DWS Anlagethemen vom 19.02.2026
Deutsche Anleger richten ihren Fokus traditionell auf den europäischen Aktienmarkt und die USA. Es könnte sich aber lohnen, den Blick auf Japan und weitere nordasiatische Länder zu weiten. Eine Einordnung von Fondsmanagerin und Japan-Expertin Lilian Haag.
Bei den Unterhauswahlen Anfang Februar hat die Liberaldemokratische Partei von Premierministerin Sanae Takaichi überraschend eine Zweidrittelmehrheit erzielt und die Börse euphorisch reagiert. Warum?
Takaichi hat aufgrund des Wahlergebnisses einen gewaltigen Gestaltungsspielraum, denn im Zweifel kann sie damit auch gegen das Oberhaus durchregieren. Diese starke Machtbasis freut die Börse. Denn Takaichi hat eine Politik der Stärkung der heimischen High-Tech-Industrie im Wettbewerb mit China angekündigt.
Japan ist mit 32 Prozent in dem Fonds DWS ESG Top Asien sehr hoch gewichtet. Warum?
Tatsächlich ist Japan im Vergleich zur Benchmark MSCI Asia Pacific1 nur leicht übergewichtet. Das Land überzeugte kürzlich mit positiven Gewinnrevisionen. Allerdings stellte die abwertende Währung einen Gegenwind für Euro-Anleger dar. Die Aussichten dürften meiner Meinung nach aber gut sein. Die amtierende Premierministerin Sanae Takaichi verfolgt eine wirtschaftsfreundliche Politik und ist um gute Beziehungen zum Haupthandelspartner USA bemüht. Die Rüstungsindustrie bekommt ebenfalls Rückenwind durch erhöhte Ausgaben. Das Ziel wurde von zuletzt 1,4 auf zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts erhöht. Dazu kommt die erwartete positive Entwicklung beim Gewinnwachstum, das unserer Einschätzung nach 2026 auf 11 Prozent zulegen dürfte. Und ein weiterer, für Anleger positiver Aspekt: Die Dividendenausschüttungen und die Rückkäufe eigener Aktien haben dank verbesserter Corporate Governance – Grundsätze der Unternehmensführung – deutlich zugenommen.
Welche Bedeutung hat der schwache Yen für den Erfolg japanischer Unternehmen?
Der schwache Yen unterstützt das positive Gewinnwachstum der exportorientierten japanischen Industrie. Die Schwäche könnte so bleiben, aber eine weitere Abwertung könnte zum Konflikt mit den USA führen, da es die japanischen Waren dort noch wettbewerbsfähiger macht. Ein zweiter Aspekt: Die japanischen Importe von Energie, Rohstoffen und Nahrungsmitteln verteuert ein schwacher Yen ungemein, mit negativen Folgen für die Inflation.
Welches scheinen derzeit die größten Risiken in Japan zu sein?
Eine rasche Yen-Aufwertung könnte das Gewinnwachstum der Exportunternehmen schmälern, ein Rückgang der derzeit angemessenen Inflation von 2,5 bis 3,0 Prozent das Wachstum des nominalen Bruttoinlandsprodukts wieder bremsen. Sollten die Spannungen mit China weiter zunehmen, könnte dies zu weiteren Restriktionen mit diesem für Japan wichtigen Handelspartner führen.
„Auch für Japan bleiben wir positiv gestimmt. Dieser Markt scheint derzeit attraktiv dank der wirtschaftsfreundlichen Politik des schwachen Yens, der Rückkehr der Inflation, und der zunehmend aktionärsfreundlichen Ausrichtung der Unternehmensführung.“
Lilian Haag, Fondsmanagerin und Japan-Expertin
Wie ist die Einschätzung für die anderen asiatischen Aktienmärkte, gerade im Vergleich zu den USA und Europa?
Südkorea und Taiwan überzeugen mit hohem Gewinnwachstum dank ihrer Industriestruktur, die ein hohes Gewicht an Hightech-Unternehmen aus den Branchen Speicherchips, künstliche Intelligenz sowie deren Zulieferer aufweisen.
Wie ist die Einschätzung für die Aktienmärkte in China und in Indien?
In China sollte man bei der Auswahl der Unternehmen sehr selektiv sein. Interessant sind unserer Ansicht nach ausgewählte Tech- und Kommunikationswerte und Unternehmen, die in den Aufbau einer autonomen Halbleiterproduktionsinfrastruktur involviert sind. Im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) gibt es Unternehmen, die eigene, hochkarätige sogenannte Large-Language-Modelle entwickelt haben. Indien hat dank seiner jungen und wachsenden Bevölkerung großes Potenzial, was zukünftigen Konsum angeht. Zudem punktet das Land als alternativer Produktionsstandort zu China. Allerdings gibt es auch einige Wermutstropfen. Der indische Markt ist sehr hoch bewertet mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von über 22, gemessen am MSCI Indien.2 Zudem fehlt ihm das KI-Thema, das derzeit die Börsen treibt. Allerdings kann man dem auch eine positive Seite abgewinnen, falls man einen Ausgleich zu dem Trendthema KI sucht: Indien ist ein sehr binnenwirtschaftlich getriebener Markt, der nicht mit dem Thema KI korreliert.
Was könnte für eine Anlage in Aktien in aufstrebende asiatische Länder sprechen – Stichwort: Alternative zu US-lastigen Portfolios oder auch Vermeidung von Klumpenrisiken im MSCI Welt?
Wir sehen bei Aktien aus aufstrebenden Volkswirtschaften in Asien erhebliches Potenzial. Hier überzeugen uns derzeit vor allem die nordasiatischen Märkte mit zukunftsträchtigen Technologien und viel Bezug zum Thema KI. Auch für Japan bleiben wir positiv gestimmt. Dieser Markt scheint derzeit attraktiv dank der wirtschaftsfreundlichen Politik des schwachen Yens, der Rückkehr der Inflation, und der zunehmend aktionärsfreundlichen Ausrichtung der Unternehmensführung. Andererseits ist der Markt aber auch nicht mehr günstig bewertet. Ein Rücksetzer könnte daher eine gute Einstiegsgelegenheit sein.