Flossbach von Storch Kommentar vom 23.09.2026
von Philipp Immenkötter
Der Vermögensaufbau privater Haushalte lebt von der kontinuierlichen Investition in Sach- und Finanzwerte. Die Fähigkeit dafür hängt von den Preisen von Sach- und Finanz werten ab, die Schwankungen unterliegen und von der Inflation beeinflusst werden.
Der Vermögenspreisindex für Italien misst die Entwicklung der Kosten der Vermögensbildung für private italienische Haushalte. Der Preisindex wird als gewichteter Durchschnitt der Preisentwicklung des Sachvermögens (Immobilien, Betriebsvermögen, langlebige Konsumgüter und Sammel- und Spekulationsgüter) und des Finanzvermögens (Aktien, Anleihen, Sparguthaben und sonstige finanzielle Vermögenswerte), das sich im Eigentum der privaten Haushalte befindet, berechnet. Immobilien sind das größte Vermögensgut der italienischen Haushalte und machen 63 Prozent ihres Gesamtvermögens aus.
Der Vermögenspreisindex dokumentiert eine sinkende Kaufkraft der italienischen Privathaushalte für Vermögensaufbau und Altersvorsorge. In den letzten sechs Jahren sind die Vermögenspreise in Italien um 32% gestiegen, was bedeutet, dass die Haushalte jetzt 32 % mehr für die gleichen Investitionen ausgeben müssen wie zuvor. Im Vergleich zu anderen Ländern der Eurozone, wie Deutschland und Spanien, ist der langfristige Anstieg zwar geringer, der größte Teil des Preisanstiegs fand jedoch innerhalb der letzten sechs Jahre statt, was auf einen beschleunigten Anstieg der Vermögenspreise hindeutet.
Die Entwicklung der Vermögenspreise wird wesentlich durch Wirtschaftswachstum, fiskalpolitische Impulse und geldpolitische Rahmenbedingungen geprägt. Während die Stagnation der italienischen Wirtschaft die Vermögenspreisinflation mehr als ein Jahrzehnt lang niedrig hielt und es keine Steigerung der Reallöhne gab, heizte die italienische und europäische Industrie- und Förderpolitik im Zuge der Coronakrise die Vermögenspreisinflation in Italien an. Beträchtliche Staatsausgaben wie der Superbonus, gestützt durch den NextGeneration EU-Fonds, trieben die Preise für Immobilien und Betriebsvermögen in die Höhe. Da das Wirtschaftswachstum und die Reallöhne in Italien mit diesem Anstieg nicht Schritt halten konnten, wurde die Möglichkeit der privaten italienischen Haushalte, Vermögen aufzubauen, erheblich eingeschränkt. Hohe Staatsausgaben haben die Vermögensungleichheit also weiter verschärft.
Das vergangene Jahrzehnt der hohen Vermögenspreisinflation in Deutschland und Spanien hat gezeigt, wie es zu einer Verstärkung der Vermögensungleichheit zwischen privaten Haushalten kommt. Ein wachsender Teil der Bevölkerung kann sich keine Immobilien mehr leisten oder nicht mehr angemessen in die Altersvorsorge investieren, wobei junge und einkommensschwache Haushalte besonders betroffen sind. Deutschland und Spanien geben einen Vorgeschmack auf das, was Italien bevorstehen könnte, wenn die die Preise von Sach- und Finanzvermögen weiter steigen, aber das Wirtschaftswachstum ausbleibt und die Reallöhne weiter stagnieren.