Flossbach von Storch Studie vom 28.09.2026
von Philipp Immenkötter & Gian-Luca Siemon
Familienunternehmen machen 88 Prozent aller Unternehmen in Deutschland aus, stellen rund 58 Prozent der privatwirtschaftlichen Arbeitsplätze und erwirtschaften 46 Prozent des privatwirtschaftlichen Umsatzes (Stiftung Familienunternehmen 2025). Jedoch stehen Familienunternehmer zunehmend vor einem Problem, da die Unternehmer älter werden und die Nachfolge häufig nicht gesichert ist. Nach Erhebungen des ifo Instituts und der Stiftung Familienunternehmen planten im Jahr 2023 rund 43 Prozent der Familienunternehmen in den darauffolgenden drei Jahren eine Nachfolge (Garnitz et al. 2023).
Familienunternehmen zeichnen sich durch den bestimmenden Einfluss der Eigentümerfamilie aus, die die Anteile am Unternehmen hält und es meist auch selbst führt. Aus der engen Verbindung von Familie und Betrieb erwächst für eine Unternehmerfamilie ein nicht-finanzieller, ideeller Wert, der als sozioemotionales Vermögen bezeichnet wird (Gómez-Mejía et al. 2007). Um dieses sozioemotionale Vermögen über Generationen zu erhalten und auszubauen, streben Unternehmerfamilien in der Regel eine familieninterne Nachfolge an (Berrone et al. 2012; Schwartz 2026).
Doch die präferierte familieninterne Nachfolge ist in den vergangenen Jahren zunehmend unter Druck geraten. 49 Prozent der von den IHKs beratenen Unternehmer geben an, dass sie keinen passenden Nachfolger für ihr Unternehmen finden (DIHK 2025). Die KfW zeigt, dass der Anteil von familieninternen Übergaben an allen Unternehmensübergaben von 2016 bis 2019 um 7 Prozentpunkte von 41 Prozent auf 34 Prozent gefallen ist (Leifels 2020). Während der Wunsch nach einer Übergabe innerhalb der Familie stabil ist, entsteht eine Lücke auf der Seite der nachfolgenden Generation. Diese legt mehr Wert auf Eigenverantwortung und Selbstbestimmung, weshalb die potenziellen Nachfolger sich aus dem Automatismus der Familiennachfolge zu lösen scheinen. Zudem verschärft die demografische Entwicklung die Lage. Der Verkauf des Familienunternehmens wird daher für einen großen Teil der Unternehmer zur Ausweichlösung.
Mit einem Verkaufsanliegen begibt sich ein Inhaber auf einen professionalisierten Markt für Unternehmenstransaktionen. Dieser Markt umfasst nach einer Schätzung von PwC ein jährliches Transaktionsvolumen in Deutschland von etwa 135 Mrd. Euro. Der Verkäufer trifft dort auf unterschiedliche Käufergruppen wie strategische Käufer, Finanzinvestoren oder private Käufer, die sich in ihren Zielsetzungen unterscheiden.
Am beobachtbaren Transaktionsmarkt sind etwas mehr als 60 Prozent der Erwerber strategische Käufer, während Finanzinvestoren (meist Private Equity) etwa 40 Prozent ausmachen. In der Theorie ist die Zahlungsbereitschaft der strategischen Erwerber höher als die der Finanzinvestoren, weil strategische Erwerber Synergien realisieren können (Baldi / Salvi 2022). Im Gegensatz dazu zeigt sich in den vergangenen Jahren, dass Finanzinvestoren eine höhere Zahlungsbereitschaft hatten (Argos Wityu / Epsilon Research 2026). Zu Beginn des Jahres 2026 waren Finanzinvestoren bereit, 10x EBITDA zu bezahlen, während strategische Erwerber nur 7,8x EBITDA zahlten. Ein Grund hierfür sind die derzeit hohen verfügbaren nichtinvestierten Mittel (Dry Powder) der Private Equity Fonds.
Eine Transaktion am Unternehmensmarkt kann sich über mehrere Jahre erstrecken, weil die Übergabe komplex und mit Unwägbarkeiten verbunden ist. Der Transaktionsprozess ist daher auf einen schrittweisen Abbau von Informationsasymmetrien ausgelegt. Für Unternehmerfamilien ist deshalb eine adäquate Vorbereitung auf den Transaktionsprozess wichtig.