Zwischen Widerstandskraft und Gegenwind

Allianz Global Investors

Allianz Global Investors "Die Woche voraus" vom 02.04.2026

Die Kapitalmärkte stehen zu Beginn des zweiten Quartals vor einer Bewährungsprobe. Was zu Jahresbeginn noch nach einem vergleichsweise ruhigen Umfeld aussah, hat sich in kurzer Zeit deutlich eingetrübt. Geopolitische Spannungen, insbesondere im Nahen Osten, treffen auf eine Weltwirtschaft, die ohnehin an Dynamik verloren hat. Gleichzeitig bleiben strukturelle Wachstumstreiber intakt. Für Anleger entsteht daraus ein Spannungsfeld: Im Zentrum steht die Frage: Handelt es sich um eine kurzfristige Störung – oder um den Beginn einer nachhaltig schwierigeren Phase?

Die Ausgangslage ist ambivalent. Einerseits zeigen viele Konjunkturdaten weiterhin eine gewisse Robustheit. Noch vor dem jüngsten geopolitischen Schock signalisierte unser breit angelegtes Indikatorenbündel eine stabile globale Entwicklung. Andererseits sorgt der Anstieg der Energiepreise für neue Unsicherheiten. Besonders für Europa und Teile Asiens, die stark von Energieimporten abhängig sind, bedeutet dies steigenden Inflationsdruck und Belastungen für das Wachstum.

Noch scheint zu gelten: Die Weltwirtschaft biegt sich – aber sie bricht nicht. Genau dieses „Biegen ohne Brechen“ beschreibt das derzeitige Umfeld treffend. Wachstum bleibt vorhanden, aber es wird ungleichmäßiger und anfälliger für externe Schocks. Die Wachstumsrisiken sind eindeutig gestiegen. Die entscheidende Rolle spielt dabei die Energiepreisentwicklung. Ölpreise im Bereich von 90 bis 110 US-Dollar je Barrel gelten noch als verkraftbar, allerdings haben sie diese Range verlassen und sind deutlich darüber hinaus angestiegen. Problematisch wird es, wenn das neue Ölpreisniveau über längere Zeit bestehen bleibt. Dann droht eine Kombination aus schwächerem Wachstum und höherer Inflation – ein Umfeld, das für Kapitalmärkte besonders herausfordernd ist.

Gut dabei ist, dass die Energieintensität seit Mitte der 60er Jahre deutlich abgenommen hat. Die Energieintensität misst, wie viel Energie je Einheit Bruttoinlandsprodukt eingesetzt werden muss. Die USA benötigen nur noch 40% der Energiemenge, welche sie in den 60ern benötigten, um eine Einheit Output zu erzeugen. Deutschland benötigt noch knapp ein Drittel. Anders ausgedrückt: Mit einer Einheit Energie erwirtschaftet Deutschland das Dreifache dessen, was 1965 erwirtschaftet wurde. Großbritannien hat sich sogar noch günstiger entwickelt.

Wie könnte es an den Kapitalmärkten weitergehen? Ein Blick in die Vergangenheit hilft bei der Einordnung. Die Analyse geopolitischer Ereignisse über mehrere Jahrzehnte zeigt, dass Märkte auf Schocks zunächst oft mit Kursrückgängen reagieren, sich jedoch häufig innerhalb weniger Monate stabilisierten. Entscheidend ist, ob sich die Schocks in die Realwirtschaft übertragen. Vor allem zwei Faktoren haben sich historisch als kritisch erwiesen: stark steigende Energiepreise und eine daraus resultierende Rezession. Blieben diese aus, waren Kursrückgänge oft nur von kurzer Dauer.

Genau hier liegt der Schlüssel für die kommenden Wochen. Die ökonomischen Übertragungskanäle sind entscheidend: Wie entwickeln sich die Energiepreise? Kommt es zu Störungen in den Lieferketten? Verschlechtern sich Finanzierungsbedingungen? Und kippt die Stimmung von Unternehmen und Verbrauchern? Kurz: Wie verlaufen die Angriffe auf den Iran weiter, bzw. wann kommt es zu einem Ende der Kampfhandlungen, oder zumindest zu einer verlässlichen, dauerhaften Passierbarkeit der Straße von Hormus, dem Nadelöhr im Persischen Golf, durch das ca. 20% des globalen Ölangebots verschifft werden? Vieles hängt von den nächsten Wochen ab.

Parallel dazu verändert sich das strukturelle Umfeld. Die Welt bewegt sich zunehmend in Richtung einer „Geoökonomie“ in der wirtschaftspolitische Instrumente gezielt zur Durchsetzung politischer Interessen eingesetzt werden. Handelskonflikte, neue Zollstrukturen und eine zunehmende Fragmentierung der globalen Wirtschaft sind Ausdruck dieser Entwicklung. Hinzu kommt eine deutliche Zunahme staatlicher Ausgaben – etwa für Verteidigung und Infrastruktur. Diese lassen die Verschuldung langfristig steigen, stützen aber auch nachfrageseitig die Konjunktur.

Diese Gemengelage stellt auch die Geldpolitik vor ein Dilemma. Einerseits soll sie die Inflation stabilisieren, andererseits Wachstum unterstützen und gleichzeitig die Refinanzierungskosten der Staaten im Blick behalten. Diese Gegenläufigkeit der Ziele macht eine klare Ausrichtung schwierig und erhöht die Unsicherheit für die Märkte.

