comgest Investor-Update vom September 2026
Zusammenfassung:
- Wachstumsprämie zurückgewonnen: Seit Ende April 2026 stieg das erwartete EPS-Wachstum (NTM) von Comgest Growth Europe von 9,8 % auf 15,0 %, während es beim MSCI Europe von 13,5 % auf 11,8 % zurückging. Auch die übrigen europäischen Comgest-Fonds weisen gegenüber ihren Vergleichsindizes wieder eine Wachstumsprämie auf.
- Mehr Wachstum ohne Abstriche bei der Qualität: Das Portfoliomanagement hat drei Hebel eingesetzt: einen höheren Anteil an KI-Profiteuren, den gezielten Ausbau von Compounder-Unternehmen nach deren Bewertungsrückgang und mehr idiosynkratische Wachstumstreiber. Rentabilität, Cashflow-Generierung und Bilanzstärke der Portfoliounternehmen liegen weiterhin über dem Index.
- Bewusste KI-Gewichtung bei attraktiven Bewertungen: Unternehmen, die von Rechenzentrumsinvestitionen profitieren, machen 21 % des Portfolios aus und tragen rund 40 % zum erwarteten Gewinnwachstum bei. Diese Konzentration sollten Anleger kennen. Comgest sieht die KI-Investitionswelle eher in der Mitte des Zyklus und hält Quality-Growth-Bewertungen im Verhältnis zum hohen Wachstum für attraktiv.
2025 und 2026: Von Value zu Quality Growth
Während 2025 vor allem Value-Aktien, in die unsere europäischen Aktienfonds nicht investieren, von einer Neubewertung profitierten, zeichnete sich das Jahr 2026 durch eine deutliche, v.a. zyklisch getriebene Wachstumsbeschleunigung aus, bei rückläufigen Bewertungen.
Die Bewertung des Portfolios gab gegenüber dem Index dieses Jahr hingegen nur begrenzt nach, anders als im Jahr zuvor – trotz des deutlichen Anstiegs der langfristigen Zinsen. Dahinter verbergen sich auf Portfolioebene zwei unterschiedliche Entwicklungen. Einerseits profitierten Quality-Growth-Aktien aus den Bereichen Informationstechnologie und Industrie von starkem Gewinnmomentum und einer Neubewertung, getrieben von KI-Investitionen. Andererseits verzeichneten Compounder-Unternehmen, die sich durch eine erhöhte Zinssensitivität auszeichnen, einen Bewertungsabschlag.
Was die Wachstumslücke zu Jahresbeginn verursacht hat
Die Performancelücke des Fonds Comgest Growth Europe zum Index zu Beginn dieses Jahres wurde durch eine Wachstumslücke ausgelöst. Welche Lehren haben wir daraus gezogen, und welche Maßnahmen haben wir ergriffen? Wie haben wir die typische Wachstumsprämie wiederhergestellt?
Getragen wurde das hohe Gewinnwachstum vor allem von drei Treibern: Banken, rohstoffnahen Unternehmen und Unternehmen, die von Investitionsausgaben für Künstliche Intelligenz (KI) profitieren. Auf diese drei Bereiche entfiel im ersten Halbjahr 2026 der Großteil der Wertentwicklung des MSCI Europe Index. Banken und rohstoffnahe Unternehmen sind mit ihrer hohen Abhängigkeit von zyklischen Wachstumstreibern kaum mit unserem Investmentansatz vereinbar. Der strukturelle Wachstumstrend der KI-Investitionen hingegen schon.
Das ungewöhnlich günstige zyklische Umfeld führte zu einer deutlichen Wachstumsbeschleunigung am Markt. Die Erwartungen für das Wachstum des Gewinns je Aktie (Earnings per Share, EPS) des MSCI Europe für 2026 lagen im Dezember 2025 bei 11 % und liegen aktuell bei 19,5 %. Für den MSCI Europe Mid Cap Index stiegen die Wachstumserwartungen für 2026 von 19,3 % auf 31,6 %.1
Das Wachstumsprofil hat sich zu unseren Gunsten gedreht
In den vergangenen fünf Monaten hat sich das Wachstumsbild jedoch zugunsten unserer europäischen Fonds verändert. Organische Wachstumsbeschleunigungen – vor allem bei den Profiteuren der KI-Investitionen – sowie die Portfolioanpassungen dieses Jahres haben das absolute und relative Wachstumsprofil unserer europäischen Fonds und unseres Flaggschifffonds Comgest Growth Europe deutlich verbessert.
