Invest in Visions über den usbekischen Finanzmarkt im Wandel

Invest in Visions

Invest in Visions Markets in Motion vom 29.09.2026

Was bewegt die Märkte? Was macht Schwellenländer attraktiv? Wo liegen Chancen – und welche Risiken gilt es zu beachten? Diesen Fragen geht Invest in Visions bei „Markets in Motion“ nach.

Zentralasien im Aufbruch

Usbekistan ist mit rund 38 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste Land Zentralasiens und damit einer der größten Konsum- und Finanzmärkte der Region. Das Land liegt im Herzen Zentralasiens und grenzt an Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan, Turkmenistan und Afghanistan.

Wirtschaftlich hat Usbekistan in den vergangenen Jahren einen bemerkenswerten Wandel vollzogen. Seit 2016 verfolgt die Regierung unter Präsident Shavkat Mirziyoyev einen Reformkurs mit dem Ziel, die traditionell stark staatlich geprägte Wirtschaft zu öffnen. Dazu gehören die Liberalisierung des Wechselkurses, Steuer- und Regulierungsreformen, die Privatisierung staatlicher Unternehmen und Banken sowie Maßnahmen zur Stärkung des privaten Sektors.

Das Ergebnis: Usbekistan gehört derzeit zu den wachstumsstärksten Volkswirtschaften Zentralasiens. Nach einem realen BIP-Wachstum von 7,7 Prozent im Jahr 2025 legte die Wirtschaft im ersten Quartal 2026 sogar um 8,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu. Für das Gesamtjahr 2026 erwartet der IWF weiterhin ein kräftiges Wachstum von rund 6,8 Prozent.

Gold, Landwirtschaft, Textilien, Industrie, Bau und Dienstleistungen zählen zu den wichtigsten Wirtschaftssektoren. Gleichzeitig sorgt der hohe Goldpreis, steigende Rücküberweisungen aus dem Ausland und wachsende Nicht-Gold-Exporte für zusätzliche Unterstützung der Außenwirtschaft.

Der wirtschaftliche Wandel ist damit längst mehr als ein politisches Reformprojekt: Er verändert auch die Nachfrage nach Finanzdienstleistungen.

Eine junge Bevölkerung mit wachsendem Finanzbedarf

Demografisch bringt Usbekistan eine wichtige Voraussetzung für langfristiges Wachstum mit: Menschen. Zum 1. Januar 2026 lebten rund 38,2 Millionen Menschen im Land. 1,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Rund 32 Prozent der Bevölkerung waren jünger als das arbeitsfähige Alter, knapp 56 Prozent der Bevölkerung gehörten zur Gruppe im arbeitsfähigen Alter.

Auch die Verteilung zwischen Stadt und Land ist bemerkenswert ausgeglichen: Im April 2026 lebten rund 50,9 Prozent der Bevölkerung in Städten und 49,1 Prozent auf dem Land.

Für die Wirtschaft bedeutet das einen kontinuierlich wachsenden Bedarf an Arbeitsplätzen, Wohnraum, Konsumgütern und darauf abgestimmte Finanzprodukte. Gerade Selbstständige, Kleinstunternehmen und kleine und mittlere Unternehmen spielen dabei eine wichtige Rolle.

Eine junge, wachsende Bevölkerung trifft hier auf eine Wirtschaft, die sich zunehmend privatisiert und diversifiziert und damit auf einen wachsenden Bedarf an Finanzierung.

Mehr Zugang zu Finanzdienstleistungen – aber noch nicht genug Kreditangebote

Auch beim Zugang zu Finanzdienstleistungen hat sich in Usbekistan viel bewegt. Laut Global Findex 2025 verfügten 2024 rund 59,7 Prozent der Erwachsenen über ein Konto bei einem Finanzinstitut oder einem Mobile-Money-Anbieter. 2021 waren es erst 44,1 Prozent. Gleichzeitig hatten 2024 rund 43,8 Prozent ein digital nutzbares Konto. Die Entwicklung zeigt: Der Zugang zu Finanzdienstleistungen nimmt deutlich zu.

Bei Krediten sieht das Bild jedoch noch anders aus. Nur rund 11,8 Prozent der Erwachsenen nahmen 2024 formell einen Kredit auf. Etwa bei einer Bank oder einem Mikrofinanzinstitut.

Damit entsteht eine interessante Lücke: Immer mehr Menschen verfügen über ein Konto und nutzen digitale Finanzdienstleistungen, gleichzeitig bleibt der Zugang zu formeller Finanzierung vergleichsweise begrenzt.

