comgest Pressemitteilung vom 27.10.2026
Künstliche Intelligenz, ein längerfristig höheres Zinsumfeld, und europäisches Souveränitätsstreben verändern Europas Aktienmärkte. Mark Schumann, Portfoliomanager des Comgest Growth Europe Opportunities (ISIN: IE00B4ZJ4188), erläutert, wie das Team diese drei Kräfte einordnet und in die Portfoliokonstruktion einbettet. Dabei verbleibt bei der Einzeltitelselektion eine Konstante: Kann das Unternehmen über Jahre die Gewinne nachhaltig steigern und hat es das Potenzial die Gewinnerwartungen des Marktes zu übertreffen?
„Die Themen, die Europas Märkte bewegen, wechseln. Unser Kompass bleibt derselbe“, sagt Schumann. „Wir suchen Unternehmen mit dauerhaften Wettbewerbsvorteilen, deren Gewinne entweder strukturell wachsen oder deren mittel- bis langfristiges Gewinnpotenzial vom Markt falsch eingeschätzt wird – beides unabhängig davon, welches Thema gerade die Schlagzeilen bestimmt.“
1. KI: ein starker Motor, aber nicht der einzige
Künstliche Intelligenz (KI) ist zurzeit ein wichtiger Wachstumstreiber im Portfolio. Derzeit steht vor allem noch der Ausbau der Infrastruktur im Fokus. Zunehmend durchdringt KI aber die gesamte Wertschöpfungskette, und ihre Anwendung eröffnet Effizienzpotenziale. Zu den Unternehmen, denen nach Einschätzung des Teams der Ausbau der Rechenzentren und Stromnetze derzeit besonders in die Hände spielt, gehören Halbleiterausrüster wie ASML und ASM International sowie der Chiphersteller Infineon, aber auch Industrieunternehmen wie VAT Group oder Prysmian. Etwa jedes zweite Unternehmen im Portfolio profitiert aktuell überdurchschnittlich vom Ausbau der KI-Infrastruktur. Was auf den ersten Blick wie ein vermeintliches Konzentrationsrisiko erscheint, erklärt sich jedoch durch den überproportional hohen Stellenwert des KI-Ausbaus für das wirtschaftliche Wachstum insgesamt. „Wir werfen unsere Netze dort aus, wo die größten Fische schwimmen“ beschreibt Schumann diese Akzentuierung des Portfolios. Netto ist der Fonds rund 19 Prozentpunkte stärker in potenziellen „KI-Gewinnern“ gewichtet als in Unternehmen, deren Geschäftsmodelle möglicherweise durch KI unter Druck geraten können (ca. 31 gegenüber ca. 12 Prozent des Portfolios respektive).1
2. Länger höher: Was das Zinsumfeld für Wachstumsaktien bedeutet
„Wer ausschließlich auf KI als Wachstumstreiber baut, verlässt sich auf einen Motor, der nur mit einem Zylinder läuft.“, so Schumann. „Wir wollen in der KI-Rallye investiert bleiben, ohne von ihr abhängig zu sein.“ Deshalb verbreitert das Team einerseits die Treiber für das Gewinnwachstum im Portfolio, andererseits soll die Portfoliokonstruktion die Strategie resilienter gegen ein möglicherweise längerfristig höheres und möglicherweise weiter steigendes Zinsumfeld machen. Die wichtigsten Bausteine dafür sind einerseits selektiv auf Unternehmen zu setzen, die von höheren Zinsen profitieren. Andererseits soll vor allem ein moderateres durchschnittliches Bewertungsniveau des Fonds die Zinssensitivität reduzieren, ohne dabei das langfristige Gewinnpotenzial preiszugeben. So sind im Hinblick auf das erste Kriterium mit DNB und FinecoBank zwei Banken hinzugekommen, deren Geschäftsmodelle nach Einschätzung des Teams von höheren Zinsen profitieren können, ohne den Qualitätsanspruch der Strategie aus dem Auge zu verlieren. Untergewichtet sind dagegen Konsumwerte, deren Bewertung stark auf steigende Anleiherenditen reagiert.
