Höhere Renditen asiatischer Staatsanleihen

Allianz Global Investors

Allianz Global Investors "Die Woche voraus" vom 23.10.2026

Die Renditen von Staatsanleihen der Industrieländer sind gestiegen, wie sich an US-Staatsanleihen (US Treasuries, UST), französischen Staatsanleihen (Obligations Assimilables du Trésor, OAT) und lang laufenden japanischen Staatsanleihen (Japanese Government Bonds, JGB) zeigt. Höhere Anleiherenditen in den Industrieländern erhöhen die globalen Finanzierungskosten und spiegeln vermutlich die Inflations- und Haushaltsrisiken dieser Volkswirtschaften wider.

Auch in den asiatischen Schwellenländern (Asien ohne Japan) steigen die Renditen von Staatsanleihen, im Allgemeinen jedoch in gemäßigterem Tempo. Im Vergleich zu den USA, Frankreich und Japan ist die Staatsverschuldung der asiatischen Schwellenländer in Prozent (%) des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in der Regel niedriger, die Zinslast (in % des BIP) in der Regel geringer und weniger zinssensitiv, die Laufzeiten der Schulden sind in der Regel länger, und der Anteil ausländischer Gläubiger an den Staatsschulden ist in der Regel geringer. Wir gehen nicht davon aus, dass der Renditeanstieg bei Staatsanleihen der asiatischen Schwellenländer ernsthafte Inflations- oder Haushaltsrisiken widerspiegelt, wie sie in den USA, in Frankreich und in Japan zu beobachten sind.

Steigende Anleiherenditen in den USA und im Inland sind für die asiatischen Schwellenländer zwar negativ, die Region ist heute jedoch besser aufgestellt als in früheren Zyklen. Im aktuellen Zyklus profitieren die asiatischen Schwellenländer von einem kräftigen Exportwachstum, getragen von robusten Technologieinvestitionen in den USA, die die Nachfrage nach Elektronik, Investitionsgütern und damit verbundenen Vorleistungen aus den Lieferketten der Region erhöhen. Verstärkt wird diese Dynamik durch einen breiter angelegten Investitionszyklus, angetrieben von Investitionen in künstliche Intelligenz (KI), Energie, Verteidigung und Industriekapazitäten. Anders als in den 1990er-Jahren vor dem Ausbruch der Asienkrise ist in den asiatischen Schwellenländern kein vergleichbarer Aufbau von Verschuldung zu beobachten.

Wir sind der Ansicht, dass die asiatischen Schwellenländer mit solider Export- und Investitionsdynamik in den aktuellen Straffungszyklus der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) gehen, jedoch ohne Bilanzprobleme in dem Ausmaß, wie sie für die späten 1990er-Jahre kennzeichnend waren. Die meisten Volkswirtschaften der Region weisen Leistungsbilanzüberschüsse auf. Auch die Inflation ist trotz des jüngsten Anstiegs der globalen Energiepreise moderat. Von den Zentralbanken werden zwar Zinserhöhungen erwartet, jedoch aus antizyklischen Gründen; die Realzinsen dürften dadurch kaum in den restriktiven Bereich steigen. Zudem hat sich in den Bilanzen des Privatsektors der asiatischen Schwellenländer außerhalb Chinas keine nennenswerte Verschuldung aufgebaut.

Mit Blick auf die Kapitalanlage bleiben wir für die makroökonomische Lage und die Aktienmärkte Südkoreas, Taiwans, Malaysias, Singapurs sowie Chinas/Hongkongs konstruktiv. Diese Volkswirtschaften sind weniger anfällig für Risiken aus dem Nahen Osten, durch El Niño sowie durch höhere Anleiherenditen in den USA und im Inland, und sie profitieren vom globalen KI-Investitionsboom. Bei asiatischen Währungen und Anleihen bleiben wir defensiv, da der Markt weitere Leitzinserhöhungen der Federal Reserve sowie höhere Renditen von US- und lokalen Staatsanleihen erwartet. Mit Ausnahme der Philippinen, die mit hoher Inflation und einem Leistungsbilanzdefizit zu kämpfen haben, scheinen höhere Staatsanleiherenditen in den asiatischen Schwellenländern verkraftbar, während steigende Staatsanleiherenditen in anderen Teilen der Welt eher Anlass zur Sorge zu geben scheinen.

Die Woche Voraus

In den USA werden am Dienstag die Auftragseingänge für Gebrauchsgüter für September (auch ohne Transportgüter), der landesweite Case-Shiller-Hauspreisindex für August, das Verbrauchervertrauen für Oktober sowie die Verkäufe neuer Häuser für September veröffentlicht. Am Mittwoch, dem 28. Oktober, folgt die Leitzinsentscheidung der Federal Reserve. Der Markt preist für Oktober keine Zinserhöhung ein, viele Mitglieder des Offenmarktausschusses (Federal Open Market Committee, FOMC) halten jedoch eine weitere Zinserhöhung bis zum Jahresende für angemessen. Am Donnerstag folgen die Gesamt- und Kernrate der Inflation gemessen am Preisindex für die privaten Konsumausgaben (PCE) für September sowie die ersten Schätzungen für das BIP und den Kern-PCE-Preisindex im dritten Quartal. Ebenfalls am Donnerstag werden die Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung für die Woche bis zum 19. Oktober und die fortgesetzten Anträge für die Woche bis zum 12. Oktober veröffentlicht. Der Chicagoer Einkaufsmanagerindex für Oktober folgt am Freitag.

Im Euroraum werden am Donnerstag die Indikatoren zur Wirtschafts-, Industrie- und Dienstleistungsstimmung für Oktober sowie der endgültige Wert des Verbrauchervertrauens für Oktober veröffentlicht. Am selben Tag steht auch die Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank für Oktober an; erwartet wird, dass der Hauptrefinanzierungssatz und der Einlagensatz bei 2,65% bzw. 2,50% bleiben. Am Freitag folgen die vorläufigen BIP-Zahlen für das dritte Quartal: Für das Quartalswachstum werden 0,3% erwartet, nach 0,6% im Vorquartal; zudem wird die Jahreswachstumsrate veröffentlicht.

In Japan ist die Zinsentscheidung der Bank of Japan (BoJ) für Freitag, den 30. Oktober, angesetzt. Der Markt erwartet, dass die BoJ ihren Leitzins auf dieser Sitzung unverändert lässt. Ebenfalls am Freitag werden die Einzelhandelsumsätze für September veröffentlicht.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie gut durch die Phase höherer Anleiherenditen kommen und gute Erträge erzielen.

Ihr,

Christiaan Tuntono 
Senior Economist, Asia Pacific

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