MEDICAL BioHealth: Ein Gespräch mit dem Geschäftsführer Thomas Vorlicky
Die Biotechnologie ist einer der wenigen Bereiche, in denen wissenschaftlicher Fortschritt und Kapitalmarkt so eng miteinander verknüpft sind, dass daraus attraktive Investitionsmöglichkeiten entstehen. Genau hier setzt der MEDICAL BioHealth an. Im Fokus stehen Biotechnologieunternehmen mit klarer medizinischer Innovation, hohem ungedecktem Bedarf und starker wissenschaftlicher Substanz. Das Ergebnis ist ein hochselektives Portfolio mit dem Ziel, frühzeitig in jene Unternehmen zu investieren, deren Innovationen zukünftige Behandlungsstandards prägen und langfristig überdurchschnittliches Wachstum ermöglichen.
FondsSuperMarkt: Was macht kleinere und mittelgroße Unternehmen so interessant?
Thomas Vorlicky: Ein erfolgreiches Medikament kann die wirtschaftliche Perspektive eines kleineren Unternehmens grundlegend verändern. Bei einem großen Pharmakonzern fällt derselbe Erfolg oft weniger stark ins Gewicht. Außerdem sind es die kleinen und mittelgroßen Biotechnologie-Unternehmen, welche den medizinischen Fortschritt mit ihrer Forschung und Entwicklung antreiben. Wir suchen deshalb gezielt spezialisierte Innovationsführer, deren wissenschaftliche Qualität bereits erkennbar ist, deren wirtschaftliches Potenzial aber noch nicht vollständig im Börsenwert steckt. Dem höheren Wachstumspotenzial stehen allerdings größere Einzelrisiken gegenüber.
FondsSuperMarkt: Wie bewerten Sie Unternehmen ohne nennenswerte Umsätze?
Thomas Vorlicky: Wir bewerten nicht nur heutige Umsätze, sondern das realistisch erreichbare Geschäftspotenzial. Entscheidend sind medizinischer Nutzen, Patientenzahl, Wettbewerb, mögliche Preise und Entwicklungsstand. Hinzu kommt die Finanzierung: Ein vielversprechender Wirkstoff hilft Aktionären wenig, wenn das Unternehmen seine Entwicklung nicht finanzieren kann. Wissenschaftliche Qualität, wirtschaftliches Potenzial und Bewertung müssen zusammenpassen.
FondsSuperMarkt: Wie bewusst gehen Sie Risiken durch Studienergebnisse ein?
Thomas Vorlicky: Sehr bewusst und selektiv. Wir prüfen, wie belastbar die bisherigen Daten sind, welche Erwartungen bereits im Kurs stecken und welche Folgen ein negatives Ergebnis hätte. Eine hohe Erfolgswahrscheinlichkeit allein reicht nicht, wenn die Bewertung bereits einen perfekten Ausgang voraussetzt. Entscheidend ist das Verhältnis zwischen möglichem Gewinn, Verlustrisiko und Positionsgröße.
FondsSuperMarkt: Wie schützen Sie sich vor einem nahezu vollständigen Verlust?
Thomas Vorlicky: Vollständig ausschließen lässt sich dieses Risiko nicht. Deshalb beginnt Risikomanagement vor dem Studienergebnis: durch sorgfältige Auswahl, angemessene Positionsgrößen und breite Streuung. Scheitert ein Wirkstoff, muss die Investmentthese neu bewertet werden. Entscheidend ist dann, welcher wirtschaftliche Wert tatsächlich noch vorhanden ist – nicht, zu welchem Kurs wir gekauft haben.
FondsSuperMarkt: Wie unterscheiden Sie wissenschaftliche Substanz von einer Börsenstory?
