Nach den Zwischenwahlen hellt sich der Ausblick für Aktien wieder auf

Bantleon

BANTLEON News vom 22.10.2026

Die globalen Aktienmärkte befinden sich seit August in einer Seitwärtskonsolidierung. Die zahlreichen globalen Herausforderungen haben zudem zu einer Abkühlung des Sentiments geführt. Aus saisonaler Sicht dürfte das Marktumfeld bis nach den Zwischenwahlen im November angespannt bleiben. Das charttechnische Bild ist kurzfristig neutral zu bewerten. Erst zum Jahresende dürfte sich die Situation aufhellen und die Marktdynamik wieder verbessern. Dafür spricht neben den wieder etwas gesunkenen Bewertungen bei den großen Technologieunternehmen auch der positive mittelfristige Konjunkturausblick.

Die vergangenen Monate sind für globale Aktienanleger wenig erfreulich gewesen: Seit August befindet sich der S&P500 in einer Seitwärtskonsolidierung. Steigende Zinsen, der erneut aufgeflammte Nahostkonflikt und zunehmende Kritik an den hohen KI-Investitionen belasteten die Aktienmärkte. Der Eurostoxx, der die rund 300 liquidesten Titel der Eurozone umfasst, verlor gegenüber seinem Höchststand mehr als 5%. Dennoch bleibt die Jahresbilanz erfreulich: Der Eurostoxx legte im laufenden Jahr um 9,2% zu, der S&P500 in US-Dollar gerechnet um 14,3%. Gleichzeitig haben sich die Sentimentindikatoren mit Blick auf die US-Zwischenwahlen Anfang November eingetrübt. Der »CNN Fear and Greed Index« signalisiert mit 31 Punkten eine negative Marktstimmung. Gemäß »AAII US Investor Sentiment«-Umfrage sind 36% der Anleger optimistisch, 46% pessimistisch und 17% neutral gestimmt. Das Put-Call-Verhältnis liegt mit 0,65 auf einem moderaten Niveau. Damit besteht Raum für eine Stimmungsaufhellung. An den Anleihenmärkten führten steigende Staatsschulden und hohe Budgetdefizite bei erhöhten Zinsen zu Nervosität. Der »iTraxx Europe Crossover« weitete sich seit August von 250 auf 320 Basispunkte aus. Ob diese Risikoaversion auf die Aktienmärkte übergreift, bleibt abzuwarten. Der VIX-Future zeichnet mit 16,0 weiterhin ein entspanntes Bild; erst ab November signalisiert die Terminkurve die Erwartung stärkerer Schwankungen. Insgesamt ist das Stimmungsbild eingetrübt. Angesichts der US-Zwischenwahlen, des Nahostkonflikts und erhöhter Inflationssorgen erscheint die Zurückhaltung gerechtfertigt. Eine Abschwächung dieser Belastungen könnte die Stimmung deutlich aufhellen. Bis in den November hinein dürfte die Unsicherheit jedoch erhöht bleiben und die Aktienmärkte bremsen. Damit ist das Sentimentbild neutral zu bewerten.

Nach den Zwischenwahlen dürfte sich das Bild wieder aufhellen

Aktuell befinden sich die Aktienmärkte weiterhin in einer saisonal anspruchsvollen Phase. Historisch ist insbesondere der Monat Oktober durch eine erhöhte Volatilität und eine größere Anfälligkeit für temporäre Korrekturen geprägt. Hinzu kommt die Unsicherheit vor den Anfang November anstehenden US-Zwischenwahlen: In Midterm-Jahren zeigt sich historisch häufig eine erhöhte Schwankungsintensität vor den Wahlen, während sich die Aktienmärkte anschließend oft stabilisieren und zum Jahresende wieder deutlich freundlicher entwickeln. Mit dem November und Dezember stehen zudem zwei der saisonal stärksten Börsenmonate bevor, die häufig von einer Jahresendrallye geprägt sind. Insgesamt bleibt die saisonale Ausgangslage kurzfristig von erhöhter Vorsicht geprägt. Nach den US-Zwischenwahlen dürfte sich das saisonale Bild jedoch deutlich aufhellen und eine Erholung der Aktienmärkte begünstigen. 

Marktbreite hat deutlich nachgelassen

Die geografische Marktbreite hat sich seit August deutlich abgeschwächt. Der Anteil globaler Länderindizes im Aufwärtstrend ist von 88% auf 56% zurückgegangen. Besonders betroffen waren die Aktienmärkte in Europa und Asien, während sich die US-Aktienmärkte vergleichsweise resilient zeigten. Auch innerhalb der großen Aktienindizes hat die Marktbreite spürbar nachgelassen: Im Eurostoxx handeln derzeit noch 59% der Aktien oberhalb ihrer 200-Tage-Linie, beim S&P500 sind es lediglich 52%. Gegenüber August entspricht dies einem Rückgang um 18%- beziehungsweise 21%-Punkte und verdeutlicht die nachlassende Aufwärtsdynamik. Gleichzeitig haben die gestiegenen Zinsen insbesondere die hoch bewerteten Tech-Schwergewichte belastet. Dadurch haben sich die Bewertungen vieler Unternehmen der »Magnificent 7« inzwischen auf moderatere Niveaus zurückgebildet und sich das Bewertungsrisiko innerhalb des stark konzentrierten S&P500 zumindest teilweise reduziert. Dies gilt insbesondere für Nvidia (18,9), Alphabet (23,7), Amazon (23,2) und Meta (23,8). Microsoft (27,7) ist ebenfalls moderater bewertet, während Apple (36,5) und insbesondere Tesla (205,6) weiterhin hohe Bewertungsmultiplikatoren aufweisen.

Charttechnik spricht für Seitwärtsbewegung bis in den November hinein

Das charttechnische Bild ist sowohl für den S&P500 als auch für den Eurostoxx kurzfristig neutral. Der MACD liefert für den Eurostoxx weiterhin ein Verkaufssignal, während er beim S&P500 jüngst ins Positive gedreht hat. Die kurzfristigen gleitenden Durchschnitte signalisieren einen negativen Trend, die längerfristigen bleiben hingegen aufwärtsgerichtet. Auch die Bollinger-Bänder sind neutral. In dieser trendschwachen Marktphase bieten wichtige charttechnische Marken eine bessere Orientierung: Der Eurostoxx hat die Unterstützung bei 660 Punkten unterschritten und ist bis zur 200-Tage-Linie auf 645 Punkte gefallen (-6,7% gegenüber dem Hoch). Hält diese nicht, dürften die zyklischen Tiefs bei 620 Punkten (-5,1%) und anschließend die März-Tiefs bei 580 Punkten (-12,5%) getestet werden. Ein Anstieg über 660 Punkte, wo auch das mittlere Bollinger-Band verläuft, würde das technische Bild deutlich aufhellen und eine Rückkehr zu den Höchstständen begünstigen. Beim S&P500 liegt die 200-Tage-Linie nahe den zyklischen Tiefs bei 7265 Punkten (-6,5%). Damit bleibt der Index anfällig für kurzfristige Rücksetzer. Ein Unterschreiten dieser Marke könnte eine Korrektur bis zu den März-Tiefs und damit einen Rückgang von bis zu 20% auslösen. Wahrscheinlicher ist jedoch eine Fortsetzung der Seitwärtskonsolidierung bis in den November hinein.

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