Diese Beschleunigung haben wir erreicht, ohne Abstriche bei der Qualität zu machen. Die Unternehmen in unseren Portfolios sind hinsichtlich Rentabilität und Bilanzen gut aufgestellt. Kapitalrenditen (Return on Invested Capital, RoIC, und Eigenkapitalrendite), Cashflow-Generierung (etwa die Umwandlung des EBITDA – Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen – in freien Cashflow oder die Free-Cashflow-Marge), Rentabilität (operative Marge) und Bilanzstärke (Verschuldungsgrad) liegen weiterhin über den entsprechenden Werten des MSCI Europe.
Drei Hebel für mehr Wachstum
Das Portfoliomanagement hat drei Hebel eingesetzt, um das Wachstum von Comgest Growth Europe zu erhöhen:
- Erstens hat das Portfoliomanagementteam den Anteil an Unternehmen erhöht, die von Investitionen in künstliche Intelligenz profitieren.
- Zweitens hat das Portfoliomanagement selektiv Compounderaktien nach Bewertungsrückgängen gekauft – und bei unterdurchschnittlichem Wachstum verkauft.
- Drittens hat das Team den Beitrag idiosynkratischer Wachstumstreiber erhöht – also Wachstumsquellen, die mit dem übrigen Portfolio wenig oder gar nicht korreliert sind.
Die Ergebnisse werden sichtbar
Die Ergebnisse sind im Jahresverlauf zunehmend sichtbar geworden. Seit Ende April 2026 stieg das erwartete EPS-Wachstum der Portfoliounternehmen für die nächsten zwölf Monate (Next Twelve Months, NTM) von 9,8 % auf 15,0 % und damit um mehr als 5 Prozentpunkte. Beim MSCI Europe ging es im selben Zeitraum von 13,5 % auf 11,8 % und damit um knapp 2 Prozentpunkte zurück. Damit hat der Fonds wieder eine deutliche Wachstumsprämie gegenüber dem Index aufgebaut.
Das EPS-Wachstum NTM ist das aggregierte geschätzte Wachstum des Gewinns je Aktie (EPS) des Portfolios über die nächsten zwölf Monate. Der 24-Monats-Wert ist die jährliche Durchschnittswachstumsrate (CAGR) des geschätzten Gewinns je Aktie über die nächsten 24 Monate. Die Schätzungen zum EPS-Wachstum stammen von FactSet. Alle Prognosen und Schätzungen dienen ausschließlich Informationszwecken und sind nicht garantiert.
Ein ähnliches Bild zeigt sich über unsere gesamte europäische Fondspalette: Unsere europäischen Fonds weisen gegenüber ihren Vergleichsindizes eine Wachstumsprämie auf – sowohl für die kommenden zwölf Monate als auch für die kommenden zwei Jahre. Wir sehen darin ein ermutigendes Signal, gerade vor dem Hintergrund des sehr starken Bewertungsrückgangs bei Quality-Growth-Aktien in den vergangenen zwei Jahren.
Die Wachstumsbeschleunigung verteilt sich auf verschiedene Sektoren, den größten Beitrag liefert jedoch das KI-Segment der Portfolios. Ergebnisse und Ausblicke von Unternehmen, die von KI-Investitionen profitieren, haben die Erwartungen im Jahresverlauf weit übertroffen. Die drei Wachstumssäulen des Portfolios von Comgest Growth Europe – Informationstechnologie, Industrie und Gesundheitssektor – tragen 75 % zum erwarteten EPS-Wachstum (NTM) des Portfolios bei.
Diversifizierung bleibt für uns wichtig. Das spiegelt sich in den genannten drei Hebeln unserer Portfolioanpassungen wider. Zahlreiche Unternehmen mit idiosynkratischen Wachstumstreibern wurden neu in das Portfolio aufgenommen. Sie bringen wenig korrelierte Wachstumsquellen ein und tragen damit nach unserer Einschätzung dazu bei, das Portfoliowachstum zu beschleunigen und gleichzeitig sein Risiko zu verringern.
