Altersvorsorgedepot oder Garantieprodukt: Was passt zu mir?
Mit der geplanten Reform der privaten Altersvorsorge soll es zwei staatlich geförderte Varianten geben: das Altersvorsorgedepot und das Garantieprodukt. Beide sollen den Vermögensaufbau für den Ruhestand unterstützen, unterscheiden sich jedoch grundlegend in Anlagestrategie und Renditechancen.
Wir erklären die Unterschiede und zeigen, worauf es bei der Entscheidung zwischen Depot und Garantie ankommt!
Beim Altersvorsorgedepot wird das angesparte Vermögen ohne Kapitalgarantie in Fonds und ETFs investiert. Dadurch können die Chancen der Kapitalmärkte besser genutzt werden.
Das Garantieprodukt garantiert das eingezahlte Kapitals und die Zulagen zum Renteneintritt ganz oder teilweise. Um diese Beitragsgarantie zu erfüllen, muss ein erheblicher Teil des Vermögens sicherheitsorientiert angelegt werden. Das reduziert die Ertragschancen.
Altersvorsorgedepot / Standarddepot
Garantieprodukt
Kapitalgarantie
keine
• 80 % • 100 %
Zugelassene Anlagemöglichkeiten
• Fonds • ETFs • und weitere
• keine Vorgaben • muss die vereinbarte Garantie sicherstellen
Mögliche Produktvarianten
Fonds- & ETF-Sparplan: • Auswahl durch Anbieter • eigene Fondsauswahl
• Klassische Rentenversicherung • Fonds- & ETF-Sparplan (Auswahl durch Anbieter)
Renditechancen
gut
geringer
Sonderkonditionen durch FondsSuperMarkt
ja
nein
Zulagenförderung
ja
ja
Auszahlmöglichkeiten
• lebenslange Leibrente • Auszahlplan
• lebenslange Leibrente • Auszahlplan
Mögliche Anbieter
• Banken • Fondsplattformen • Fondsgesellschaften • und weitere
vermutlich hauptsächlich Versicherungen
Empfohlen für Anleger
mit mittel- bis langfristiger Anlagedauer bis zur Rente
• kurz vor Renteneintritt • mit sehr hohem Sicherheitsbedürfnis
Erfahrungen mit Garantieprodukten in der Vergangenheit
Die Erfahrungen mit der Riester-Rente haben gezeigt, dass Garantiezusagen ihren Preis haben: Um die gesetzlich vorgeschriebene Garantie einzuhalten, mussten die Anbieter einen großen Teil der Beiträge konservativ anlegen. Als sichere Anlagen wie Tages- und Festgelder keine Zinsen mehr brachten und das Zinsniveau sogar negativ wurde, hatten die Anbieter es zunehmend schwer, die Garantien überhaupt einzuhalten, geschweige denn eine Rendite zu erwirtschaften. Dadurch blieben viele Garantieverträge wie die Riester-Rente deutlich hinter den langfristigen Renditen der Aktienmärkte zurück.
Mit dem geplanten Altersvorsorgedepot befreit die Bundesregierung die Anbieter von dem Zwang zu Beitragsgarantien.
Beurteilung von Vorsorgeexperten
„Das Gesetz macht Schluss mit dem Zwang zu Beitragsgarantien und lebenslanger Verrentung. Damit eröffnet das neue Altersvorsorgedepot den Sparern höhere Renditechancen als die Riester-Rente.“ Thomas Richter, Hauptgeschäftsführer des BVI (Bundesverband Investment und Asset Management e. V.)
„Mehr Flexibilität, bessere Renditechancen und der Verzicht auf starre Garantievorgaben sind zentrale Voraussetzungen, um die private Altersvorsorge zukunftsfähig zu machen." Norman Wirth, geschäftsführender Vorstand AfW (Bundesverband Finanzdienstleistung e. V.)
Altersvorsorgedepot ohne Garantie sinnvoll?
Den meisten Anlegern bleiben noch mehrere Jahre bis zur Rente. Daher kann ein Verzicht auf eine Kapitalgarantie meist sinnvoll sein und zu einem höheren Vermögen für den Ruhestand führen.
Der Grund ist einfach: Eine Beitragsgarantie kostet Rendite. Ohne Beitragsgarantie kann das Geld dagegen flexibel am Kapitalmarkt angelegt werden, zum Beispiel in Investmentfonds und ETFs. Dadurch schwankt der Wert zwar zwischenzeitlich, doch über die Jahre steigen die Renditechancen. Gerade bei längeren Laufzeiten gleichen sich kurzfristige Kursschwankungen häufig aus. Betrachtet man beispielsweise den Zeitraum der letzten 3 Jahre, entwickelten sich weltweite Aktien aus allen möglichen Branchen trotz Kriegen und Krisen positiv:
Am Beispiel des globalen Aktienindexes FTSE All-World (49 Länder, rd. 4.200 Unternehmen), Stand 09.07.2026
Beispielrechnung
So groß kann der Renditeunterschied zwischen Altersvorsorgedepot und Garantieprodukt werden:
* Die jährliche Grundzulage von 390 € ist nicht berücksichtigt. Da auch die Zulagen Rendite erwirtschaftet, fallen Endkapital und Renditeunterschied tatsächlich sogar noch höher aus.
Fazit: Depot oder Garantieprodukt?
Mit Beitragsgarantie → mehr Sicherheit, aber geringere Renditechancen
Ohne Beitragsgarantie → Wertschwankungen möglich, dafür bessere Renditechancen und mehr Altersvorsorgekapital
Welche Variante besser passt, hängt vom persönlichen Sicherheitsbedürfnis und der Anlagedauer ab. Wer noch mehrere Jahre bis zum Ruhestand hat, kann Wertschwankungen oft besser ausgleichen als jemand, der kurz vor Rentenbeginn steht. Aber auch nach Renteneintritt können Rentner einen Teil des Kapitals weiter in Fonds und ETFs investiert lassen und die Anlagedauer damit verlängern.
Je länger die Ansparphase dauert, desto profitabler kann es sein, auf die Garantie zu verzichten.
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