, auf ein konträres Abstimmungsverhalten zu verweisen, das sich durch eine hohe Zahl von Abstimmungen gegen die Empfehlungen des Verwaltungsrats oder eine starke Unterstützung unabhängiger Aktionärsanträge auszeichnet, wird in einigen Kreisen als Maßstab für eine gute Unternehmensführung gesehen.

Ein damit zusammenhängender Trend ist die wachsende Bedeutung passiver Anlagen auf dem britischen Markt (inzwischen fast ein Drittel des britischen Aktienbesitzes), was zu Großaktionären geführt hat, denen es manchmal an einem guten Verständnis der von ihnen gehaltenen Unternehmen mangelt. Indem sie zu viel Wert darauf legten, Stewardship-Aktivitäten über ihr Abstimmungsverhalten zu belegen, wurden institutionelle Anleger unter Umständen von dringlicheren Sachverhalten abgelenkt. Für einige verkommt Stewardship so zur bloßen Zurschaustellung von Tugendhaftigkeit – oder zu dem, was wir als "unreflektierte Stewardship" bezeichnen.

Echte Stewardship sieht anders aus. So kann Schroders als Großaktionär vieler Unternehmen nicht jeden Aktionärsantrag zum Klimawandel als Stellungnahme zu unserer allgemeinen Haltung gegenüber diesem Thema behandeln. Wir denken über Beschlüsse im Kontext des jeweiligen Unternehmens und unseres Engagements gegenüber diesem Unternehmen nach. Bringt dieser Beschluss einen Mehrwert und bietet er wirklich den besten Lösungsansatz für das betreffende Unternehmen?

Richtig ist, dass Stewardship- und Abstimmungsaktivitäten genau unter die Lupe genommen werden, zumal die Fähigkeiten von Anlageverwaltern in Bezug auf ESG zunehmend als Differenzierungsmerkmal gelten. Ebenfalls wichtig ist aber, die Qualität der Stewardship danach zu beurteilen, dass eine solide Analyse der Probleme sowie konstruktive Beziehungen zu den Unternehmen gefördert werden.

Oftmals wäre es für die Anlageverwalter einfacher, sich nicht aus dem Fenster zu lehnen und ihr Abstimmungsverhalten mit dem einflussreicher externer Organisationen abzustimmen. Schroders hat in der Vergangenheit in Bezug auf einzelne Beschlüsse Positionen bezogen, die der öffentlichen Meinung zuwiderliefen. Die Abstimmungsergebnisse sind der Öffentlichkeit zugänglich und werden immer häufiger in Augenschein genommen, was unangenehm sein kann. Allerdings ist die Sache an sich von einer solchen Relevanz, dass wir bereit sind, dafür den Kopf hinzuhalten.

Wie sieht es mit den eigentlichen Eigentümern der Aktien, den Anlegern, aus?

Den Eigentümern kommt eine wesentliche Bedeutung zu, denn die Manager investieren ihr Kapital in ihrem Auftrag. Deren Mandat lautet wiederum, langfristige und nachhaltige Renditen zu erzielen. Bei Schroders sprechen wir das ganze Jahr über mit unseren Kunden über ihre Prioritäten bei Abstimmungen und Engagement und führen jährliche Umfragen zu ihren Ansichten durch, wobei wir ihre Sichtweisen so weit wie möglich einbeziehen.

Problematisch wird es bei unreflektierter Stewardship, bei der Aktionäre eher zum Schein agieren, an wirklich nachhaltigen Änderungen aber nicht interessiert sind. Einer reflektierten Stewardship, wie sie von vielen langfristig orientierten, aktiven Anlegern praktiziert wird, kommt dagegen bei der Unterstützung von Unternehmen eine wichtige Rolle zu, damit diese auf effektive Weise ein wettbewerbsfähiges Geschäft aufbauen können. Diese Form von Stewardship unterstützt wiederum die Gesundheit von "UK PLC" und deren Investoren.
 

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