Insbesondere für Mikrounternehmer, Selbstständige und kleinere Unternehmen kann daraus ein erheblicher Finanzierungsbedarf entstehen.

Bankensektor zwischen Tradition und Transformation

Der Bankensektor ist nach wie vor stark von staatlichen Instituten geprägt. Zum 1. Juli 2026 verfügten die 34 Geschäftsbanken des Landes über rund 1.006 Billionen Usbekische Sum (UZS) an Vermögenswerten und 643 Billionen UZS an Krediten.

Staatlich kontrollierte Banken machten dabei noch rund 62 Prozent der Vermögenswerte und 66 Prozent des Kreditvolumens aus. Gleichzeitig wächst die Bedeutung privater und ausländischer Banken sowie digitaler Anbieter von Finanzdienstleistungen.

Die weitere Modernisierung des Finanzsektors ist deshalb ein wichtiger Bestandteil der
wirtschaftlichen Reformagenda. Ziel ist unter anderem, den staatlichen Einfluss zurückzuführen, Wettbewerb und Governance zu stärken, Kreditrisiken professioneller zu bewerten und digitale Zahlungs- und Finanzierungsangebote auszubauen. Der Bankensektor wächst – aber der Wandel ist noch nicht abgeschlossen.

Mikrofinanz: ein Markt mit hoher Dynamik

Besonders dynamisch entwickelt sich derzeit der Mikrofinanzsektor. Zum 1. August 2026 waren in Usbekistan 138 Mikrofinanzorganisationen registriert. Ihre gesamten Vermögenswerte beliefen sich auf rund 18,9 Billionen UZS, davon entfielen rund 16,9 Billionen UZS auf Kredite und Leasing. Im Vergleich zum Vorjahr haben sich die Vermögenswerte damit ungefähr verdoppelt; das Kreditvolumen stieg um rund 95 Prozent.

Das Wachstum wird durch mehrere Faktoren getragen: die steigende Nachfrage nach Kleinkrediten und KMU-Finanzierungen, die zunehmende Digitalisierung sowie die wachsende Bedeutung privatwirtschaftlicher Finanzdienstleister.

Zudem zeigt die Entwicklung, dass der Markt professioneller wird und stärker reguliert ist. Die Zentralbank hat unter anderem Maßnahmen gegen eine mögliche Überschuldung von Kreditnehmern eingeführt. Seit März 2026 gelten für Konsum- und Mikrokredite unter anderem Debt-to-Income-Grenzen (geben an, wie hoch die Schulden bzw. Kreditraten einer Person im Verhältnis zu ihrem Einkommen sein dürfen), die bei nicht formal nachweisbarem Einkommen strenger ausfallen.

Das ist aus Investorensicht relevant: Der Markt wächst schnell – und parallel werden die
regulatorischen Rahmenbedingungen weiterentwickelt.

Warum ist Usbekistan für Mikrofinanz interessant?

Usbekistan verbindet mehrere Faktoren, die den Markt für Mikrofinanz besonders interessant machen: Eine große und wachsende Bevölkerung trifft auf eine Wirtschaft mit hohem Wachstumstempo. Gleichzeitig befindet sich der Finanzsektor in einem strukturellen Wandel: Privatwirtschaftliche Finanzinstitute gewinnen an Bedeutung, während der traditionell dominante staatliche Bankensektor schrittweise geöffnet wird.

Hinzu kommt eine noch bestehende Finanzierungslücke. Zwar haben immer mehr Menschen Zugang zu Konten und digitalen Finanzdienstleistungen, doch formelle Kreditangebote erreichen bislang nur einen vergleichsweise kleinen Teil der Bevölkerung. Für Selbstständige, Kleinstunternehmen und kleine Betriebe bleibt der Zugang zu passender Finanzierung daher eine zentrale Herausforderung.

Genau hier kann Mikrofinanz ansetzen: Finanzierung dort bereitzustellen, wo klassische
Bankangebote noch nicht ausreichend greifen.

Für den IIV Mikrofinanzfonds ist Usbekistan deshalb ein interessanter Markt: Das Land verfügt über starke strukturelle Wachstumstreiber, einen sich modernisierenden Finanzsektor und einen wachsenden Bedarf an Finanzierungen für Menschen und Unternehmen, die vom traditionellen Bankensektor bislang nur eingeschränkt erreicht werden.

Fazit: Usbekistan ist damit nicht nur ein wachsender Finanzmarkt, sondern ein Markt, in dem sich finanzielle Inklusion und die Entwicklung des privaten Sektors gegenseitig verstärken können.

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