Zwischen KI-Narrativen und Value-Rally: Wo Qualität wieder attraktiv wird

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comgest Pressemitteilung vom 05.03.2026

Fiskalimpulse, ein volatiles KI-Narrativ und niedrige Credit Spreads haben 2025 zu hoher Liquidität und einer gestiegenen Risikobereitschaft an den Börsen geführt. Vor allem Value-Titel und Aktien mit KI-Bezug haben davon profitiert. Mark Schumann, Fondsmanager für europäische Aktien bei der Fondsboutique Comgest, kann dieser Fokussierung der Anleger durchaus etwas abgewinnen, denn sie eröffnet attraktive Einstiegsmöglichkeiten bei Qualitätsaktien.  

Qualität, Wachstum und Substanz sind an den Kapitalmärkten keine konstanten Größen, sondern unterliegen Zyklen. Historisch gesehen: Phasen, in denen kurzfristige Trends, Liquidität und Narrative dominieren, wechseln sich mit Perioden ab, in denen Fundamentaldaten und strukturelle Stärke wieder an Bedeutung gewinnen. In einer solchen Übergangsphase sieht Comgest aktuell den europäischen Aktienmarkt.

2025 war ein außergewöhnliches Börsenjahr, in dem klassische Qualitäts- und Wachstumsaktien trotz stabiler Fundamentaldaten zeitweise deutlich hinter Value-Titeln zurückblieben. Der Bewertungsunterschied zwischen Value- und Qualitäts- bzw. Growth-Aktien in Europa lag zeitweise bei über 20 Prozent. „Hinter dieser Entwicklung verbergen sich jedoch einige Besonderheiten“, erklärt Mark Schumann, Portfoliomanager bei Comgest. „Ein Blick auf den MSCI Europe zeigt: Die Performance von 19 Prozent im vergangenen Kalenderjahr wurde zu 75 Prozent von Bewertungsausweitungen getragen, steigende Unternehmensgewinne steuerten lediglich 10 Prozent bei.“ Angesichts der hohen Kursniveaus wächst die Nervosität, wie die Turbulenzen bei Softwareaktien gezeigt haben.

Kurs- von Gewinnentwicklung abgekoppelt

Vor diesem Hintergrund sind verstärkt klassische Industrien mit stabilen Fundamentaldaten gefragt. Mark Schumann sieht darin den Ausgangspunkt für eine Neubewertung von Qualität und strukturellem Wachstum. Gleichzeitig hat sich die Kursentwicklung von Qualitätsaktien deutlich von ihrer Gewinnentwicklung abgekoppelt und genau das eröffnet selektiv günstige Einstiegsgelegenheiten für langfristige Anleger.

„Wenn Bewertungen nicht mehr durch Gewinne, sondern durch Stimmung getrieben werden, entstehen Verzerrungen“, sagt der Comgest-Experte. „Solche Phasen sind nicht neu, sie schaffen aber regelmäßig Situationen, in denen Qualität vom Markt übersehen wird.“

Für Comgest sind Qualität und langfristiges Wachstum untrennbar miteinander verbunden. Hohe Markteintrittsbarrieren, Preissetzungsmacht, skalierbare Geschäftsmodelle, überdurchschnittliche Kapitalrenditen, stabile Cashflows und solide Bilanzen bilden die Grundlage für strukturelles Wachstum – unabhängig von kurzfristigen Konjunkturzyklen.

Entsprechend betont Mark Schumann: „Langfristig sind es nicht Bewertungsmultiplikatoren oder Marktstimmungen, die Aktienkurse treiben. Bewertungsniveaus sind volatil, Dividenden vergleichsweise stabil, entscheidend für die nachhaltige Wertentwicklung sind vielmehr die künftigen Erträge der Unternehmen.“

Europas Unternehmen profitieren von KI-Einsatz

Schumann sieht Stärken in Europa etwa im Bereich Künstlicher Intelligenz: „Die Bewertungen vieler US-Unternehmen wurden lange durch KI-Fantasien getrieben. Nun rückt bei Investoren eher die Frage in den Mittelpunkt, wie mit KI tatsächlich Geld zu verdienen ist. Und wenn es um konkrete Erträge und Wachstum durch den produktiven Einsatz von KI-Lösungen geht, überzeugen auch Unternehmen aus Europa.“

Wie etwa ASML: Das niederländische Unternehmen ist weltweit führender Anbieter von Lithographiesystemen für die Halbleiterindustrie. Das französische Unternehmen Schneider Electric wiederum spielt eine zentrale Rolle bei der Ausstattung von Rechenzentren. Beide Unternehmen zählen zu den „Enablern“ der Künstlichen Intelligenz und profitieren strukturell von dieser Entwicklung.

Darüber hinaus nutzen europäische Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen Künstliche Intelligenz zunehmend, um Mehrwert für ihre Kunden zu schaffen. Softwareunternehmen wie SAP oder der Augenoptikkonzern EssilorLuxottica integrieren KI in ihr Produkt- und Dienstleistungsangebot und verhelfen ihren Kunden damit zur Produktivitätssteigerung. Und RELX, Anbieter von Online-Datenbanken für den Rechts- und Finanzbereich, bietet mit „Lexis+AI“ eine KI-basierte Lösung an, die juristische Fragestellungen in Sekundenschnelle recherchier- und zusammenfassbar macht. Der beschleunigte Zugriff auf Informationen soll eine Vervielfachung der Produktivität ermöglichen.

An den Börsen hat zuletzt eine Neubewertung des KI-Themas eingesetzt. Der Fokus der Investoren richtet sich zunehmend auf die Frage, welche Unternehmen durch die Implementierung von KI tatsächlich nachhaltiges Gewinnwachstum erzielen können.

Für Mark Schumann steht fest: „Letztlich entscheidet die Qualität eines Unternehmens darüber, ob es solche Opportunitäten erfolgreich monetarisieren kann. Qualität dürfte daher wieder stärker in den Mittelpunkt rücken. In den Bewertungen spiegelt sich das noch nicht vollständig wider. Genau deshalb ist jetzt die Zeit, Qualität zu kaufen.“

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