Gesundheitssektor: Geduld mit Perspektive
Der Gesundheitssektor bleibt ein wichtiges Thema. Wir wissen, dass die anhaltend schwache Kursentwicklung des Sektors bei vielen Anlegerinnen und Anlegern Fragen aufwirft. Rund ein Drittel der Positionen in diesem Segment wurde in den vergangenen drei Jahren ausgetauscht. Damit haben wir die Zusammensetzung verändert und das Wachstumsprofil erhöht.
Nach unserer Einschätzung bietet der Gesundheitssektor heute eine defensive, vermutlich unterschätzte und attraktiv bewertete Quality-Growth-Chance. Das gilt umso mehr nach dem deutlichen Bewertungsabschlag beim Kurs-Gewinn-Verhältnis im gesamten Sektor – und zu einem Zeitpunkt, an dem sich das Wachstum beschleunigt, weil der globale Gesundheitssektor eine sehr schmerzhafte Phase des Lagerabbaus nach der Covid-Pandemie hinter sich gelassen hat.
Im Mittelpunkt der Diskussionen mit Anlegerinnen und Anlegern steht in diesem Jahr vor allem ein Unternehmen: EssilorLuxottica. Wir nehmen die Zweifel der Anlegerinnen und Anleger ernst – sowohl mit Blick auf den künftigen Wettbewerb und die Ausweitung des adressierbaren Marktes für Smart Glasses als auch mit Blick auf die in den Medien berichteten Spannungen in der Unternehmensführung, bei denen der Erbe des Firmengründers Druck auf das Topmanagement ausübt.
Wir schätzen jedoch das zweistellige strukturelle Wachstum des Unternehmens ebenso wie seine Bewertung, die aus unserer Sicht ein mittlerweile extrem pessimistisches Szenario einpreist. Die ausgewiesenen Kapital- und Eigenkapitalrenditen mögen infolge der Fusion von Essilor und Luxottica auf dem Papier niedrig erscheinen. Die Generierung von freiem Cashflow, die Cashflow-Rendite auf das investierte Kapital sowie die Free-Cashflow-Rendite je Aktie sind jedoch hoch und sprechen aus unserer Sicht die richtige Sprache. Als aktiver Manager sehen wir langfristig erhebliches Wachstums- und Wertpotenzial und halten an einer hohen Gewichtung fest.
Diversifikation – und ihre Grenzen
Auch mit Blick auf die strukturellen Wachstumstrends, an denen Comgest Growth Europe partizipiert, zeigt sich die Diversifikation. Es dominieren drei Wachstumssäulen: Digitalisierung und IT, industrielle Investitionen in digitale und elektrische Infrastruktur sowie die alternde Bevölkerung und ein gesünderes Leben.
Allerdings sind der Diversifikation für einen Qualitätswachstumsinvestor aus unserer Sicht derzeit Grenzen gesetzt, denn KI-Investitionen dominieren die Wachstumsaussichten am Markt derzeit stark. Die übrigen Treiber des Marktes – Banken und rohstoffpreisabhängige Unternehmen – hängen vor allem vom Zinsumfeld und vom Ölpreis ab. Auf sie zu setzen, hieße, makroökonomische Wetten einzugehen, was mit unserem Investmentansatz kaum vereinbar ist. KI dagegen ist ein starker, langfristiger struktureller Technologietrend. In Unternehmen zu investieren, die davon profitieren und zugleich ausgeprägte Wettbewerbsvorteile, hohe Rentabilität und dynamisches Wachstum bieten, entspricht unserem Quality-Growth-Investmentansatz.
Wichtig für Anlegerinnen und Anleger: Unternehmen, die von Investitionen in Rechenzentren profitieren, machen 21 % des Comgest Growth Europe Portfolios aus und tragen rund 40 % zum erwarteten EPS-Wachstum (NTM) bei. Dieser Konzentration sollten sich Anlegerinnen und Anleger in Comgest Growth Europe – wie auch im breiteren Aktienmarkt – bewusst sein.