Thomas Vorlicky: Bei uns sitzt wissenschaftliche Expertise direkt im Portfoliomanagement. Mediziner und Molekularbiologen beurteilen die Unternehmen anhand ihrer klinischen Daten. Wir hinterfragen Wirkmechanismen, Studiendesigns, Sicherheitsprofile und den tatsächlichen Nutzen für Patienten. Uns interessiert nicht, wie überzeugend eine Präsentation klingt, sondern ob die Ergebnisse ihre Versprechen tragen. Neu allein reicht nicht, eine Therapie muss medizinisch relevant sein.
FondsSuperMarkt: Wo sehen Sie überzogene Erwartungen?
Thomas Vorlicky: Vorsichtig wären wir bei Adipositasprogrammen ohne klare Vorteile gegenüber der Konkurrenz und bei KI-Plattformen, deren Bewertung bereits große klinische Erfolge voraussetzt. Ein riesiger Markt macht nicht jeden Anbieter erfolgreich. Ebenso ersetzt ein leistungsfähiger Algorithmus keinen überzeugenden Wirksamkeitsnachweis. Unsere Skepsis richtet sich nicht gegen Innovation, sondern gegen Bewertungen, die kaum Raum für Enttäuschungen lassen.
FondsSuperMarkt: Wie diversifizieren Sie, ohne Ihre besten Ideen zu verwässern?
Thomas Vorlicky: Wir streuen über unterschiedliche Therapiegebiete, Technologien und Entwicklungsstadien. Entscheidend sind nicht möglichst viele Namen, sondern möglichst unterschiedliche Risiken. Die Gewichtung berücksichtigt das Risikoprofil, die Handelbarkeit und die Unternehmensgröße. Unsere überzeugendsten Ideen sollen einen spürbaren Beitrag leisten können, ohne dass ein einzelner Rückschlag das Gesamtportfolio dominiert.
FondsSuperMarkt: Was machen Sie heute anders als bei der Fondsauflage?
Thomas Vorlicky: Die Grundidee bleibt dieselbe: medizinische Innovation verstehen und wirtschaftliches Potenzial frühzeitig erkennen. Heute können wir dabei auf einen über Jahrzehnte gewachsenen Wissensbestand und eine eigene Unternehmensdatenbank zurückgreifen. Wissenschaftliche Veröffentlichungen, Unternehmensgespräche und Expertenkontakte ergänzen die Analyse. Unser Vorteil liegt nicht darin, jeder neuen Geschichte schneller zu folgen, sondern Entwicklungen fundierter einordnen zu können.
FondsSuperMarkt: Welche Entwicklung wird unterschätzt?
Thomas Vorlicky: Aus unserer Sicht unterschätzt der Markt, wie stark Biotechnologie selbst zur Technologiebranche wird. Die Verbindung aus biologischen Daten, KI und experimenteller Forschung könnte die Entwicklung neuer Therapien gezielter und produktiver machen. Das biologische Verständnis wird enorm wachsen und könnte Entwicklungen hervorbringen, die heute noch gar nicht vorstellbar sind. Und das in einem Bereich, welcher die höchste gesellschaftliche Relevanz genießt: Unsere Gesundheit.
FondsSuperMarkt: Welche Erfolgsgeschichte veranschaulicht Ihren Ansatz?
Thomas Vorlicky: Ein Beispiel ist Verona Pharma. Das Unternehmen entwickelte Ohtuvayre, eine in den USA zugelassene Erhaltungstherapie für Erwachsene mit der chronischen Lungenerkrankung COPD. Merck & Co. übernahm Verona 2025 für rund zehn Milliarden US-Dollar. Das veranschaulicht unseren Ansatz: medizinischen Bedarf, wissenschaftliche Differenzierung und wirtschaftliches Potenzial zusammenzubringen. Wir wollen nicht den nächsten Käufer vorhersagen, sondern den Wert medizinischer Innovation erkennen. Ein erfolgreiches Einzelbeispiel ist allerdings keine Garantie für künftige Ergebnisse.
Herzlichen Dank für das Gespräch, Herr Vorlicky.
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