Da nach Einschätzung von Comgest die Zinsen länger höher bleiben dürften, sind aus Sicht des Teams steigende Bewertungen von Wachstumsunternehmen allein durch sinkende Zinsen kein verlässlicher Treiber mehr. Umso wichtiger ist, dass die Unternehmen ihre Gewinne tatsächlich steigern. Für die Portfoliounternehmen erwartet das Team ein durchschnittliches Gewinnwachstum je Aktie von 14 Prozent pro Jahr über fünf Jahre.2 Zugleich behält es dabei die Bewertung der Unternehmen im Auge. Mit einem KGV von ca. 20 basierend auf einem erwarteten Gewinnwachstum von 17% für die nächsten zwölf Monate liegt die sogenannte „PEG“ Ratio, die die Bewertung ins Verhältnis zum erwarteten Gewinnwachstum setzt, bei etwa 1,2.
3. Geopolitik und europäische Souveränität: Burggraben oder struktureller Wachstumstreiber für Unternehmen?
Geopolitische und wirtschaftliche Herausforderungen treiben Europas Investitionen in Verteidigung, digitale und physische Infrastruktur, Energienetze und die Integration der Finanzmärkte voran. Schumann spricht in diesem Zusammenhang in Anlehnung an den von Mario Draghi 2024 publizierten Bericht über die „Zukunft der europäischen Wettbewerbsfähigkeit“ auch von „Europäischer Souveränität“, die diese Prozesse auslöst und Wachstumschancen für europäische Unternehmen schafft. Allerdings müssen auch Unternehmen, die davon profitieren, die strengen Kriterien bei der Einzeltitelselektion erfüllen. Entscheidend sind dabei nach Überzeugung des Teams u.a. spezialisiertes Know-how, dauerhafte Wettbewerbsvorteile, Preissetzungsmacht und eine hohe Kundenbindungskraft, die sich in nachhaltig höheres Gewinnwachstum ummünzen lassen. Beispiele sind VAT Group, ein Schweizer Spezialist für Vakuumventile in der Halbleiterfertigung, und Exosens, ein französischer Hersteller von Detektionstechnologien, unter anderem für Verteidigung und Forschung. „Ein volles Auftragsbuch aus staatlichen Programmen alleine ist noch kein Wettbewerbsvorteil“, so Schumann. „VAT Group und Exosens zeigen, wie auch mittelgroße Unternehmen hohe Eintrittsbarrieren aufbauen können. Solche wirtschaftlichen Burggräben sind für uns entscheidend, nicht allein die Größe eines Unternehmens.“
Drei Kräfte, ein Maßstab: Qualität in der Breite, mit höheren Schwankungen
Innerhalb der europäischen Strategiefamilie von Comgest ist der Comgest Growth Europe Opportunities noch stärker auf Wachstum sowie auf eine Beschleunigung des Gewinnwachstums ausgerichtet als die anderen Europa-Strategien.3 Rund 45 Prozent des Portfolios entfallen auf interessante Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung unter 30 Milliarden Euro, die oft unter dem Radar insbesondere indexorientierter Passivanlagen (ETFs) bleiben oder dort unterrepräsentiert sind. Die stärkere Ausrichtung auf Wachstum und das Beimischen von Mid-Caps hat ihren Preis. Die Volatilität, also die durchschnittliche Schwankungsbreite, über drei Jahre liegt bei 18,0 Prozent.4 „Wer in den Fonds investiert, sollte einen längeren Anlagehorizont mitbringen und Schwankungen aushalten können“, sagt Schumann. „Wir messen uns an der Gewinnentwicklung unserer Unternehmen über viele Jahre, nicht an einzelnen Quartalen.“
Für alle europäischen Aktienstrategien von Comgest zählt, ob ein Unternehmen über Jahre aus eigener Kraft wachsen kann, unabhängig von KI-Zyklen, Zinsniveau oder Haushaltslage.