Warum wir bei KI-Investitionen positiv sind
Unser Optimismus in Bezug auf KI stützt sich auf unsere globale Research-Plattform. Das Wachstum und die Rentabilität der Hyperscaler – der großen Anbieter von Cloud-Infrastruktur –, der rasche Umsatzanstieg großer Sprachmodelle, die Verlagerung vom Training hin zum strukturell größeren Markt für Inferenz, also die Anwendung trainierter Modelle, sowie Signale aus der Lieferkette selbst sprechen, die mit mittlerweile ausgedehnten Lieferzyklen arbeitet. All dies deutet darauf hin, dass sich diese Investitionswelle eher in der Mitte als am Ende des Zyklus befindet.
Auf absehbare Zeit erscheint der KI-Markt nach unserer Einschätzung eher durch das Angebot als durch die Nachfrage begrenzt. Die Rückmeldungen von Konferenzen in den USA, die wir kürzlich besucht haben, deuten darauf hin, dass die KI-Nachfrage größer ist als die Infrastruktur, die dafür derzeit aufgebaut wird.
Unser Optimismus gründet sich außerdem auf die nach wie vor attraktive Wertschöpfung, die KI-Investitionen für die Hyperscaler bieten. Die Hyperscaler erzielen eine Kapitalrendite (RoIC) von rund 20 %. Bei Fremdkapitalkosten von etwa 5–6 % und gewichteten durchschnittlichen Kapitalkosten von rund 10 % erscheinen zusätzliche Investitionen aus unserer Sicht weiterhin wertschaffend – zumal die Hyperscaler hohe Auftragsbestände aufgebaut haben.2 Das unterscheidet die heutige Situation von der Technologie-, Medien- und Telekommunikationsblase um das Jahr 2000, als Telekommunikationsunternehmen Infrastruktur ohne vertraglich gesicherte Nachfrage aufbauten. Die Hyperscaler finanzieren ihre Investitionen weiterhin mehrheitlich aus eigenen Mitteln, wobei der Anteil externer Finanzierung zuletzt jedoch deutlich gestiegen ist. Auch das spricht aus unserer Sicht dafür, dass sich die KI-Investitionswelle eher in der Mitte als am Ende des Zyklus befindet.
Was wir genau beobachten
Die freien Cashflows der Hyperscaler sind zuletzt negativ geworden (mit Ausnahme von Microsoft), und Anleiheemissionen sowie Leasingverpflichtungen haben deutlich zugenommen. Diesen Punkt behalten wir im Blick. Trotz der Anleiheemissionen ist die Nettoverschuldung der großen Hyperscaler nach wie vor gering: Sie liegt deutlich unter dem Durchschnitt nicht-finanzieller Emittenten mit Investment-Grade-Rating.3
Cashflow-Generierung und Bilanzen sind nach unserer Einschätzung weiterhin sehr solide, während die Monetarisierung noch am Anfang steht. Rechenzentren benötigen etwa zwei Jahre Bauzeit, bevor sie Erträge generieren, laufen dann aber 30 Jahre und länger. Server und Netzwerktechnik erreichen die Gewinnschwelle in weniger als drei Jahren. Die aktuelle Phase ist daher von hohen Vorabinvestitionen geprägt. Die aufgebaute Kapazität ist vertraglich gebunden, und wir erwarten, dass sich die freien Cashflows erholen, je weiter die Ausbauphase voranschreitet und Gewinnschwellen erreicht werden.
Ausblick
Derzeit konzentrieren sich Anlegerinnen und Anleger noch auf das Jahr 2026. Das dürfte sich nach unserer Einschätzung in wenigen Wochen ändern: Die Berichtssaison zum dritten Quartal steht vor der Tür und markiert traditionell einen Wendepunkt, an dem sich der Fokus auf die Aussichten für das kommende Jahr verlagert. Wir sind der Ansicht, dass dann das höhere Wachstumsprofil von Comgest Growth Europe und unserer europäischen Fondspalette – in Verbindung mit den Qualitätsmerkmalen unserer Portfoliounternehmen – stärker in den Blick rücken dürfte.
Das Engagement im KI-Investitionsthema ist bewusst hoch, aus unserer Sicht jedoch nicht überdimensioniert, da wir weiterhin Wert auf Diversifikation legen. Nach einem der deutlichsten Bewertungsrückgänge, die wir in den vergangenen Jahrzehnten erlebt haben, halten wir die Bewertungen von Quality-Growth-Unternehmen relativ zum hohen Gewinnwachstum für attraktiv. Eine Aussage über die künftige Wertentwicklung der Fonds ist damit nicht verbunden.