Das legt folgende taktische Allokation nahe:

  • Wir sehen globale Aktien langfristig weiterhin positiv, sind jedoch kurzfristig vorsichtiger, da der Konflikt im Nahen Osten Unsicherheiten mit sich bringt.
    Bei dieser Unsicherheit spricht vieles für einen taktisch flexiblen Ansatz. Liquidität spielt wieder eine größere Rolle, um auf Marktbewegungen reagieren und sich bietende Einstiegsmöglichkeiten nutzen zu können.
  • Bei Aktien zu im Kontext des Konflikts im Nahen Osten zu beobachtende relative Widerstandskraft darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Risiken zugenommen haben. Besonders US-Aktien erscheinen aufgrund ihrer Bewertung anfälliger für Rückschläge. Europäische und asiatische Märkte wirken im Vergleich attraktiver, profitieren teilweise von strukturellen Investitionsprogrammen und niedrigeren Bewertungen.
  • Trotz zunehmender geopolitischer Spannungen wird Künstliche Intelligenz (KI) ein zentrales Thema an den globalen Aktienmärkten bleiben. China steht am Beginn der ersten Welle einer breiten KI-Verbreitung, gestützt durch gut ausgebaute Lieferketten und Innovationen in den Bereichen Hardware, Modelle und Robotik. Analoge Halbleiter erleben eine Erholung in der frühen Phase des Konjunkturzyklus, angetrieben durch sich verbessernde Endmärkte, eine strengere Kapazitätsdisziplin und starke Gewinnrevisionen.
  • Elektrifizierung und KI-getriebener Strombedarf stützen Investitionen in Stromerzeugung, Netze und zugehörige Ausrüstung. Das Wachstum von Rechenzentren bedeutet, dass Strom- und Netzanlagen wahrscheinlich die wichtigsten Profiteure von Engpässen sein werden.
  • Im Anleihebereich rücken Inflationsrisiken wieder stärker in den Fokus. Steigende Energiepreise und Unsicherheiten rund um die Geldpolitik sprechen für ein Umfeld, in dem Zinskurven wieder steiler werden könnten, d.h. dass vor allem die Renditen der längeren Laufzeiten steigen könnten. Staatsanleihen aus Europa und Großbritannien erscheinen vergleichsweise attraktiver, während Unternehmensanleihen weiterhin sorgfältige Auswahl erfordern.
  • Auch alternative Anlagen bleiben relevant. Rohstoffe sollten von geopolitischen Spannungen und strukturellen Angebotsengpässen profitieren, während Gold seine Rolle als Stabilitätsanker in unsicheren Zeiten erneut unter Beweis stellen könnte.

Zwischen Widerstandskraft und Gegenwind entscheidet nicht die Geschwindigkeit, sondern die Richtung. Wer den Kurs hält, flexibel bleibt und die entscheidenden Signale im Blick behält, kann auch in diesem Umfeld Chancen nutzen – und genau darin liegt die eigentliche Aufgabe der kommenden Wochen.

Investmentthema

Kapitaleinkommen aus Dividenden

  • In Deutschland läuft die Dividendensaison an. 454 Mrd. Euro Ausschüttungen sind für 2026 von den im Euro STOXX 600 enthaltenen Firmen zu erwarten. Das wäre eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr von 4%.
  • Allein die im STOXX Europe 600 enthaltenen deutschen Unternehmen könnten 2026 rund 58 Mrd. Euro an Dividenden zahlen, eine leichte Steigerung von 3 % gegenüber dem Vorjahr (56 Mrd. Euro).
  • Damit setzt sich die Tendenz steigender Dividendenauszahlungen (in Europa) weiter fort.
  • Dividenden haben einen nicht zu unterschätzenden Anteil an der Gesamtrendite einer Aktienanlage. Über den gesamten Zeitraum der letzten 40 Jahre wurde die annualisierte Gesamtrendite der Aktienanlage für den MSCI Europe zu knapp 39 % durch den Performance-Beitrag der Dividenden getragen. In Nordamerika (MSCI Nordamerika) bzw. Asien-Pazifik (MSCI Pazifik) wurde die Gesamtperformance zu knapp 21 % bzw. etwas mehr als 49 % durch die Dividende bestimmt.
  • Dabei zeigen unsere Analysen, dass Dividenden mehr Ruhe ins Portfolio bringen. Dazu trägt nicht nur die Politik der „ruhigen Hand“ bei den Unternehmen bei sondern auch, dass Portfolien, die aus Unternehmen mit höheren Ausschüttungsquoten gebildet werden, in der Vergangenheit weniger Schwankungen auswiesen als Portfolien mit Unternehmen, die relativ zu ihren Gewinnen weniger ausschütten.
  • Tatsächlich, so zeigt unsere Studie Jahr für Jahr aus Neuem, kürzen die Firmen ihre Dividenden nur in selteneren Fällen. Bevorzugt heben sie diese an oder behalten sie zumindest von ihrer Höhe bei.
  • Damit liefern Dividenden einen Grundstock für Kapitaleinkommen und zur Stabilisierung der Rendite, was gerade in unruhigen Zeiten willkommen ist.

Widerstandskraft wünscht Ihnen,

Dr. Hans-Jörg Naumer

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