Garantien bei der Altersvorsorge: Chancen, Risiken und Alternativen
Die private, geförderte Altersvorsorge wird reformiert und das neue Altersvorsorgedepot startet zum 1. Januar 2027. Künftig dürfen die Bundesbürger zwischen einem Vertrag mit Beitragsgarantie und einem Altersvorsorgedepot ohneGarantie wählen.
Diese Entscheidung beschäftigt viele Anleger: Wie hilfreich sind Garantien in der Altersvorsorge? Sie schaffen Sicherheit, begrenzen aber auch die Renditechancen. Die Vor- und Nachteile der beiden Ansätze sollten Anleger vor ihrer Entscheidung kennen.
Vor- und Nachteile von Garantien
Ein bekanntes Beispiel für einen garantierten Altersvorsorges-Sparvertrag ist die Riester-Rente. Die Beitragsgarantie sorgte dafür, dass das eingezahlte Riester-Kapital zum vereinbarten Zeitpunkt erhalten blieb. Dieses Sicherheitsversprechen hat jedoch seinen Preis: Um Garantien einzuhalten, mussten die Anbieter sehr defensiv investieren. Das führte bei den Riester-Verträgen zu niedrigen Aktienquoten, begrenzten Renditechancen und nach Kosten und Inflation häufig zu enttäuschenden Ergebnissen.
Vorteile
Nachteile
• Hohe Planungssicherheit • Schutz vor nominalen Verlusten • Geringere kurzfristige Wertschwankungen
• Begrenzte Renditechancen • Minderung der Kaufkraft durch Inflationsrisiko • Weniger Flexibilität bei längeren Laufzeiten
Alternative: Chancen des Kapitalmarkts nutzen
Mit dem Altersvorsorgedepot schafft die Bundesregierung erstmals eine staatlich geförderte Alternative zu starren Garantiekonzepten. Wer auf Garantien verzichtet, kann seine Sparbeiträge in Fonds und ETFs investieren und damit stärker an der Entwicklung der Kapitalmärkte teilhaben. Natürlich sind Kapitalmarktanlagen mit Wertschwankungen verbunden. Gerade bei längeren Anlagezeiträumen bieten sie jedoch die Chance auf höhere Erträge und damit auf ein höheres Vermögen im Ruhestand.
Entscheidend ist deshalb nicht nur die Sicherheit des eingezahlten Kapitals, sondern auch die Frage, wie sich Vermögen über viele Jahre entwickeln kann.
Wie die Altersvorsorge auch ohne Garantie gelingt, lesen Sie im Folgenden.
Renditechancen entstehen am Kapitalmarkt
Langfristig zählen Aktieninvestments zu den ertragsstärksten Anlageklassen. Aktienfonds und ETFs ermöglichen dabei eine Risikoreduzierung durch breite Streuung über viele Regionen und Unternehmen. Über lange Zeiträume können insbesondere der Zinseszinseffekt sowie der Cost-Average-Effekt zu einem erfolgreichen Vermögensaufbau beitragen.
Beispiel: Wer in den vergangenen 35 Jahren monatlich 100 Euro in einen globalen Aktienfonds investiert hätte, erzielte eine durchschnittliche jährliche Rendite von rund 7,3 %. Aus Einzahlungen von 42.000 € wären vor Steuern rund 184.376 € geworden. Mehr als 142.000 € entfielen dabei auf die Wertentwicklung.
Vorteil
Nachteile
Langfristig höhere Renditechancen und dadruch höheres Altersvorsorgekapital
Kurzfristige Kursschwankungen gehören dazu. Eine breite Streuung und ein langer Anlagehorizont, wie er bei der Altersvorsorge üblich ist, reduzieren das Risiko jedoch nachweislich.
Risiken lassen sich auch ohne starre Garantien steuern
Garantien sind nicht die einzige Möglichkeit, Risiken zu begrenzen. Viele Anbieter wie die DWS bieten Vorsorgelösungen mit professioneller und aktiver Risikosteuerung, um Schwankungen zu reduzieren und gleichzeitig Renditechancen zu erhalten.
Dazu zählen unter anderem:
Schrittweise Verringerung des Aktienanteils mit zunehmendem Alter und Umschichtung in sicherere Anlagen
Breit diversifizierte Multi-Asset-Fonds für Anleger mit unterschiedlichen Risikoneigungen
Regelbasierte Umschichtungen durch ein professionelles Management des Anbieters
Vorteil
Nachteil
Aktive Risikosteuerung kann höhere Renditechancen eröffnen als starre Garantiekonzepte
Anleger sollten sich mit der jeweiligen Strategie vertraut machen und prüfen, ob sie zu ihrer persönlichen Risikobereitschaft passt
Garantien schützen nicht vor Inflation
Ein häufiger Irrtum: “Garantien sichern automatisch den späteren Lebensstandard.” Tatsächlich erhalten Garantien in der Regel nur den Geldbetrag in Euro (= nominaler Wert). Steigen die Preise über viele Jahre, sinkt die Kaufkraft trotz Garantie deutlich (= realer Wert). Aus 100.000 € bleiben beispielsweise nach 30 Jahren real lediglich rund 58.555 € Kaufkraft.
Deshalb ist nicht entscheidend, welcher Geldbetrag garantiert wird, sondern welche Kaufkraft das angesparte Vermögen im Ruhestand hat. Anleger sollten real/inflationsbereinigt denken, denn gerade auf lange Sicht hat die Inflation große Auswirkungen. Um die Inflation auszugleichen, muss eine langfristige Geldanlage eine Rendite in Höhe der Inflationsrate oder höher erwirtschaften.
Vorteil
Nachteil
Nominale Sicherheit erleichtert die finanzielle Planung
Kaufkraftverluste durch Inflation wirken unsichtbar, bleiben aber bestehen
Mehr Mitspracherecht beim eingegangenen Risiko
Mit der neuen Reform erhalten Anleger künftig mehr Flexibilität. Sie können ihren Altersvorsorgevertrag noch besser auf die eigene Risikobereitschaft abstimmen und sogar vollständig auf Garantien verzichten.
Vorteile
Nachteil
• Individuell wählbare Sicherheitsstufen • Höhere Renditechancen bei geringeren Garantien
Aktive Entscheidung notwendig
Fazit
Welche Lösung sinnvoll ist, hängt vom persönlichen Anlagehorizont und der individuellen Risikobereitschaft ab. Garantien bei der Altersvorsorge bieten Sicherheit. Wie die Erfahrungen mit der Riester-Rente zeigen, schränken sie jedoch gleichzeitig die Renditechancen deutlich ein und schützen nicht vor Inflation.
Wer dagegen langfristig investiert und zwischenzeitliche Schwankungen akzeptieren kann, hat ohne starre Garantien die besseren Chancen auf einen höheren Vermögensaufbau. Dabei bedeutet ein Verzicht auf eine Garantie nicht, dass Anleger automatisch ein hohes Risiko eingehen müssen. Auch ohne Garantievertrag kann jeder Anleger selbst entscheiden, wie viel Risiko er eingehen will.
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Rechtlicher Hinweis: Die bereitgestellten Informationen stellen keine Empfehlungen dar und dienen nicht der Anlageberatung. Wertentwicklungen der Vergangenheit sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.